Identität 2.0.: US-Präsident Donald Trump, dein Facebook-Profil und der letzte Wahlkampf

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Identität 2.0.: US-Präsident Donald Trump, dein Facebook-Profil und der letzte Wahlkampf

Was hat US-Präsident Donald Trump mit deinem Profil zu tun? Was bedeutet Identität? Wie kommt man von der analogen zur digitalen Identität?  Wie geht es weiter? Heute: Identität 2.0. Der Status quo.

Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3.

Donald Trump und dein Facebook-Profil: Nach großen historischen Sprüngen befinden wir uns plötzlich in der nahen Vergangenheit und schon beinahe in der Gegenwart. Nachdem wir geklärt haben, dass Identität schon lange nicht mehr als etwas Identisches, sondern viel mehr als etwas Zersplittertes angesehen wird, geht die Spurensuche nach diesem ungreifbaren Konstrukt weiter. Wagen wir uns also in die unendlichen Weiten des Netzes und suchen dort nach den (digitalen) Fetzen der Identität.

Gerade in Bezug auf die Dezentralität bietet das Internet vielfältige Möglichkeiten zur Zersplitterung. Nicht nur zwischen den verschiedenen Online-Identitäten, sondern auch zwischen der Online- und Offline-Identität. Doch eins nach dem anderen.

Das Spiegelstadium

Zum besseren Verständnis sei hier eine (zugegebenermaßen stark vereinfachte) Annahme aus der Psychologie erläutert. Der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan entwickelte in der Mitte des 20. Jahrhunderts einen Erklärungsansatz zur Entstehung des menschlichen Bewusstseins, den er das Spiegelstadium nannte.

Dabei ging er davon aus, dass Kleinkinder, die sich zum ersten Mal im Spiegel sehen, ein Bewusstsein für ihre Existenz entwickeln. Sie erkennen sich im Spiegel selbst und identifizieren sich damit – das Selbstbild entsteht. Währenddessen entsteht nach Lacan eine Spaltung: Das (innere) Ich trennt sich vom „Nicht-Ich“, also dem Bild, das es von sich selbst hat. Dabei „rutscht“ das Bild, das das Kind von sich entwickelt, nach außen und befindet sich im Bereich des Imaginären. Nach Lacan empfindet das Kleinkind bei dieser ersten Identifikation mit sich selbst große Freude und bildet das Grundgerüst dessen, was sich später (Selbst-)Bewusstsein nennt.

Das Internet als Spiegel

Nimmt man diese Annahme des Spiegelstadiums mit all seiner Umstrittenheit und (notwendigen) Vereinfachung als Grundlage, lässt sie sich in den Tiefen des World Wide Webs in allen erdenklichen Variationen wiederfinden. Denn: Die Profile, die wir dort erstellen, dienen nicht nur als Spiegel. Dieser Spiegel ist darüber hinaus (fast) nach Belieben formbar und aktualisierbar – man kann ihn nach Wünschen umstellen, ganz egal, wie sehr er mit der gelebten Wirklichkeit zusammenhängt.

Erinnern wir uns an die sozialen Rollen aus Teil 1: Je nach Kontext verhalten wir uns unterschiedlich. Ob im Umkreis der Familie, bei Freunden oder auf Arbeit – in jedem Umfeld spielen wir eine andere Rolle.

Genauso verhält es sich letztlich im Netz. Der Großteil der Menschen verwendet wohl nach wie vor Facebook, um seinen großzügig umrissenen Freundeskreis ungefragt über seine Meinung, Urlaubsfotos oder die neueste Trennung zu informieren. Für schnelle Nachrichten verwendet man Snapchat, WhatsApp oder Telegram, für den visuellen „Anspruch“ sorgt man auf Instagram. Will man seinen ICO effektiv pushen, präsentiert man sich möglichst seriös auf LinkedIn, während man auf Tinder nach der Liebe seines Lebens sucht.

Dabei gestaltet man sein jeweiliges Profil dem entsprechenden Kontext so angemessen wie möglich – ohne dabei (zwingend) darauf zu achten, ob alles echt ist. Man gestaltet sein digitales Selbstbild. Ganz nach Belieben.

Das Ich im Netz

Zurück zu Lacan: Das Internet dient in all den gegebenen Beispielen als Vermittler für den digitalen Spiegel. Mit den jeweiligen Apps und/oder sozialen Netzwerken baut man sich ein Abbild, das mehr oder weniger mit der Person vor dem Spiegel übereinstimmt.

Spinnt man das Ganze mit den vorliegenden Annahmen weiter, kann das auch gefährlich werden. Kommt es nämlich zu einem allzu hohen Ungleichgewicht zwischen imaginärem Selbstbild und der Person vor dem Spiegel, kann es zu psychischen Dispositionen kommen – doch das führt an dieser Stelle zu weit.

Eins steht fest: Das Reich des Digitalen dient all denen, die es nutzen, auf die eine oder andere Weise als Spiegel. Auf sozialen Medien, durch Apps und allen voran mit den mobilen Endgeräten können wir vielfältige Bilder unserer Selbst entwerfen, denen wir bisweilen hinterherrennen.

Der goldene digitale Fußabdruck – Von Daten und Konzernen

Der Tag beginnt. Verschlafen erfolgt der ins motorische Gedächtnis übergegangene Griff zum Smartphone. Wecker aus und swipen. Unzählige Benachrichtigungen, viele Neuigkeiten, wenig Inhalte. Doch das stört wohl die wenigsten von uns. Oder besser: Wir ignorieren es gekonnt. Und wischen weiter. Schnell den News-Feed checken, den aktuellen Bitcoin-Kurs überprüfen und dann langsam darüber nachdenken, aufzustehen. (Oder wahlweise völlig überstürzt zum Bus/Auto/Fahrrad rennen).

Bei den meisten beginnt und endet der Tag mit dem Konsum von Medien. Selbst wenn der Akku leer oder das Datenvolumen aufgebraucht ist, leuchtet das Display mit den „allerwichtigsten“ Nachrichten in der U-Bahn oder tönt das Radio im Auto. Kurzum: offline-sein ist nicht. Ob das gut oder schlecht ist, darum soll es hier nicht gehen. (Das würde auch sämtliche Rahmen sprengen). Stattdessen soll es um die Spur gehen, die wir dabei hinterlassen.

Digitale Identität – Eine Spur aus Daten

Denn mit jeder Bewegung, jedem Status-Update, jedem neuen Profilbild verlängern wir die Datenspur, die wir produzieren. Mehr noch: Die meisten Apps auf unseren schlauen Telefonen wollen so viele Berechtigungen, dass sie wohl die wenigsten von uns lesen, überdenken und schließlich akzeptieren. Diese Spur enthält nicht nur wichtige (Meta-)Daten über unsere Vorlieben, Geschmäcker, Aussehen und Liebesleben. Mehr noch: Sie dokumentiert unsere Bewegungen – und kann sie sogar präzise voraussagen. Schließlich sind wir Gewohnheitstiere, die ungern aus ihrer Routine gerissen werden.

Da darf es eigentlich kaum verwundern, dass all die Dienste, die wir nutzen, „kostenlos“ sind. Facebook, Instagram, Google und all die anderen Verdächtigen verlangen – vermeintlich – nichts für ihre Dienste. Dass die Daten, die wir während der Nutzung produzieren, jedoch weitestgehend verwertet werden, fällt dabei oft unter den (digitalen) Tisch.

Die Datengeier: Donald Trump und dein Facebook-Profil

Wie weit das gehen kann, zeigte jüngst der „Skandal“ um Cambridge Analytica. Mit gezielten „Persönlichkeitstests“ erstellten die Datenanalysten Persönlichkeitsprofile, die das Unternehmen später dazu verwendete, Wahlmanipulation (unter anderem) in den USA zu betreiben. Durch Mikrotargeting platzierten sie Informationen so, dass sie die Menschen mit Negativinformationen versorgten. Das Ergebnis: Donald Trump. (Mehr dazu hier, wir berichteten).

Das war letztlich nur möglich, weil sie mehr oder weniger ungehinderten Zugriff auf die Daten der Facebook-Nutzer hatten. Dass sie dafür großzügig bezahlt worden sind, liegt auf der weit ausgestreckten Hand. Was sich an der ganzen Geschichte zeigt: Die Datenspur, die wir Tag für Tag erzeugen, ist bares Geld wert.

Der goldene Fußabdruck

Das kann, sollte und – ja, da kommt der Zeigefinger: Muss man sich bewusst machen, während man sein Profil updatet und seinen Freunden mitteilt, wo man ist und wie man sich dabei fühlt. Das kann man auch immer mit seinen Freunden teilen – je mehr darauf aufmerksam werden, umso besser. Beim nächsten Aufstehen, beim nächsten Swipen kann man dann ja vielleicht nochmal daran denken, was das alles bedeutet, was man da tut. Denn unser digitaler Fußabdruck ist Gold wert.

Und dann kann man sich nach Alternativen umschauen – gibt es die? Kann man vielleicht sogar eine Blockchain-Lösung ins Auge fassen? Wohin mit unserer zersplitterten digitalen Identität?

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