Zwischenbilanz aus Davos: Krypto-Themen nur Randerscheinung

Quelle: Shutterstock

Zwischenbilanz aus Davos: Krypto-Themen nur Randerscheinung

Beim derzeit stattfindenden Jahrestreffen der Weltwirtschaft in Davos sind Krypto-Themen in diesem Jahr nur eine Nebenfrequenz. Dieser Trend zeichnet sich nach den ersten zwei Gipfeltagen ab. Dennoch verschwinden Blockchain-Technologien nicht gänzlich vom Bildschirm. Vor allem kleinere Akteure und die Veranstalter selbst nutzen die große Bühne, um neue Technologien voranzutreiben. Eine Zwischenbilanz.

Es sind düstere Vorzeichen, unter denen der Startschuss für das World Economic Forum (WEF) in diesem Jahr fiel: Der internationale Währungsfonds IWF prognostiziert Einbrüche im Wirtschaftswachstum. Zahlreiche Regierungsköpfe der wichtigsten Wirtschaftsnationen sagen bereits im Vorfeld ab. Die Hoffnung multilateraler Abkommen für den Gipfel scheint schon vor Beginn gestorben.

Und auch für die Krypto-Industrie sah es bereits rosiger aus. Denn das vergangene Jahre hatte nebst allem Entwicklungsfortschritt vor allem eines gebracht: dramatische Kurseinbrüche.

Krypto-Themen nur Randerscheinung

So ließ es der Blick auf die Talsohle bereits erahnen. Während der Bitcoin im vergangenen Jahr noch dreimal so viel wert und Blockchain-Technologien beim letzten Gipfel noch als Hype-Thema in aller Munde war, hat sich in Davos zum Vorjahr allein optisch viel getan. Die Schriftzüge „Blockchain“ und „Krypto“ von 2017 etwa sind von den Straßen der Alpenstadt verschwunden. Fast verschwunden ist das Thema zudem aus der offiziellen Agenda des diesjährigen Jahrestreffens. Diese bestätigt eine erste Erkenntnis: In Davos sind Krypto-Themen in diesem Jahr nicht mehr als Nebengeräusche. Die Zuschauerflut, wie man sie aus dem vergangenen Jahr kennt, blieb bei der diesjährigen Krypto-Debatte aus.

Kritiker sehen sich in dieser Woche vom Trend bestätigt. Während Stimmen aus der Szene wie etwa Ripple-CEO Brad Garlinghouse oder Circle-CEO Jeremy Allaire daran festhalten, Kryptowährungen seien „transformativ“ und „fundamental entscheidend für die Zukunft der Menschheit“, hält sich in Davos vor allem Skepsis.

Mahnende Worte gegenüber der Krypto-Industrie mangelt es trotz malerischer Alpenharmonie bis hierher keiner. So hagelte es etwa von Seiten des PayPal-Chefs Dan Schulman oder Harvard-Professor Kenneth Rogoff gewohnte Kritik. Im Gespräch mit US-Nachrichten CNBC betont der Ökonom, es bestehe eine „Null-Prozent-Chance, dass Kryptowährungen irgendwann traditionelles Geld ersetzen könnten“. Jeff Schumacher, Gründer von Investor BCG Digital Ventures, ist sich in der gar sicher, der Bitcoin würde bald wertlos.

Versöhnliche Töne kommen in dieser Woche unerwartet von JPMorgan-Chase Lenker Jamie Dimon. Angesichts der Talfahrt fühle er „keine Befriedigung“, erklärt er im Interview. Er hatte dem Bitcoin bereits 2017 ein baldiges Ende prophezeit und damit für Aufsehen und nicht zuletzt Aufschrei gesorgt.

Trotz aller Kritik verfüge die Blockchain jedoch als „echte Technologie“ vielmehr über tatsächliche Potentiale, so Dimon. Darin spiegelt sich für Davos eine zweite Erkenntnis: Trotz scheinbaren Wegsehens – vom Bildschirm verschwunden ist die Blockchain längst nicht.

Chance für Blockchain-Aufsteiger?

So nutzten die Bühne in Davos einerseits vor allem vermeintliche Nebenakteure, um sich und ihre Vorhaben der Welt zu präsentieren. Elizabeth Rossiello vom Bezahldienstleister BitPensa etwa warb für die Möglichkeiten von Kryptographie für den Austausch afrikanische Währungen. IT-Dienstleiter Cognizant wiederum veranstaltete gemeinsam mit Reuters eine Panel-Diskussion zu den Potentialen der Blockchain im Gesundheitswesen.

Andererseits waren es jedoch die Veranstalter selbst, die Enthusiasmus für neue Technologien und Zukunftsgeist bewiesen. Nachdem die WEF-Organisation bereits am Dienstag, dem 23. Januar, gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen McKinsey auf die Blockchain-Potentiale im Feld der Lebensmittelsicherheit hingewiesen hatte, nutzt das Forum den Gipfel für ein bisher einmaliges Pilotprojekt. Unter Leitung der Umweltorganisation WWF übernimmt die Blockchain-Plattform OpenSC die Bewirtung der Gipfelteilnehmer. So sollen Wirtschaftsführer und Journalisten ihren Fisch vom Fang bis auf den Teller zurückverfolgen können.

Zudem machten die Veranstalter mit der Ankündigung von sich reden, ihr Tech-Engagement weiter auszubauen. Golf-Emirat und Blockchain-Hub Dubai soll künftig ein von Davos gesponsertes Forschungszentrum zur „vierten industriellen Revolution“ beheimaten. Von hier aus will man künftig die Entwicklung neuer Technologien wie Künstliche Intelligenz und Blockchain in der Region vorantreiben, heißt es vonseiten der Schweizer. Damit kann sich Dubai als bisher größten Blockchain-Gewinner des Gipfels wähnen. Bereits im Vorfeld des Gipfels hatte WEF-Präsident Brende gewarnt, beim Wettlauf auf neue Technologien erlebe man einen „neuen Sputnik-Moment“ und damit auf die Gefahr gedeutet, abgehängt zu werden.

Bis der Gipfel vor dem Wochenende schließt, stehen noch zwei weitere, jedoch weniger volle Konferenztage an. Dass Blockchain-Technologien hier wie etwa beim Panel zur digitalen Identität Erwähnung finden werden, gilt als sicher. Dass dabei jedoch große Sprünge ausbleiben und die Krypto-Technologien in diesem Jahr weiterhin wenig mehr als Nebenfrequenz bleiben werden, jedoch auch.

Aufgepasst: Der Kryptokompass ist das erste digitale Magazin für digitale Währungen und Blockchain-Assets. Er liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen, spannende Insights und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Nur jetzt und nur solange der Vorrat reicht: Im Abo inkl. GRATIS Bitcoin-T-Shirt

 

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Blockchain-Plattform für Kleinkredite in Sierra Leone
Blockchain-Plattform für Kleinkredite in Sierra Leone
Blockchain

Das Nonprofit-Unternehmen Kiva startet nun eine Blockchain-Plattform für die Kredit-Bonitätsprüfungen in dem afrikanischen Sierra Leone. Kiva, das in San Francisco ansässige gemeinnützige Unternehmen, könnte so die Kreditvergabe in Sierra Leone nachhaltig effektiver gestalten. Die Regierung des Landes arbeitet bei diesem Projekt eng mit Kiva zusammen.

IBM und Travelport lancieren DLT-Lösung für Hotelprovisionen
IBM und Travelport lancieren DLT-Lösung für Hotelprovisionen
Blockchain

Die Distirbuted-Ledger-Technologie (DLT) verspricht überall dort einen Mehrwert, wo es komplizierte Transaktionen zwischen mehreren Parteien nachzuverfolgen gilt. So auch in der Reisebranche. IBM hat hier gemeinsam mit Travelport nun eine neue Blockchain-Lösung für Reisebüros und Hotels lanciert. Die Entwickler versprechen damit, die Arbeitsabläufe in der Branche entscheidend zu vereinfachen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Zwischen Theorie und Praxis: Ist Bitcoin wirklich ein antizyklisches Investment?
Zwischen Theorie und Praxis: Ist Bitcoin wirklich ein antizyklisches Investment?
Kommentar

Wer die Wirtschaftspresse in den letzten Wochen verfolgt hat, dem ist eines aufgefallen: Es wird besonders häufig das Risiko einer baldigen Rezession aufgeführt. Die makroökonomische Stimmung hat sich, nicht zuletzt durch den Handelsstreit zwischen USA und China sowie expansive Notenbankbekenntnisse, weiter eingetrübt. Aktueller denn je ist die Frage, inwiefern Bitcoin als antizyklisches Investment bei konjunkturellen Turbulenzen profitiert. Wie es um die Korrelation zwischen Bitcoin und anderen Vermögenswerten bestellt ist und ob Gold wirklich so viele Gemeinsamkeiten mit Bitcoin besitzt.

Bitcoin-Börse Cryptopia: Insolvenzverwalter stellen Kundendaten sicher
Bitcoin-Börse Cryptopia: Insolvenzverwalter stellen Kundendaten sicher
Tech

Die insolvente neuseeländische Bitcoin-Börse Cryptopia scheint doch nicht alle Kundendaten verloren zu haben. Nachdem es im Mai danach aussah, als würde eine dritte Partei alle Dateien löschen, konnten die Insolvenzverwalter nun einige Daten retten. Cryptopia musste ihren Dienst nach einem massiven Hack in Januar 2019 im Mai einstellen.

Blockchain-Plattform für Kleinkredite in Sierra Leone
Blockchain-Plattform für Kleinkredite in Sierra Leone
Blockchain

Das Nonprofit-Unternehmen Kiva startet nun eine Blockchain-Plattform für die Kredit-Bonitätsprüfungen in dem afrikanischen Sierra Leone. Kiva, das in San Francisco ansässige gemeinnützige Unternehmen, könnte so die Kreditvergabe in Sierra Leone nachhaltig effektiver gestalten. Die Regierung des Landes arbeitet bei diesem Projekt eng mit Kiva zusammen.

Bitcoin Mining im Atomkraftwerk: Ukrainische Ermittler beschlagnahmen Equipment
Bitcoin Mining im Atomkraftwerk: Ukrainische Ermittler beschlagnahmen Equipment
Mining

Ukrainische Ermittler haben in einem staatlich geführten Atomkraftwerk Bitcoin-Mining-Equipment sichergestellt. Angestellte und Sicherheitskräfte sollen den Strom ihrer Büros genutzt haben, um Kryptowährungen zu schürfen. Dabei sollen geheime Informationen nach außen gelangt sein.

Angesagt

USA: SEC gibt grünes Licht für Securitize als Wertpapieremittenten
Insights

Die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat Securitize als Wertpapieremittenten registriert. Securitize ist eine digitale Wertpapierplattform, ferner nutzt die Bitcoin-Börse Coinbase Securitize als Transferstelle. Nun kann das Unternehmen offiziell als Verwahrstelle von Aufzeichnungen über Änderungen des Eigentums an Wertpapieren fungieren.

IBM und Travelport lancieren DLT-Lösung für Hotelprovisionen
Blockchain

Die Distirbuted-Ledger-Technologie (DLT) verspricht überall dort einen Mehrwert, wo es komplizierte Transaktionen zwischen mehreren Parteien nachzuverfolgen gilt. So auch in der Reisebranche. IBM hat hier gemeinsam mit Travelport nun eine neue Blockchain-Lösung für Reisebüros und Hotels lanciert. Die Entwickler versprechen damit, die Arbeitsabläufe in der Branche entscheidend zu vereinfachen.

Bitcoin-Kurs unter 10.000: Fear & Greed Index gibt klares Signal
Bitcoin

Der Bitcoin-Kurs rüttelt stetig an der psychologisch wichtigen 10.000 US-Dollar-Marke. BTC-Trader brauchen ein ruhiges Gemüt. Der Fear & Greed Index zeigt, dass das aktuell nicht einfach ist. Und gibt eine klare Handlungsanweisung

Bitcoin, China und die US-Drogenkrise
Kommentar

US-amerikanische Behörden gehen verstärkt gegen chinesische Drogen-Hersteller vor. Diese nutzen Kryptowährungen wie Bitcoin, um ihr Geld zu transportieren. Die gehandelten Waren bestehen unter anderem aus synthetischen Opioiden. Ein Kampf gegen Windmühlen, die ihr Fundament auf US-amerikanischem Boden haben.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene: