Die Tokenisierung hat die zentrale Infrastruktur der Wall Street erreicht. Erstmals wickelte die Depository Trust & Clearing Corporation, kurz DTCC, Transaktionen mit echten Wertpapieren ab, die bei ihrer Tochterfirma DTC verwahrt und anschließend als Token abgebildet wurden. Etwa 40 Unternehmen waren daran beteiligt und testeten verschiedene Anwendungsfälle. Der Start für den regulären Betrieb des Tokenisierungsdienst ist für Oktober 2026 geplant.
Vom Testbetrieb zur realen Transaktion
Im Rahmen des Tests wurden neben Aktien und US-Staatsanleihen auch verschiedene ETFs tokenisiert. Die teilnehmenden Unternehmen setzten die digitalen Wertpapiere anschließend unter anderem für Kauf- und Verkaufsgeschäfte sowie zur Übertragung von Sicherheiten ein. Der US-Finanzgigant JPMorgen hinterlegte beispielsweise tokenisierte Vermögenswerte bei der CME Group, um damit Margin-Anforderungen zu erfüllen.
Damit ist es das erste Mal, dass die Technik mit tatsächlich bei der DTC verwahrten Wertpapieren genutzt wird. Bislang war die Technologie nur mit Testdaten genutzt worden. Ein Gesamtvolumen der Transaktionen veröffentlichte die DTCC allerdings nicht.
Warum der DTCC-Start so bedeutend ist
Die Bedeutung des Tests ergibt sich vor allem aus der zentralen Rolle, welche die DTCC im US-Finanzsystem einnimmt. Allein im vergangenen Jahr 2025, verarbeitete ihre Tochtergesellschaft DTC Wertpapiertransaktionen im Gesamtwert von 4,7 Billionen US-Dollar, bei einem verwahrten Vermögen von mehr als 114 Billionen US-Dollar aus über 150 Ländern.
Die im Zuge des Tests ausgegeben Token repräsentieren einen realen Anspruch auf die bei der DTC verwahrten Wertpapiere. Sie besitzen dabei die gleichen Eigentumsrechte und Schutzmechanismen wie die klassische Form. Durch die neue Abwicklungsform ist es künftig aber möglich, Wertpapier und Gegenleistung gleichzeitig zu übertragen. Dadurch sinkt das Risiko, dass eine Partei ihre Leistung nicht erbringt und Finanzinstitute müssen so weniger Kapital als vorsorgliches Liquiditätspuffer bereithalten.

