Wird der Ripple-Kurs bald bei 100 Euro sein?

Wird der Ripple-Kurs bald bei 100 Euro sein?

Spoiler: Wahrscheinlich nicht. Schaut man sich die Struktur von Ripple an, lässt sich zeigen, dass allzu hohe Preisanstiege beim Ripple-Kurs unwahrscheinlich sind.

Welcher Trader kennt sie nicht, die enthusiastischen Blicke in die Kristallkugel: Ripple wird noch im April 100 Euro erreichen, die 1000-er Marke kommt nächstes Jahr! Das Gegenteil von FUD lautet HEC: Hype, Enthusiasm and Certainty. Von Hype, Enthusiasmus und (trügerischer) Sicherheit lässt man sich dann ebenso schnell mitreißen, wie von seinem Gegenspieler. Doch gerade bei Ripple sprechen einige Gründe gegen einen allzu rasanten Kursanstieg, allen voran die schiere Menge an zirkulierenden XRP.

Warum gibt es überhaupt so viele XRP?

Mit 38, 7 Milliarden XRP übersteigt die zirkulierende Menge des Ripple-Tokens den von Bitcoin um ein mehr als 2000-faches. Hinzu kommt, dass Ripple noch einige (um präziser zu sein etwa 61,4 Milliarden) Token in der Hinterhand hält.

Diese hohe Menge an existenten Token ist den vorgesehenen Use-Cases geschuldet. Ripple ist nicht, wie etwa Bitcoin, auf den End-Nutzer ausgerichtet, sondern auf Unternehmen wie etwa Zahlungsdienstleiste, Finanzinstitutionen und Banken. XRP, die Währung selbst, ist vielmehr Dienstleister als Zahlungsmittel: Es überträgt jegliche Art von Werten.

Durch die Infrastruktur des Netzwerkes werden zudem 1.500 Transaktionen pro Sekunde gesichert. Ripple ist also ein Netzwerk, welches schnelle Transaktionen garantieren will. (Hier sollen nur die nötigsten Details offengelegt werden, zum besseren Verständnis empfehlen wir euch unser Tutorial). Nutzer zahlen dann für die Durchführung der Transaktionen eine Gebühr, die jedoch nicht direkt eingesammelt wird, vielmehr werden die XRP-Token vernichtet.

Pseudo-Dezentral

In der Vergangenheit geriet das Unternehmen immer wieder in Kritik – so lag bei einem gesamten Kontingent von 100 Milliarden Token mehr als die Hälfte, 61,4 Milliarden in den Händen der Entwickler. Nach eigenen Angaben haben sie diese zurückgehalten, um Liquidität, Vertrauen und Anwendbarkeit zu garantieren.

Um dies letztendlich besser zu garantieren, haben sie Ende letzten Jahres ein Escrow-System eingeführt. Dahingehend haben sie in einem, sagen wir „digitalen Bunker“ die Anzahl von 55 Milliarden XRP hinterlegt. Diese haben sie wiederum in 55 Pakete aufgeteilt, von denen sie pro Monat maximal einen ausschütten. Unter anderem, um verbrannte Ripple auszugleichen (die aber nur einen minimalen Bruchteil der Gesamt-Menge betragen), aber auch um Anreize für neue Investoren zu schaffen. Alle für diese Zwecke nicht benötigten XRP werden wieder in das Escrow-System eingespeist und für später aufgehoben.

Wird der Ripple-Kurs einmal bei 100 Euro liegen?

Aufgrund der intendierten Use-Cases und um einen hohen Grad an Liquidität und damit auch Stabilität zu garantieren, benötigt das Ripple-Netzwerk also ein hohes Volumen an Token. Und genau dieser Punkt macht es sehr unwahrscheinlich, dass der Ripple-Kurs auf 100 Euro ansteigt. (Von der Möglichkeit einer Inflation sei hier einmal abgesehen).

Was müsste nun also passieren, dass ein Ripple 100 Euro wert ist? Hier sind einige einfache Rechenschritte zu tätigen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zirkulieren knapp 38,7 Millarden XRP bei einem Preis von 1,01 Euro, die Marktkapitalisierung liegt bei 39,1 Milliarden Euro.

Bei einem Preis von 100 Euro pro Ripple lägen wir bei einer Marktkapitalisierung von 3,8 Billionen (das sind 12 Stellen hinter der 3). Das ist die ungefähr 25,5-Fache Geldmenge der aktuellen Marktkapitalisierung von Bitcoin.

Anders ausgedrückt: Um einen Ripple-Preis von 100 Euro möglich zu machen, müssten alle derzeit auf Coinmarketcap gelisteten Kryptowährungen ihre Geldmengen in einen Topf werfen und um ein 8-faches vermehren, um genügend Euro zur Verfügung zu stellen, um alle vorhandenen Ripple zu bezahlen. Unwahrscheinlich.

Doch werfen wir einen Blick hinaus aus der Krypto-Welt und schauen auf die Börse. Orientiert man sich hier an der Marktkapitalisierung, müssten folgende Unternehmen (kein Witz!) ihre Marktkapitalisierung addieren, um ansatzweise auf 3,8 Billionen Euro zu kommen: Apple (702,35 Mrd.), Microsoft (584,14 Mrd.), Amazon (543,87 Mrd.), JP Morgan Chase (324,9 Mrd.), Nestle (217,37 Mrd.), Shell (241,2 Mrd.), BP (234,1 Mrd.), Coca Cola (166,45 Mrd.), Boeing (164,55 Mrd.), Disney 136,05 Mrd.), McDonalds (114,46 Mrd.), SAP (112,68 Mrd.), Siemens (102,9 Mrd.), Loreal (102,23 Mrd.) und Netflix (95,66 Mrd.). Ziemlich unwahrscheinlich.

Fazit

Es ist also vor allem die Anwendbarkeit im Zusammenhang mit der Infrastruktur des Netzwerkes, welches allzu große Kursanstiege unwahrscheinlich macht. Schließlich steht Ripple in Konkurrenz zu den gängigen Zahlungsabwicklern wie Visa & Co, indem sie niedrige Transaktionskosten garantieren. Da sich diese aus dem Kurs errechnen, ist es nicht im Interesse von Ripple, diesen in die Höhe zu treiben. Indem sie zusätzliche Token ausschütten, können sie das verhindern. Zudem ist es letztlich das Verhältnis zwischen zirkulierender Menge an Token und Marktkapitalisierung die es hier möglich machen, die Sache realistisch zu betrachten.

Man fragt sich nun verständlicherweise, welche Aussichten realistisch sind. Würde Ripple nun auf den ersten Platz in Sachen Marktkapitalisierung rutschen und Bitcoin einholen, müsste die Marktkapitalisierung Ripples um ein 3,8-Faches steigen. Der Ripple-Kurs läge dann bei 3,88 Euro.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch ist Chef vom Dienst von BTC-ECHO und für die Strukturierung und Planung der redaktionellen Inhalte verantwortlich. Er sammelte während des Studiums mehrjährige Redaktionserfahrung und war danach als freiberuflicher Journalist tätig, bevor er im Januar 2018 begann, als Redakteur bei BTC-ECHO zu arbeiten. Phillip hat einen Master in Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften, für den er an der Uni Konstanz und an der Universidad de Valparaíso studierte.

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