Paris Blockchain Week 

“XRP und Ripple USD werden sich gegenseitig verstärken”

Ripple setzt seit Jahren auf reale Anwendungen statt bloßer Visionen. Warum der XRP Ledger bald eine zentrale Rolle in der Finanzwelt spielen könnte.

Josip Filipovic
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Das Bild zeigt Markus Infanger und eine XRP-Münze

Beitragsbild: Shutterstock I Fotomontage

| BTC-ECHO hat Markus Infanger auf der Paris Blockchain Week interviewt

Viele Marktteilnehmer blicken derzeit eher skeptisch auf den Krypto-Markt. Starke Kursschwankungen und geopolitische Spannungen belasten die Stimmung. BTC-ECHO hat mit Markus Infanger, Senior Vice President bei RippleX, auf der Paris Blockchain Week gesprochen – er zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild. Infanger fokussiert sich vor allem auf den strukturellen Fortschritt bei Ripple und in der Krypto-Branche insgesamt. Warum er optimistisch in die Zukunft blickt und was er für den XRP Ledger erwartet.

Ripple sieht Fortschritte trotz verhaltener Marktstimmung

“Ich habe nicht das Gefühl, dass es kein gutes Jahr war“, sagt Infanger gleich zu Beginn und widerspricht damit der verbreiteten Stimmung. Aus Ripple-Sicht habe man wichtige Fortschritte erzielt, etwa eine Unternehmensbewertung von rund 50 Milliarden US-Dollar sowie strategische Übernahmen. Besonders auffällig sei die Dynamik rund um tokenisierte reale Vermögenswerte, die sich auf dem XRP Ledger zuletzt stark beschleunigt habe.

“Wir sind jetzt in einer Position, in der wir zeigen können, was mit Blockchain-Technologie möglich ist – nämlich reale Finanzprozesse wie Repo-Märkte oder Zahlungen effizienter zu machen“, sagt Infanger. Die Branche stehe an einem Punkt, an dem sich langjährige Versprechen erstmals konkret belegen lassen. Auch wenn der Markt aktuell durch eine weitere Zyklusphase geht, bleibe der Ausblick aus seiner Sicht klar positiv. Regulatorische Fortschritte und die zunehmende Integration in bestehende Finanzstrukturen deuteten darauf hin, dass die Bedeutung digitaler Assets weiter zunehmen wird.

Warum Blockchain mehr ist als ein Hype-Thema

Infanger beschreibt die Blockchain nicht als kurzfristigen Trend, sondern als technologische Antwort auf strukturelle Probleme. “Die grundlegende Infrastruktur der Finanzmärkte wurde seit der Zeit vor dem Internet kaum modernisiert“, erklärt er. Hier setze Blockchain an: weniger Reibung und eine deutlich schnellere Abwicklung.

Für ihn liegt der eigentliche Wert darin, dass erstmals globale Netzwerke entstehen, die Vertrauen nicht mehr über zentrale Instanzen organisieren müssen. Gerade im Finanzsystem, wo Vertrauen die zentrale Rolle spielt, eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Transaktionen lassen sich schneller und günstiger abwickeln, viele der heute bestehenden Ineffizienzen könnten damit langfristig verschwinden.

“Wir wollen Klarheit für diese Branche”

Ein großes Thema der vergangenen Monate war der Clarity Act in den USA. Dabei geht es darum, klare Zuständigkeiten zwischen Aufsichtsbehörden zu definieren und einen verbindlichen Rahmen für den Umgang mit digitalen Assets zu schaffen. Für große Unternehmen in der Branche sind solche Regelwerke entscheidend, weil sie Planungssicherheit geben und institutionelle Adoption überhaupt erst ermöglichen.

Der Ripple-Experte findet dazu klare Worte: “Clarity is better than no clarity.“ Für ihn sind regulatorische Fortschritte ein notwendiger Schritt, damit sich der Markt weiterentwickeln kann. Sobald die Spielregeln feststehen, könnten sich nicht nur Unternehmen besser positionieren, sondern auch Kapitalmärkte schneller öffnen. Entwicklungen in den USA hätten dabei Signalwirkung für andere Regionen, die nun unter Zugzwang geraten, eigene Rahmenbedingungen zu konkretisieren.

XRP versus Stablecoins 

Ein Punkt, der bei Krypto-Anlegern immer wieder für Verwirrung sorgt, ist das Verhältnis zwischen XRP und dem von Ripple eingeführten Stablecoin. Infanger stellt klar, dass es sich nicht um konkurrierende Modelle handelt. Stablecoins seien in erster Linie eine digitale Abbildung klassischer Fiat-Währungen, also wertstabil und darauf ausgelegt, Transaktionen effizienter abzuwickeln.

XRP erfülle hingegen eine andere Rolle im System. Als natives Asset des XRP Ledgers werde es für Transaktionen genutzt und fungiere zugleich als Brückenwährung, etwa wenn Liquidität zwischen verschiedenen Handelspaaren fehlt. “Beide sind komplementär und werden sich gegenseitig verstärken“, so Infanger.

Multichain-Zukunft und institutionelle Integration

Der Markt ist heute von einer Vielzahl an Blockchains geprägt, die jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen mitbringen. Entsprechend stellt sich für viele die Frage, welche Netzwerke künftig besonders stark von Entwicklungen wie Tokenisierung oder Stablecoins profitieren werden. Infanger sieht hier kein “Winner-takes-all“-Szenario: “Ich glaube, die Welt wird multichain sein.“ 

Verschiedene Netzwerke würden unterschiedliche Rollen übernehmen, je nachdem, wie sie technisch aufgebaut sind und für welche Anwendungsfälle sie optimiert wurden. Der XRP Ledger sei gezielt für reale Finanzanwendungen konzipiert worden und unterscheide sich damit von Plattformen, die stärker auf offene Experimente setzen. Entscheidend werde, dass Blockchains untereinander sowie mit bestehenden Finanzsystemen reibungslos zusammenarbeiten.

Ripple hat sich in den vergangenen Jahren konsequent auf den institutionellen Bereich ausgerichtet und zahlreiche Partnerschaften mit Banken und Finanzdienstleistern aufgebaut. Viele dieser Akteure nutzen bereits Infrastruktur rund um den XRP Ledger, um Prozesse effizienter abzuwickeln. Die bedingte Zulassung für eine National Trust Bank Lizenz in den USA passt in dieses Bild: Sie unterstreicht den Anspruch, regulatorisch sauber zu arbeiten und digitale Asset-Infrastruktur eng mit bestehenden Finanzstrukturen zu verzahnen.

Quantencomputing als langfristige Herausforderung

Ein Thema, das in der Krypto-Community seit Jahren diskutiert wird, ist die potenzielle Bedrohung durch Quantencomputer. Auch Infanger sieht darin einen Punkt, mit dem sich die Branche auseinandersetzen muss, ohne ihn überzubewerten. Es sei “definitiv etwas, worüber man nachdenken muss“, betont er, verweist aber zugleich darauf, dass die Herausforderung nicht nur Blockchain-Netzwerke betrifft, sondern die gesamte digitale Infrastruktur.

Beim XRP Ledger sehe man sich durch das Design und die bisherigen Sicherheitsmechanismen gut aufgestellt, auch wenn weitere Anpassungen notwendig sein könnten. Infanger zeigt sich zuversichtlich, dass ein schrittweiser Übergang zu quantensicheren Verfahren möglich ist. Wichtig sei, frühzeitig an Lösungen zu arbeiten, um die Sicherheit von Nutzern und Finanzsystemen langfristig zu gewährleisten.

Ripple setzt auf reale Anwendungsfälle statt Visionen

Ripple gehört zu den wenigen Unternehmen, die seit über einem Jahrzehnt konstant in der Krypto-Industrie aktiv sind und ihre Infrastruktur Schritt für Schritt weiterentwickelt haben. Der XRP Ledger wird bereits heute in verschiedenen Bereichen eingesetzt, es geht längst nicht mehr nur um theoretische Anwendungsfälle. Infanger macht deutlich, dass viele der Entwicklungen, über die die Branche lange gesprochen hat, inzwischen in der Praxis ankommen. Auch Herausforderungen wie Quantencomputing würden aktiv angegangen.

Für die kommenden Jahre erwartet Infanger eine Finanzwelt, die zunehmend on-chain abgebildet wird, allerdings nicht auf einer einzigen Blockchain. Stattdessen dürften verschiedene Netzwerke je nach Anwendungsbereich parallel bestehen und unterschiedliche Rollen übernehmen. Der XRP Ledger soll dabei eine zentrale Rolle spielen, insbesondere bei Finanztransaktionen und institutionellen Anwendungen.

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