Zentralbanken und Bitcoin – Eine Reise um den Globus (Teil 3)

Während der Bitcoin dieser Tage ungeahnte Höhen jenseits der zuletzt astronomischen 15.000 US-Dollar erklimmt, herrscht nicht nur Euphorie und Goldgräberstimmung, sondern auch Zweifel, Skepsis und Angst vor der nächsten unkontrollierten Tulpe um die Kryptowährungen – besonders vonseiten staatlicher Behörden und Zentralbanken.



Fragt man Regierungen, staatliche Institutionen und Behörden, herrscht alles andere als Konsens, wie mit der aufstrebenden Wirtschaftskraft abseits herkömmlicher Kontrolle zu verfahren sei. Im Gegenteil: Je nachdem auf welchen Fleck unserer Erde der Blick fällt, ergibt sich vielmehr ein Flickenteppich staatlicher Antworten anstelle eines einstimmigen Tenors.

To regulate or not to regulate – das ist die Frage. Und die Wächter der Weltwirtschaft sind sich uneinig.

Während die einen Marktmächte walten lassen wollen, Kryptowährungen den Geldstatus aberkennen, sich gar nicht erst in der Verantwortung sehen oder das monetäre Risiko als zu gering betrachten, holen wieder andere zum Schlag aus. Mit dem regulativen Lasso wollen sie die Digitalwährungen zurück in die sicheren Hände der Behörden befördern.

Die folgende Übersicht begibt sich auf eine Reise um den Globus. Sie soll einen Überblick über die weltweite Situation liefern und – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Unterschiede in den staatlichen Herangehensweisen offenlegen.

Teil 3 unserer Reise um den Globus führt uns zu denjenigen Staaten, die die Potentiale von Kryptowährungen zu erkennen glauben und für sich nutzen wollen.

Die Hoffnungsvollen

Estland

Der Platzhirsch und Weltführer der Blockchain-Implementation Estland zeigt sich bis zuletzt als großer Verfechter von Kryptowährungen. Bitcoin & Co. brauchen im Baltikum keine Regulierung fürchten. Vielmehr lassen sich die Esten inspirieren und betreiben Bestrebungen, eine eigene Kryptowährung, den Estcoin, herauszugeben. So schlug der Direktor des estnischen e-Residency-Programms, Kaspar Korjus, eine solche digitale Währung im August vor. Diese würde den estnischen Staatsbürgern die Möglichkeit bieten, digitale Dokumente von überall auf der Welt zu beurkunden.

Dem hatte EZB-Präsident Mario Draghi jedoch kurz darauf prompt widersprochen. Sein Argument: Es darf neben dem Euro keine Parallelwährung in der EU geben. Die Begeisterung der Esten für Kryptowährungen dürfte dies jedoch nur wenig Trübung zugefügt  haben – die Estcoin-Website existiert bis heute und wie deren jüngster Blogpost andeutet, ist die Idee Estcoin lange nicht begraben.

Schweden

Ähnlich wie in Estland verzichtet Schweden auf zentralbankliche Eingriffe. Vielmehr zeigt sich die Zentralbank des Landes enthusiastisch, was die eigene Nutzung anbelangt. So schmieden die Skandinavier seit 2015 Pläne, das erste bargeldlose Land der Welt zu werden.

In diesem Zug untersucht die zuständige Zentralbank des Landes, die Riksbank, zur Zeit verschiedene Möglichkeiten, wie sie eine digitale Währung herausgeben und wie dies technologisch umgesetzt werden kann.

Abseits der Kryptowährungen gehört auch Schweden wie Estland zu den Vorreiterstaaten mit Blick auf die weitere Blockchain-Nutzung. Schon seit 2016 ist bekannt, dass Schweden an einer Blockchain-Lösung  für seine Grundbucheintragungen forscht. Ende Mai dieses Jahres wurde dessen letzte Testphase erfolgreich abgeschlossen.

Norwegen

Wie Nachbarstaat Schweden verzichtet Norwegen derzeit nicht nur auf die Regulierung von Bitcoin. Auch im Land der Fjorde legt man seine Hoffnungen selbst in eine eigene Krytowährung. So untersucht die norwegische Zentralbank derzeit die mögliche Ausgabe einer digitalen Bezahlalternative. Dies hat der stellvertretende Vorsitzende der Norge Bank, Jon Nicolaisen, in einem Schreiben der norwegischen Akademie für Wissenschaft über die aktuellen Unterschiede zwischen herkömmlichem Geld auf Bankkonten und den sich immer schneller verbreitenden digitalen Währungen im Mai bekannt gegeben.

Niederlande

In Mitteleuropa allein auf weiter Flur ist einer der kleinsten Staaten. Die Niederlande sind einer der am stärksten von Kryptowährungen überzeugten EU-Mitglieder und sehen in ihnen viel Zukunftspotential. Während einige niederländische Geschäftsbanken bereits an eigenen Wallets arbeiten oder Bitcoin-Automaten aufstellen, hat die Zentralbank des Landes ähnlich ihrer nordischen Nachbarn eigene Pläne. Bereits vor zwei Jahren hat sie ihren Krypto-Piloten ins Leben gerufen – den DNBcoin. Während der Präsentation dessen Ergebnisse nannte Projektleiter Ron Berndsen diesen im vergangenen Jahr „natürlich anwendbar“ auch auf komplexe Finanztransaktionen. Dass dieser in Zukunft auch massentauglichen Einsatz finden wird, ist demnach nicht unwahrscheinlich.

Zwischenfazit

Bitcoin explodiert – das ist staatlichen Behörden und Zentralbanken nicht entgangen. Einig ist man sich jedoch nicht, wie mit dem großen Unbekannten zu verfahren ist. Stattdessen ergießt sich derzeit ein breites Spektrum staatlicher Antworten weltweit.

Während wie in Teil 1 gezeigt besonders im asiatischen Raum viele Staaten um Einfluss und Kontrolle fürchten, sich in Abwehrhaltung positionieren, harte Bandagen anlegen und den virtuellen Währungen den regulativen Riegel vorschieben, behalten sich immer noch viele Staaten diesen Schritt vor.

Die in Teil 2 präsentierte Auswahl hat eine Übersicht derer Staaten gezeigt, die zwischen Zuversicht und Angst, zwischen Regulierung und Freimarkt, zwischen Sicherheitsbedürfnis und scheinbarer Risikofreudigkeit,  in abwartender Haltung stehen. Diese abwägenden Staaten dominieren weltweit das Bild des regulatorischen Flickenteppichs. Wie sie sich in Zukunft entscheiden, wird vom Einzelfall abhängen.

Teil 3 unserer Reise um den Globus hat uns zu denjenigen Staaten geführt, die die Potentiale von Kryptowährungen zu erkennen glauben und für sich nutzen wollen. Sie verzichten auf Regulierung und Eingriffe, sehen diese als nicht notwendig an und forschen derzeit selbst an eigenen staatlich gelenkten Bezahlalternativen. Noch ist diese Gruppe handverlesen. Ob mit steigender Bedeutung des Bitcoins andere abwartende Staaten sich an den Vorreitern aus Europa orientieren, ist fraglich. So wird kaum eine Zentralbank die bereits erlangte Kontrolle leichtfertig abgeben. Ein Trend der sich nebst allen Markteingriffen dennoch im kommenden Jahr weiter abzeichnen wird, sind die Forschungen der Zentralbanken an eignen Kryptowährungen. Besonders kleinere Staaten, wie die innerhalb unserer Reise nicht besuchten Chile, Südafrika, Venezuela oder Uruguay, wollen den Kyptozug nicht tatenlos vorbeischnellen sehen.

Fazit – das Zentralbankauge bleibt wachsam

Wer auf den Länderüberblick schaut, bemerkt schnell: To regulate or not to regulate – die Regulierungsfrage hängt in erster Linie von wirtschaftlicher Tradition und Ausrichtung des jeweiligen Landes ab sowie letztlich vom Einfluss des Bitcoin im jeweiligen Staat.

Im Hinblick dieses Flickenteppichs staatlicher Antworten bleibt es jedem Blick in die Glaskugel trotzend eines festzuhalten. Sofern der Bitcoin und dessen Marktmacht weiter wachsen, werden sich auch Zentralbanker weitere Gedanke zu dessen möglicher Kontrolle machen. So scheint es zweifellos sicher: In Zukunft werden wir eher mehr als weniger Regulierung sehen.

Zudem wird bereits spekuliert, dass Zentralbanken wohl auch Kryptowährungen als Wertanlagen im Hinblick immer neuer Kurshöhen ankaufen werden. Mit Blick auf Bitcoin und Kryptowährungen gilt also weiterhin: Das Auge der Zentralbanken bleibt wachsam.

BTC-ECHO

Über David Barkhausen

David BarkhausenDavid Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben und berichtetet. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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