Société Générale: 100-Millionen-Euro-Transaktion facht Diskussion über Tokenisierung an

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Quelle: Shutterstock

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Der französischen Großbank Société Générale ist im vergangenen Monat ein Meilenstein gelungen. Mithilfe tokenisierter Immobilen-Bonds überwies sich der Finanzriese nicht weniger als 100 Millionen Euro. Dies führte zuletzt zu Diskussionen über den Einfluss der Tokenisierung auf die Finanzmärkte. Beobachter diskutieren derzeit, ob die Herausgabe ähnlicher Security Token zum Motor neuen Wachstums werden könnte.

Bitcoin-Futures, Zentralbank-Kryptos, Blockchain-Devisenhandel – Kryptowährungen und Distributed-Ledger-Technologien haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Einfluss auf den traditionellen Finanzsektor gewonnen. Glaubt man einigen Beobachtern, könnte nun auch ein weiterer, zentraler Baustein alter Finanzmärkte vor wegweisenden Veränderungen stehen: der Handel mit Anleihen und verzinsten Wertpapieren. Die sogenannte Tokenisierung – die digitale Verbriefung dieser traditionellen Anlageklassen – soll hier ein neues Kapitel einläuten und sich als Motor künftigen Wachstums beweisen.

Anhänger dieser Vision sich werden mit den jüngsten Nachrichten aus Frankreich bestätigt fühlen: Wie die Société Générale (SoGen) im vergangenen Monat in einer Pressemitteilung verkündete, ist der Pariser Großbank ein bisheriger Meilenstein gelungen. In einem Testversuch überwies sich der Finanzriese eine Summe von 100 Millionen Euro an Immobilien-Anleihen – verpackt in Krypto-Token auf Ethereum-Basis.

AAA-Rating von Moody’s und Fitch

Wie die Bank schreibt, sollte das Pilotprojekt dabei „effizientere Wege der Herausgabe von Anleihen“ finden und so prüfen, wie Blockchain-Technologien den Wertpapierhandel effizienter gestalten können. Hier dauert eine Transaktion normalerweise bis zu mehreren Werktagen. Blockchain-Lösungen wiederum gelten als effizientere Antwort: Sie können Überweisungen beinahe in Echtzeit abwickeln.


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Ob sich diese Hoffnungen beim Versuch der Franzosen nun bewahrheitet haben, lässt die Großbank bisweilen unkommentiert. Hellhörig dürften jedoch die Top-Ratings machen. So sollen die Krypto-Anleihen von den Schwergewichten Moody’s und Fitch höchste AAA-Scores erhalten haben.

Ob und welche Wirkung die Tokenisierung auf den Finanzmarkt künftig entfalten wird, darüber streiten sich nun Experten und Beobachter. Wie die US-Wirtschaftsnachrichten Bloomberg berichten, hat der Testlauf der Société Générale in den vergangenen Tage Diskussionen über den neuesten Trend im Blockchain-Universum ausgelöst.

SoGen stößt Diskussion an – Sind Märkte bereit für Tokenisierung?

Für Skeptiker auf der einen Seite stellt die Herausgabe von Security Token lediglich den Versuch dar, der im vergangenen Jahr mutmaßlich geplatzten Krypto-Blase noch etwas Luft zu verschaffen. Tatsächliches Marktpotential jedoch suche man bei den verschlüsselten Anleihen vergeblich.

Der jüngste Pilot der Société Générale würde dabei wenig mehr als den ohnehin begrenzten Nutzen der Token offenlegen, ist sich etwa Richard Kemmish, ehemaliger Wertpapier-Chef der Credit Suisse sicher. Zwar hätte die Bank mit ihrem Testlauf in der Herausgabe von Anleihen einen geeigneten Anwendungsfall für die Tokenisierung ausgemacht. Wie hoch die Einsparungen durch den Blockchain-Einsatz jedoch tatsächlich ausfielen, sei hingegen völlig unklar. Derzeit müsse man sich vielmehr fragen, ob das Finanzsystem überhaupt für eine breite Anwendung der neuen Technologien bereit sei.

Dem stimmt auch Romal Almazo vom FinTech-Berater Capco zu:

Es wird Jahre dauern, bis der Markt [für Security-Token] ausgereift und entwickelt ist.

Die Optimisten: Security Token werden Motor für Wachstum

Für Optimisten wie Graham Rodford, Geschäftsführer der Trading-Unternehmens Archax, stellt die Tokenisierung hingegen die Fundraising-Methode der Zukunft dar.

In Zukunft wird alles tokenisiert werden […]. Dabei geht es gar nicht darum, ehemals illiquide Anlageklassen zu handeln. Die Tokenisierung wird auch traditionellen Märkten Effizienz einflößen,

weist der Trader auf das breite Anwendungspotential der verbrieften Anlagen hin.

Security Token ermöglichen die Finanzierung und damit die Teilhabe an einem breiten Spektrum von Investitionsobjekten – von Immobilien über Aktienfonds bis hin zu Kunstwerken. Insbesondere mittelständischen Unternehmen, denen der Gang an die Börse bisher verwehrt blieb, stellen die digitalen Wertpapiere zudem eine Möglichkeit zur Seite, Kapital zu sammeln.

Hieraus könnte sich laut Beobachtern in den kommenden Jahren ein schwergewichtiger Markt entwickeln.

Prognosen des Berliner FinTech Finoa etwa beziffern das zukünftige Handelsvolumen von Security Token auf derzeit stolze 24 Billarden US-Dollar [21,3 Billiarden Euro].

Zwar weisen Skeptiker solche Vorstellungen als utopisch zurück. Teile der traditionellen Finanzwelt, wie nun auch die Société Générale, scheinen den Trend der Tokenisierung jedoch ernst zu nehmen. Dass künftig auch weitere Finanzriesen die Möglichkeiten der digitalen Verbriefung ins Visier fassen, wird nur eine Frage der Zeit bleiben.

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