DEX 101: Die Prinzipien einer dezentralen Bitcoin-Börse

Alex Roos

von Alex Roos

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Alex Roos

Alex Roos absolvierte einen B.Sc. in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management und schrieb seine Bachelorarbeit über die "Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie". Ihn begeistern vor allem "pure" Kryptowährungen wie Bitcoin und Monero.

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Quelle: Global communication network around planet Earth in space, worldwide exchange of information by internet and connected satellites for finance, cryptocurrency or IoT technology, image furnished by NASA via Shutterstock

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Im Jahr 2017 war “ICO” die Abkürzung schlechthin. Im Jahr 2018 könnten es die Buchstaben D-E-X sein. Welches Konzept sich wohl dahinter verbirgt? BTC-ECHO wirft einen genauen Blick auf die Bitcoin- und Krypto-Börsen der Zukunft. 

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Alex Roos

Eine dezentrale Exchange (kurz: DEX) ist eine Tauschbörse, die keinen Single Point of Failure hat. Die Börse übernimmt also keine Treuhänder-Funktion und speichert auch keine Informationen über die Nutzer. Stattdessen handelt es sich um ein Protokoll, das von jedem Nutzer einzeln auf dem Computer ausgeführt wird. Die Interaktionen passieren deswegen Peer to Peer – direkt zwischen den einzelnen Käufern und Verkäufern.

Die Dezentralität einer DEX


Damit sich eine DEX tatsächlich dezentral nennen kann, muss sie gewisse Bedingungen erfüllen:

Auf der einen Seite muss das Geld immer bei den tauschenden Partein bleiben. Mit anderen Worten: Zu keinem Zeitpunkt erfüllt eine zentrale, dritte Partei die Funktion einer Treuhand. Mithilfe von Kryptographie fällt diese Rolle einer Multi-Signatur-Wallet zu. Käufer und Verkäufer bekommen jeweils einen Schlüssel zu einer 2 von 3 Multi-Sig-Wallet. Der dritte Schlüssel kommt nur im Streitfall zum Einsatz. In diesem Fall wird ein zufälliger Mediator ausgewählt, der basierend auf der Beweisgrundlage ein verbindliches Urteil spricht.

Auf der anderen Seite dürfen keine zentralen Server existieren. Denn eine zentralisierte Server-Architektur stellt einen Single Point of Failure und damit einen riskanten Angriffsvektor, dar. Das Netzwerk an Tradern kann mithilfe des The-Onion-Router-Netzwerk (TOR) dezentralisiert werden. Nutzer operieren ihren eigenen Knotenpunkt und jegliche Kommunikation ist end-zu-end verschlüsselt. Mit anderen Worten, die tauschenden Parteien sind die Einzigen, die über die Informationen der jeweils anderen verfügen. 

Natürlich gibt es bei einer DEX keinen Registrierungs- oder Authentifizierungsprozess. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Herausgeber/Entwickler einer DEX kein Unternehmen ist, das juristisch belangt werden könnte.

Der Mehrwert einer DEX

Der Vorteil einer DEX ist, dass sie dezentral ist und daher kaum Angriffsfläche bietet. Das Prinzip der Dezentralität ist bereits aus Bitcoin bekannt. Auch hier ist einer der essentiellsten Punkte die Sicherheit, Privatsphäre und Zensurresistenz. Niemand kann die Blockchain manipulieren. Keiner hat besondere Privilegien. Vor dem Protokoll sind alle gleich.

Eine zentralisierte Börse ist ein sogenannter Honey-Pot, also ein potentielles Ziel für einen Hackerangriff. Die Sicherheitsvorkehrungen einer solchen Börse können nicht proportional mit dem zu sichernden Pot wachsen. Kurz gesagt: Ab einer bestimmten Größe ist der Anreiz für Hacker so groß, dass sich die Börse nicht mehr adäquat verteidigen kann. Bei solchen Angriffen werden üblicherweise mehrere hundert Millionen US-Dollar erbeutet. Bei einer DEX besteht dafür keine Gefahr, denn jeder hält sein eigenes Geld.

Was Kryptowährungen für “Geld” sind, sind DEX für den “Handel”. Sie erlauben es Menschen, direkt miteinander in Kontakt zu treten und Handel zu betreiben, ohne sich vorher zu kennen oder zu vertrauen. DEX in Kombination mit Kryptowährungen stellen die ultimative freie Marktwirtschaft dar, in der Akteure frei und ungehindert miteinander feilschen können. Abschalten kann man eine DEX genauso wenig wie Bitcoin.

Trade-Offs der Dezentralität

Die Dezentralität kommt nicht ohne Preis: Gewisse Effizienzen zentralisierter Börsen sind schlichtweg nicht möglich.

Die DEX-Teilnehmer tauschen direkt miteinander. Ein Trade findet deshalb nie direkt statt, sondern kann mehrere Stunden bis Tage dauern. Vor allem wenn man den Schritt von Fiatwährung in Kryptowährung geht. Die Wartezeit findet ihren Ursprung in der langsamen Natur des traditionellen Bankensystems (eine SEPA-Überweisung dauert gerne mal 2-6 Werktage) und in den zusätzlichen Schritten mit Multi-Sig-Wallets.

Der zweite Nachteil ist aktuell das niedrige Handelsvolumen. Die zentralisierten Alternativen sind bequemer zu bedienen, funktionieren schneller und konnten bereits viel mehr Nutzer sammeln. Mit dem größeren Volumen auf zentralisierten Exchanges kommt ein stabiler Preis.

Ungewöhnlich scheint auf den ersten Blick auch, dass Händler immer online sein müssen. Nimmt man seinen Knoten offline (indem man die Applikation schließt) so verschwinden auch die eigenen Angebote für andere Teilnehmer.

OpenBazaar und BISQ

Bis dato (Mai 2018) gibt es wenige dezentrale Exchanges im Internet. Für physische und digitale Güter, sowie für Dienstleistungen gibt es OpenBazaar. Für Kryptowährungen gibt es BISQ und BitShares. Beides sind Desktop-Applikationen, die automatisch einen TOR-Knoten aufsetzen und sich mit anderen Netzwerkteilnehmern verbinden. Jeder kann Kauf- oder Verkaufangebote aufsetzen. Schließlich hat jeder die Möglichkeit, seine eigene Börse zu sein.

Wie genau diese DEX in der Praxis funktionieren, werden wir in den nächsten Folge dieser Artikelreihe betrachten.

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