Bitcoin und der Strom Nein, Bitcoin ist keine „Schmuddelwährung“
David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Gas wird verbrannt. CO2 entsteht.

Quelle: Shutterstock

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Der Bitcoin-Kurs kennt kein Halten mehr. Doch auch diese Kursrallye ruft wieder unbelehrbare Zweifler und Skeptiker auf den Plan, die Bitcoin aufgrund seines Energieverbrauchs kritisieren. Was ist dran an Bitcoins Stromhunger?

Bitcoin steigt und steigt und steigt. Doch nicht für alle ist dies ein Grund zu feiern. Vielen Marktbeobachtern, vor allem aus eher (Wirtschafts)konservativem Milieu, ist die Kryptowährung auch nach elf Jahren seines Bestehens nicht geheuer. So titelte etwa die FAZBitcoin ist schädlich“ und grub dabei FUD von 2017 aus. Das Argument kennt man: Bitcoin verbraucht ungeheuer viel Energie. Vergleichbar etwa mit dem gesamten jährlichen Stromverbrauch von Argentinien.


Das mache, so die oberflächliche Analyse, Bitcoin zu „Schmuddelwährung Nr. 1“. Mark Schieritz, seines Zeichens wirtschaftspolitischer Korrespondent der Zeit, forderte daher sogar, Bitcoin „abzuschalten“. Vermutlich wohl wissend, dass das überhaupt nicht möglich ist.

Bitcoin verbraucht Strom. Na und?

Es ist schon erstaunlich, dass sich Kritiker immer noch an Bitcoins Stromverbrauch aufhängen. Dabei gibt es genug Ressourcen, die zeigen, dass Bitcoins Energiehunger gerechtfertigt ist. Nicht zuletzt auf BTC-ECHO verweisen wir immer wieder auf Studien, die zeigen, dass Bitcoin überwiegend Strom aus erneuerbaren Energien nutzt.

Doch das Argument ist vielschichtiger als das. Wer wirklich begreifen will, dass Bitcoin den globalen Handel mit Energie sogar effizienter machen kann, der muss zunächst einen Blick auf die Achillesferse der Stromgewinnung werfen: Den Transport. Strom über weite Strecken zu transportieren ist aufwändig und ineffizient. Die Weltbank schätzt, dass weltweit jedes Jahr 8 Prozent des erzeugten Stroms beim Transport von A nach B verloren gehen.

Zudem lässt sich erzeugter Strom nur schwer speichern. In der Regel wird Energie aus Kraftwerken daher direkt ins Netz eingespeist. Ob dem Stromangebot aber auch eine Nachfrage entgegensteht, steht auf einem anderen Stern. Da die Stromproduktion recht unflexibel ist, kann kann es zu Überschüssen und Mängeln kommen. Erneuerbare Energien verschlimmern dieses Problem abermals, da sie in einem größeren Ausmaß von äußeren Bedingungen wie Wind, Regenfall oder Sonne abhängen.


BTC nimmt überschüssigen Strom vom Markt

Bitcoin kann da Abhilfe schaffen. Schließlich ist BTC ein hochkompetitiver Abnehmer günstigen Stroms. Und Strom ist genau dann besonders günstig, wenn es einen Überschuss gibt. Im Klartext bedeutet das, dass sich Bitcoin-Minen örtlich direkt neben Stromproduzenten wie Solaranlagen oder Wasserkraftwerken ansiedeln und sodann als konstanter Abnehmer von Überschuss-Strom dienen könnten. Dass dies tatsächlich gängige Praxis ist, zeigt ein Blick nach China. Die Provinz Sichuan gilt als Epizentrum chinesischer Wasserkraft. Durch staatliche Subventionen sind dort innerhalb kürzester Zeit enorme Wasserkraftwerke entstanden. Allerdings übersteigt die Produktionskapazität bei weitem die Nachfrage, weshalb ein großer Teil der erzeugten Energie verloren geht.

Es ist kein Zufall, dass nach aktuellen Schätzungen über 9 Prozent der gesamten Bitcoin Hash Rate aus Sichuan kommt. Zu Regenzeiten, wenn die Staudämme voll sind, steigt diese Zahl sogar noch.

In den Haushalten kommt immer noch genug an, schließlich nutzt Bitcoin in der Regel überschüssige Energie, die andernfalls tatsächlich verschwendet gewesen wäre. Und mehr noch: BTC kann sogar für eine Netto-Reduktion von CO2 sorgen. Es ist nämlich gängige Praxis, Überschuss oder Abfallprodukte bei der Gas- oder Ölförderung einfach zu verbrennen. Man spricht von Flaring. Startups wie Upstream Data Inc arbeiten daher mit Gasförderern zusammen, um das überschüssige Gas in pure monetäre Energie umzuwandeln, sprich Bitcoins zu minen.

Nic Carter beschreibt Bitcoins Energienutzung als eine Art Glätteeffekt auf globale Strom-Peaks und -lows.

Meine bevorzugte Art, darüber nachzudenken, ist die folgende. Stellen Sie sich eine topographische Karte der Welt vor, aber mit den lokalen Stromkosten als Variable, die die Höhen und Tiefen bestimmt. Fügt man Bitcoin hinzu, ist es, als würde man ein Glas Wasser über die 3D-Karte gießen – es setzt sich in den Tälern ab und glättet sie.

Nic Carter

Oberflächlich betrachtet mag Bitcoin also viel Strom verbrauchen. Für ein dezentrales, globales und obendrein inklusives Zahlungsnetzwerk ist das aber allemal gerechtfertigt.


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