Was sagt die Wirtschaftselite? Blockchain und Kryptowährungen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

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Was sagt die Wirtschaftselite? Blockchain und Kryptowährungen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Blockchain und Kryptowährungen spielten in dieser Woche auch in Davos eine Rolle. Unter anderem sprachen Christine Lagarde, Theresa May und Emmanuel Macron darüber, wie man künftig auf die Herausforderungen des Krypto-Marktes reagieren kann. Eine Zusammenfassung.

Am heutigen Freitag endet im schweizerischen Davos das 48. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums. Seit Dienstag waren dort ein großer Teil der mächtigsten Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zusammengetroffen, um sich auszutauschen. Selbstverständlich sind die Eliten der Weltwirtschaft in diesem Jahr auch um das Thema Blockchain nicht herumgekommen – der Fokus lag dabei selbstredend auf dem Anwendungsbereich Kryptowährungen. Was genau wurde in Davos alles besprochen?

Kritische Worte gegenüber Bitcoin

Den Anfang in Sachen Kryptowährungen machte Nobalpreisträger Joseph Stiglitz am Dienstag, als er gegenüber Bloomberg sein Unverständnis über die Existenz des Bitcoin ausdrückte. Mit dem US-Dollar hätten wir bereits ein gutes globales Tauschmedium, so seine Argumentation, wieso bräuchte man also den Bitcoin. Die einzig denkbare Erklärung, die Stiglitz einfalle, sei der Wunsch nach Geheimhaltung. Wenn man diesen Use-Case aus dem Bitcoin „herausregulieren“ würde, beraube man ihn seiner Existenz. Die Tatsache, dass der Bitcoin ursprünglich als Gegenentwurf zum zentral gelenkten Bretton-Woods-Finanzsystem mit dem US-Dollar als internationaler Leitwährung entworfen wurde, ignoriert Stiglitz dabei geflissentlich.

Auch IWF-Chefin Christine Lagarde meldete sich zum Thema zu Wort. In einem Panel darauf angesprochen beteuerte sie, dass sich der IWF bereits intensiv mit den Chancen und Herausforderungen von Kryptowährungen beschäftige. Illegale Geschäfte, die mit der Hilfe von Kryptowährungen getätigt werden, seien nicht zu akzeptieren, jedoch müsse man im Auge behalten, welche Innovationen die neue Technologie mit sich bringe. Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin, Teilnehmer desselben Panels, gab zu Protokoll, dass seine oberste Priorität sei, dafür zu sorgen, dass Kryptowährungen nicht für illegale Aktivitäten wie Schwarzmarkthandel oder Geldwäsche gebraucht werden. Dazu regte er einen gemeinsamen Ansatz zur Regulierung an – zumindest auf dem Level der G20-Staaten.

In eine ähnliche Richtung geht auch die britische Premierministerin Theresa May, die herausstellt, dass man beobachten müsse, wofür diese Währungen benutzt werden. Ihr Finanzminister Philip Hammond ging etwas genauer auf die Thematik ein, indem er sagte, dass eine nachhaltige Regulierung von Kryptowährungen ratsam sei, bevor Kryptowährungen so stark wachsen, dass sie die Weltwirtschaft signifikant beeinflussen können. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nahm sich der Thematik an und schlug eine globale Vereinbarung vor, die eine geeignete Umgebung für Krypto-Investoren schaffen solle. Diese Forderung passt in den deutsch-französischen Regulierungsansatz, über den wir in der letzten Woche berichteten.

Am Rande der Veranstaltung kam ebenfalls George Soros zu Wort, der sich erneut gegen Kryptowährungen aussprach. Demnach könne Bitcoin aufgrund der zu hohen Volatilität nicht als Währung fungieren, da es zum Teil an einem Tag Schwankungen von bis zu 25 % geben könne. Somit können laut Soros keine verlässlichen Langzeitverpflichtungen wie etwa die Zahlung von Gehältern eingegangen werden.

Panel: The Crypto-Asset Bubble

Am Donnerstag folgte schließlich der Höhepunkt: ein eigenes Panel mit dem Titel „The Crypto-Asset Bubble“. Wie der Name schon andeutet, wurde etwa eine Stunde lang über die Chancen und Risiken von Kryptowährungen und dem Investieren in diese diskutiert. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, inwieweit der Bitcoin als Währung angesehen werden kann. Als Speaker war zu dem Panel neben Jennifer Zhu Scott, Founding Partner von Radian Blockchain Ventures, Neil Rimer, General Partner bei Index Ventures SA und Cecilia Skingsley, stellvertretende Vorsitzende der schwedischen Zentralbank (Sveriges Riksbank) auch Yale-Professor und Nobelpreisträger Robert Shiller geladen, der in der vergangenen Woche mit seinen Äußerungen zum Bitcoin für Aufsehen gesorgt hatte.

So hatte Shiller auch gleich die Gelegenheit, seine Aussagen zu verteidigen. Er stellte seine Begeisterung für die Blockchain als Technologie heraus und wünschte sich eine stärkere Fokussierung auf diesen Aspekt des Bitcoin. Passend dazu bezeichnet er den Bitcoin als ein „interessantes Experiment“, jedoch nicht als einen „permanenten Teil unseres Lebens“ – Aussagen, die sein zuvor geäußertes skeptisches Interesse an Kryptowährungen unterstreichen. Im Start der Bitcoin-Futures sieht der Traditionalist allerdings die Möglichkeit der Stabilisierung.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Cecilia Skingsley, indem sie den Bitcoin als zu volatil beschreibt, um ihn äquivalent zu traditionellem Geld zu nutzen. Um als Geld fungieren zu können, müsse ein Gegenstand verschiedene Kriterien erfüllen. Dazu gehöre die Wertaufbewahrung, eine geringe Fluktuation oder eine stabile Tauschrate – diese Punkte sehe sie beim Bitcoin und anderen Kryptowährungen nicht erfüllt. Zwar plane Schweden langfristig den Schritt in eine bargeldlose Gesellschaft, eventuell verbunden mit der Herausgabe einer e-Krone, jedoch wisse man noch nicht, ob dazu eine Blockchain-Lösung verwendet werden solle.

Neil Rimer, der Kryptowährungen eher aus der Investorensicht betrachtet, ist hingegen begeistert von dem Asset. Er bezeichnet den Bitcoin und die dahinterliegende Blockchain-Technologie als wahrscheinlich „kühnste, großzügigste und tiefgreifendste Erfindung“, die er in seiner Karriere beobachtet hat. Zwar gesteht er ein, dass sich Kryptowährungen noch in den Kinderschuhen befinden und momentan noch eine hobbymäßige Angelegenheit seien. Allerdings, so Rimer, haben sie bereits viele bemerkenswerte Dinge erreicht.

Jennifer Zhu Scott mit Weitblick für die Zukunft

Blockchain-Expertin Jennifer Zhu Scott betrachtete die Diskussion aus der weiteren Perspektive und blendete kurzfristige Kursschwankungen aus. Stattdessen ging sie in die tiefere Analyse und stellte heraus, dass im traditionellen Finanzsystem einige Dinge schieflaufen. So stünden die Abläufe in der internationalen Finanzwirtschaft im Ungleichgewicht zu den nahtlosen technologischen Möglichkeiten. Sie sah die Möglichkeit, dass speziell die Blockchain als Technologie hinter den Kryptowährungen das Potential mit sich bringt, das System als disruptive Kraft komplett zu verändern.

Das Thema ist also in der Mitte der Weltwirtschaft angekommen und findet von vielen Seiten bei der wichtigsten globalen Konferenz des Jahres Beachtung. Die kontroversen und teilweise zu eng gedachten Aussagen zeigen jedoch, dass wir von einem tieferen Verständnis noch weit entfernt sind.

BTC-ECHO

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