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BitcoinBitcoin-Jahresrückblick 2021: Allzeithoch, China-Verbot und neue Bitcoin-Wale

Was war das für ein Jahr! Man könnte schon fast sagen, ein Bitcoin-Jahr entspricht sieben Menschenjahren, so rasant geht die Entwicklung voran: Alltime High jagt Alltime High – nur um an der Spitze der Euphorie immer wieder auf Bodensuche zu gehen. Sogar ein Mini-Bärenmarkt hat die Community 2021 in Atem gehalten. Und was ist eigentlich aus dem Stock-to-Flow-Modell geworden? Zeit, für einen Rückblick.

David Scheider
 |  Lesezeit: 10 Minuten
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Rewind

Quelle: Shutterstock

Für jedes Quartal haben wir jeweils einzelne Artikel angelegt. Ihr findet sie hier, hier, hier und hier.

Quartal 1

Das ging gut los. Im ersten Quartal dieses Jahres legte die Kryptowährung Nr. 1 einen flotten Einstand hin. Notierte Bitcoin am 1. Januar dieses Jahres noch bei 29.000 US-Dollar (USD), standen am 31. März immerhin 58.600 USD zu Buche – ein Kurswachstum von glatt 100 Prozent binnen drei Monaten. Selbst für Überflieger Bitcoin ist das viel. Zu viel, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Doch der Reihe nach.

Bitcoin-Energieverbrauch: Ein leidiges Dauerthema

Für Furore sorgte – mal wieder muss man sagen – Wirbel um Bitcoins Energieverbrauch. So titelte die FAZ etwa, dass “Bitcoin schädlich” sei, sogar von einer Schmuddelwährung Bitcoin war die Rede. Mark Schieritz, seines Zeichens Autor bei Die Zeit forderte gar das Bitcoin-Verbot. Doch mal langsam. Das Thema Energieverbrauch bei Proof-of-Work-Kryptowährungen ist ein vielschichtiges. Es lässt sich nicht mal eben so in kurzen Artikeln abhandeln. Deshalb hat sich ein Team von BTC-ECHO der Sache mit dem Stromverbrauch einmal angenommen. Das Ergebnis könnt ihr in der Kryptokompass-Ausgabe #49 nachlesen.

Streit um Bitcoin Whitepaper

Streit gab es dieses Jahr auch um das Bitcoin Whitepaper. Denn noch immer versucht ein Australier, der Welt Glauben zu machen, bei ihm handele es sich um Satoshi Nakamoto. Die Rede ist natürlich von Craig Wright. Wright erhebt nicht nur auf den Code Besitzansprüche (und will die sogar vor Gericht durchsetzen), sondern eben auch auf das Whitepaper. Letzteres hat er zum Anlass genommen, namhafte Hoster des originalen Satoshi-Papiers abzumahnen und eine Löschung des Whitepapers vornehmen zu lassen.

Das Ergebnis war allerdings das diametrale Gegenteil dessen: Anstatt das Papier zu löschen, haben sich immer mehr Dienste dazu bereiterklärt, das Bitcoin Whitepaper auf der eigenen Website zu hosten.

Bitcoin erstmals größer als Tesla

Erstmals im Februar dieses Jahres zog Bitcoin in Sachen Marktkapitalisierung an US-Autobauer Tesla vorbei. Denn bereits im Februar notierte die Kryptowährung Nr. 1 bei 58.330 US-Dollar. Damit war der gesamte Bitcoin-Markt rund 955 Milliarden USD wert – mehr als Tesla, das es zur gleichen Zeit “nur” auf einen Marktwert von 712 Milliarden USD bringt.

Zur Stunde sind die Verhältnisse wieder umgekehrt. Bitcoin rangiert auf Rang 10 (908 Milliarden USD Marktkapitalisierung) und Tesla auf Platz 8 (997 Milliarden USD Marktkapitalisierung).

Erster Bitcoin ETF in Nordamerika geht an den Start

Und dann gab es im ersten Quartal dieses Jahres doch noch eine größere Premiere zu feiern: Mit dem Purpose Bitcoin ETF feiert der erste Bitcoin ETF auf nordamerikanischem Boden seine Genese. Anders als gehofft wird der Indexfonds allerdings nicht in den USA gehandelt, sondern im Nachbarland Kanada.

Bis zuletzt hatte die US-Börsenaufsicht SEC gemauert – und war zuletzt doch eingebrochen. Dazu später mehr.

Quartal 2

Typisch für dieses Jahr: Diskussionen um das Flippening. Gemeint ist die Verdrängung von Bitcoin als wertvollstes Asset im Kryptoversum durch Ethereum. Dieser Trend nahm bereits im April dieses Jahres seinen Beginn, wie wir hier berichten. Übrigens geht der Trend dieser Tage weiter. Gegen Ende des Jahres ist klar: Ether hat 2021 deutlich besser performt als Bitcoin: Rund 62 Prozent hat BTC zugelegt, bei ETH sind es sage und schreibe 440 Prozent.

Der Bitcoin-Kurs im Jahreschart.
Der Ethereum-Kurs im Jahreschart.

Die Causa Tesla

Doch die Kurse waren nicht alles, was die Bitcoin Community dieses Jahr umtrieb. Auch das Auf-und-Ab der Tesla-Integration von Bitcoin bewegte die Gemüter. So hatte der US-Autobauer Tesla im Februar dieses Jahres Bitcoinern ein Fest bereitet, indem das Unternehmen eine groß angelegte Bitcoin-Strategie vermeldet hatte. Neben dem Einkauf von BTC im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar auch die Akzeptanz von BTC für Elektroautos in Aussicht gestellt. Gesagt, getan: Am 24. März schaltete Tesla den Autokauf via Bitcoin frei.

Doch die Euphorie sollte nicht lange währen. Bereits am 27. April verkaufte der Automobilhersteller 10 Prozent seiner BTC-Bestände – mutmaßlich um die Bilanz aufzubessern.

Coinbase geht an die Börse

Mit der US-Krypto-Exchange Coinbase ist am 14. April dieses Jahres die erste Bitcoin-Handelsplattform zu einem börsennotierten Unternehmen geworden. Das mittels Direct Public Offering (DPO) aufs Börsenparkett gehobene Unternehmen debütierte mit sage und schreibe 68 Milliarden US-Dollar. Je Aktie wurde ein Stückpreis von durchschnittlich 343,58 US-Dollar veranschlagt. Wer bislang gehalten, ist aber eher angeschmiert. Denn verglichen mit dem Einstandskurs notiert COIN rund 23 Prozent im Minus.

Zum Zeitpunkt des Schreibens ist eine COIN-Aktie für 252 US-Dollar zu haben.

El Salvador macht Bitcoin zu gesetzlichem Zahlungsmittel

Damit hätte wohl Anfang des Jahres niemand gerechnet: Am 9. Juni dieses Jahres stimmte das Parlament des zentralamerikanischen Staates El Salvador für ein Gesetz, dass Bitcoin neben dem US-Dollar zur offiziellen Landeswährung machen soll. Das Gesetz ist historisch. In keinem anderen Land auf der Welt besteht bei Zahlungen mit BTC Annahmezwang.

Letztlich eingeführt wurde das Gesetz am 7. September. Gut zwei Monate später war BTC-ECHO mit einem Team vor Ort und hat sich ein eigenes Bild von der Umsetzung gemacht. Das Ergebnis könnt ihr in Ausgabe 54 des Kryptokompass lesen oder in unserem Podcast nachhören.

Quartal 3

Das war ein Paukenschlag: Nachdem China im Juni dieses Jahres der dortigen Mining-Industrie quasi von einem Tag auf den anderen den Garaus gemacht hatte, folgte am 24. September ein sogenanntes Krypto-Transaktionsverbot.

Das heißt: Seit Ende September sind alle privaten Krypto-Transaktionen verboten. Verschärfend hinzu kommt noch ein Verbot für ausländische Exchanges, in China Geschäfte zu machen. Ausgesprochen hat das Verbot nicht etwa die chinesische Regierung, sondern die Zentralbank des Landes PBOC.

“Die Erbringung von Dienstleistungen durch virtuelle Währungsbörsen im Ausland für in China ansässige Personen über das Internet ist ebenfalls eine illegale Finanzaktivität”,

hießt es in dem PBOS-Statement.

Doch das Verbot war allen Anscheins nach eine Nebelkerze, die von bestehenden Problemen in dem Land ablenken. So hatten Gerüchte um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Immobilienkonzerns Evergrande sowohl das Land als auch die globalen Finanzmärkte massiv verunsichert. Ein Sündenbock war schnell gefunden: Kryptowährungen stören “die Wirtschafts- und Finanzordnung“, schreibt die chinesische Zentralbank.

Noch eindrücklicher wirken dürfte nur das Mining-Verbot in China. Denn seit Juni dieses Jahres ist das Proof-of-Work-gestützte Schürfen nach Kryptowährungen nicht mehr erlaubt. Der kurzfristige Einbruch der Hashrate im Netzwerk war so enorm, dass so mancher Marktbeobachter Angst vor möglichen Attacken auf das Netzwerk hatte.

Doch wie in der Grafik zu sehen ist, war der Rückgang nur temporär. Wieso das chinesische Mining-Verbot langfristig sogar positiv für Bitcoins Dezentralität sein kann, erklärt Sven Wagenknecht in seinem Kommentar.

Mining verlagert sich von Ost nach West

Dass das chinesische Mining-Verbot im Sommer dieses Jahres keinen nachhaltigen Einbruch der Netzwerksicherheit nach sich gezogen hatte, zeigt ein Blick auf die aktuelle Hashrate – denn die ist mit 197 EH/S auf Allzeithoch-Kurs. Profitiert hatte dabei vor allem eine Region: Nordamerika. Sowohl kanadische als auch amerikanische Mining-Unternehmen hatten in diesem Jahr massiv aufgerüstet. So manches Unternehmen debütierte sogar an der Börse.

Das kanadische Unternehmen HIVE Blockchain Ltd. etwa hatte im Juli dieses Jahres Mining Rigs für 66 Millionen US-Dollar erworben und seine Hashrate um 46 Prozent erhöht.

Britisches PayPal integriert Bitcoin

2020 hob PayPal mit seiner Integration in den USA von Bitcoin und Co. aus dem Covid-Crash, der BTC damals binnen eines Tages 35 Prozent seines Werts gekostet hatte. Mit dem Vereinigten Königreich ist seit Juli dieses Jahres ein zweites englischsprachiges Land an Bord. Wann die Integration auch hierzulande folgt, ist nach wie vor unklar.

Salvadorianer:innen gehen gegen Bitcoin-Gesetz auf die Straße

El Salvadors Präsident Nayib Bukele mag beliebt sein, doch nicht alles, was er anfasst, wird zu Gold. Das Bitcoin-Gesetz etwa musste einen etwas holprigen Start nehmen: Betrug um die versprochen 30 US-Dollar in Bitcoin, die jedem Chivo-Neuling zustehen etwa, war an der Tagesordnung. Dies und die hohe Volatilität der Kryptowährung bewogen so manchen Salvadorianer im August gegen das Gesetz auf die Straße zu gehen. Dabei wurde auch ein Chivo ATM in Flammen gesetzt.

Quartal 4

Für die Bitcoin-Bullen war Quartal Nummer 4 ein durchwachsenes. Zwar stellte die Kryptowährung Nr. 1 am 10. November bei 69.000 USD sein vorläufiges Allzeithoch auf. Zum Zeitpunkt des Schreibens (28. Dezember) notiert das digitale Gold davon aber weit abgeschlagen. Lediglich 49.000 USD bringt Bitcoin heute auf die Waage und damit rund 29 Prozent weniger als sechs Wochen zuvor.

Doch auch das letzte Quartal dieses Jahres hatte einiges an Zündstoff bereitgehalten. Das vierte Quartal im Überblick.

Justizauktion: NRW versteigert beschlagnahmte Bitcoin

Man kannte es zuvor nur aus den USA: Bei Strafverfahren beschlagnahmte Bitcoins wurden dieses Jahr erstmals auch in Deutschland versteigert. Genauer gesagt versteigerten nordrhein-westfälischen Strafverfolgungsbehörden Bitcoins im Gegenwert einer achtstelligen Summe. Entgegen jedweder Intuition gerieten die Coins, die zu verschiedenen Stückelungen angeboten wurden, über dem damaligen Marktpreis unter den Hammer.

Dieser Bitcoin (Auktionsnummer #147503) war dem Höchstbieter beispielsweise 57.010 Euro wert – und das, obwohl der damalige Marktpreis nur bei 50.800 USD lag.

USA jetzt größte Bitcoin-Mining-Nation der Welt

Der Mining-Exodus von Ost nach West ist vollzogen. Wie aus Daten des Cambridge Centre for Alternative Finance hervorgeht, tragen die USA mit 35 Prozent den größten Teil zur globalen Bitcoin Hashrate bei. Der chinesische Anteil hingegen liegt offiziellen Zahlen zufolge aktuell bei null.

Damit füllen die USA das vonseiten Chinas herbeigeführte Machtvakuum in Sachen Bitcoin binnen weniger Monate.

MicroStrategy avanciert zum Bitcoin-Wal

Nicht erst seit gestern legt das US-Börsenunternehmen MicroStrategy großen Wert auf seine Bitcoin-Bestände. So konnte das Unternehmen, dessen Geschäftsmodell eigentlich der Vertrieb von Business-Intelligence-Software ist, in kurzer Zeit veritable Bitcoin-Rücklagen aufbauen.

Das von Michael Saylor geführte Unternehmen langte zuletzt Anfang Dezember zu und kaufte 1.434 BTC nach. Damit hält MicroStrategy insgesamt 122.478 BTC.

Mastercard will Bitcoin integrieren

Der Plastikkartenhersteller Mastercard springt auf den Krypto-Zug auf. Wie am 26. Oktober bekannt geworden ist, will der Zahlungsdienstleister Zahlungen in Bitcoin und Co. ermöglichen sowie ein Krypto-basiertes Reward-System einbauen.

Wann es so weit ist, ist bisher allerdings nicht bekannt. Mehr Infos findet ihr in unserer Podcast-Ausgabe zu dem Thema.

Sparkasse aber auch

Doch damit nicht genug der Krypto-Integration. Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hat entsprechendes vor. Eine Krypto-Wallet sei bereits in der Mache, erste Pilotprojekte könnten bereits im kommenden Jahr an den Start gehen. Das wäre ein Paukenschlag. Schließlich sind die Sparkassen immer noch die kundenstärksten Kreditinstitute des Landes. So könnten mehrere Millionen Kundinnen und Kunden auf einen Schlag ins Krypto-Ökosystem integriert werden.

Übrigens: Wer enttäuscht über die fast sicher geglaubten 100.000 USD pro Bitcoin ist, der möge einen Blick auf die Yearly Candles werfen.

Denn auch in 2021 kann die Kryptowährung Nr. 1 einen Kursgewinn von 65 Prozent verbuchen. Und damit blicken wir optimistisch ins Jahr 2022.

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