„Wir erwarten weitere STOs“ – Das Finoa-Team zum Blockchain-Ökosystem

Christian von Fellenberg

von Christian von Fellenberg

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Christian von Fellenberg

Christian von Fellenberg y Palma studiert an der EBS in Oestrich Winkel General Management. Da Christian unter anderem in Chile aufgewachsen ist, konnte er bereits Studien- und Arbeitserfahrung in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern sammeln. Zuletzt hat Christian bei einer der größten Investmentbanken Lateinamerikas, Banco BCI, in den Bereichen Asset Management, M&A, Market Making und Brokerage gearbeitet. Darüber hinaus verfügt er über Arbeitserfahrung in der privaten Vermögensverwaltung bei Family Offices. Anfang 2017 gründete er zusammen mit zwei anderen Kommilitonen die studentische Unternehmensberatung Virtatis. Christian ist überzeugt, dass sich Kryptowährungen als eine feste Anlageklasse etablieren werden. Diesem Bedeutungsgewinn möchte er zuvorkommen und sein Wissen aus dem traditionellen Finanzsektor auf den neuen Markt der Kryptowährungen anwenden.

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Innerhalb des Krypto-Ökosystems werden Storage-Lösungen immer wichtiger. Viele Banken machten sich diese Nachfrage zu eigen und bieten Storage-Dienstleistungen an. Finoa will hier einen neuen Ansatz bieten. Bisher gab es lediglich das sogenannte „Cold“ und „Hot Storage“, Finoa bietet jedoch eine dritte Variante an, die sie selbst „Warm Storage“ nennen.

Hierzu nutzt Finoa eine Verbindung aus bankenähnlicher Infrastruktur mit innovativen Kontrollmechanismen. Die Co-Gründer Henrik Gebbing und Christopher May, beide ehemalige McKinsey-Berater im Finanzsektor, haben das Management-Team gezielt mit technischer Expertise verstärkt. Mit Matthias Albrecht, Gründer, Developer und ehemaliger Vorstand der XCOM AG/biw Bank, aus der unter anderem der Online-Broker Flatex hervorging, und Thomas Zimmer, langjähriger CIO der 1&1 Internet AG, ist das Team komplementär besetzt. BTC-ECHO traf das Finoa-Team zum Interview.

BTC-ECHO: Mit Finoa wollt ihr Storage-Lösungen für Kryptowährungen anbieten. Wie wollt ihr den bestehenden Lösungen von Ledger, Trezor & Co. entgegentreten?

Wir bieten eine Storage-Lösung für alle blockchainbasierten digitalen Assets, wozu neben Kryptowährungen auch Utility und Security Token gehören. Uns ist diese Terminologie sehr wichtig, da Kryptowährungen eben nur einen Use Case der Technologie beschreiben. Bestehende Player wie Trezor als auch Ledger,haben sich über Lösungen für Retail-, also Privat-Investoren etabliert. Das ist logisch, wenn man bedenkt, dass Stand heute etwa 85 Prozent der digitalen Assets (hauptsächlich Kryptowährungen) von eben dieser Investorenklasse gehalten werden. Nur wenige Retail-Investoren beschäftigen sich aktiv mit der Sicherung ihrer Private Keys. Der Großteil hält seine Private Keys auf den bekannten Krypto-Börsen, oft unwissend über die dazugehörigen Risiken. Trezor, Ledger und andere Anbieter bieten hier wichtige Lösungen für Privat-Investoren, welche ihre Private Keys in sogenannter Self-Custody, also in Selbstverwaltung über Hardware Devices halten möchten, um somit das Risiko des Private-Key-Verlustes durch Dritte zu minimieren.

Wie viele Player im Blockchain-Ökosystem aber auch aus der traditionellen Finanzwelt erwarten auch wir bei Finoa, dass der nächste Marktwachstumsschub im Bereich der digitalen Assets vonseiten institutioneller Investoren kommen wird und sich ein Großteil digitaler Assets bei ebendiesen konsolidiert (vs. aktuell ca. 85 Prozent Retail). Institutionelle Investoren haben aus geschäftspolitischer, aber auch regulatorischer Sicht ganz andere Anforderungen an Storage-Lösungen für digitale Assets. Self Custody und Eigenverwaltung der Private Keys ist zumeist keine Option, da institutionelle Investoren das Risiko der Sicherung der gehaltenen Assets lieber outsourcen.

Als Vorbild dient hier die traditionelle Finanzwelt, in der sogenannte Verwahrstellen (engl. Custodians) diese Outsourcing-Rolle übernehmen, oft auch aufgrund regulatorischen Anforderungen. BNY Mellon oder StateStreet sind hier bekannte Beispiele. Finoa sieht sich als solche Verwahrstelle für institutionelle Investoren, benötigt im Vergleich zu Verwahrstellen in der traditionellen Finanzwelt allerdings weit höhere technologische Sicherheitsstandards – der Natur digitaler Assets bedingt. Die gezielte Kombination einer bankenähnlichen Infrastruktur mit höchsten Hardware-Sicherheitsstandards ermöglicht überhaupt erst unser Serviceangebot.

BTC-ECHO: Was unterscheidet eure Warm-Storage-Lösungen von bestehenden Storage-Lösungen?

Neben Self Custody bleiben institutionellen Investoren derzeit nur zwei Varianten, die jeweils essentielle Schwachstellen beinhalten:

1. Hot-Storage-Lösungen wie beispielsweise auf Krypto-Börsen mit zumeist nicht-auditierten und undurchsichtigen Anbietern. Sie sind zwar jederzeit verfügbar, jedoch zuletzt häufig Ziel von Hacker-Attacken oder aber auch betrügerischer Machenschaften geworden. Aus Sicherheitsgründen ist dies für institutionelle Investoren nicht vertretbar, da diese gegenüber ihren eigenen Investoren für die Sicherheit der Assets einstehen müssen.

2. Cold-Storage-Lösungen, die die Private Keys offline halten, limitieren nicht nur den Zugriff auf erweiterte Blockchain-Funktionalitäten wie Staking (Proof of Stake) oder Stakeholder Rights wie Voting oder Dividenden (Security Token), sondern sind oftmals mit Zugriffszeiten auf Kundenseite von ca. 24 Stunden verbunden. Das liegt daran, dass die Private Keys zunächst wieder online verfügbar gemacht werden müssen. Oftmals sind hier Fax- oder Telefon-Prozesse involviert, welche alles andere als digital sind. Für institutionelle Investoren, die im Markt handlungsfähig bleiben wollen, ist dies ebenfalls nicht praktikabel.

Daher haben wir uns bei Finoa zum Ziel gesetzt, das Vakuum an wirklich nutzbaren Lösungen zu entfernen. Finoas Warm-Storage-Lösung ist die derzeit einzige hochsichere, volldigitale Storage-Lösung am Markt und ermöglicht direkten Zugriff auf die Assets. Dieser wird ermöglicht, indem die Private Keys auf sogenannten Hardware Security Modules (HSMs) online gehalten werden. Gleichzeitig arbeiten wir mit einem Sicherheitsniveau, das Cold-Storage-Lösungen entspricht.
Um diese Kombination aus Nutzbarkeit und Sicherheit möglich zu machen, haben wir eine Bankeninfrastruktur aufgebaut, inklusive blockchainadaptiertem Kernbankensystem und Hochsicherheitsdatencenter. Zusätzlich war uns wichtig, eine aus Kundensicht maximal nutzerfreundliche Lösung zu bieten. Unsere Kunden können daher über ein hoch-intuitiven Online-Banking-Account nicht nur die Bestandsübersicht einsehen, sondern Transaktionen zusätzlich über einen volldigitalen, Smartphone-gesteuerten Prozess per Fingerprint bestätigen: eine vollmobile, 100 Prozent digitale Storage-Lösung für digitale Assets.

BTC-ECHO: Wie ist euer bisheriger regulatorischer Stand, wie steht ihr zur BaFin?

Nach aktuellem Aufsichtsrecht und rechtlicher Einschätzung unserer Partner ist die reine technologische Verwahrung von Private Keys kein lizenzpflichtiger Tatbestand. Da wir hier jedoch eine zeitnahe Veränderung vonseiten des Regulators erwarten, befinden wir uns im aktiven Austausch mit BaFin und Bundesfinanzministerium. Unser Anspruch als Verwahrstelle für digitale Assets ist 100 Prozent Compliance, 100 Prozent Auditierung und im besten Fall auch volle Regulierung unserer Services.

BTC-ECHO: Neben eurem Berliner Büro seid ihr im Telefónica Open Future Accelerator in Madrid. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Telefónica und warum habt ihr nicht mit einem deutschen Accelerator zusammengearbeitet?

Die Zusammenarbeit mit Telefónica Open Future ist bisher hervorragend. Wir haben nicht nur ein wunderbares Büro im Herzen von Madrid, auf der Einkaufsmeile Gran Via, zur Verfügung gestellt bekommen, sondern bekommen Zugang zum Netzwerk und zur Infrastruktur eines der führenden Telekommunikationsanbieter in Europa. Da unsere Warm-Storage-Lösung smartphonebasiert aufgesetzt ist und Telefónica hohe Kompetenzen im Bereich digitaler Infrastruktur und verschlüsselter Kommunikation besitzt, sehen wir hier auch viele potentielle Synergien, die wir derzeit in einer Art Proof of Concept mit Telefónicas Blockchain Competence Center analysieren. Es ist für uns hochinteressant, zu sehen, wie etablierte multinationale Konzerne das Thema digitale Assets angehen. Wir sind tatsächlich auch im Austausch mit deutschen Acceleratoren. Wir werden hier, basierend auf strategischem Fit, sicher auch zeitnah einen Partner finden.

BTC-ECHO: Das Jahr 2018 war ein besonders hartes Jahr für alle Blockchain-Projekte und Unternehmungen. Habt ihr dies zu spüren bekommen?

Absolut! Viele befreundete Projekte hatten Schwierigkeiten, das notwendige Funding zu bekommen und mussten somit leider ihre Tätigkeiten einstellen. Viele Venture Capital Funds sind wesentlich vorsichtiger geworden, nachdem sich einige die Finger bei ICOs oder anderen Blockchain-Investitionen verbrannt haben. Allgemein war ein negatives Sentiment gegenüber den Buzzwörtern wie „Blockchain“ oder „Crypto“ zu vernehmen. Auch ein Grund, warum wir bei Finoa von digitalen Assets sprechen. Glücklicherweise sehen wir, dass es 2019 nun wieder bergauf geht.

BTC-ECHO: Was sind eure Prognosen für das Jahr 2019?

Das erste Quartal 2019 war nicht nur in Deutschland sondern weltweit von vielen positiven Nachrichten geprägt. In Deutschland sehen wir mit dem ersten von der BaFin abgesegnetem STO von Bitbond, der Blockchain-Experten-Konsultation der Bundesministerien für Wirtschaft und Finanzen und dem Eckpunktepapier zu elektronischen Wertpapieren viel Bewegung in die richtige Richtung. Zusätzlich sehen wir, dass nach dem harten Jahr 2018 nun Unternehmen mit langfristiger Vision und Legitimität übrig geblieben sind. Eine wichtige Entwicklung, die dem Gesamtmarkt langfristig helfen wird. Wir erwarten für 2019 weitere STOs, signifikante technologische Innovation und einen umfassenden Gesetzesvorschlag der BaFin zur Erleichterung der Einführung von Security Token. Wichtig ist hier, dass der Token als Legitimationsnachweis auf der Blockchain für die Forderungsinhaberschaft akzeptiert wird und damit die Aufgabe der herkömmlichen Urkunde in Papierform ersetzt. Das würde mehr oder minder alle bestehenden Asset-Klassen tokenisierbar machen und den wirklich disruptiven Charakter der Blockchain entfalten.


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