Weltpremiere bei Blockchain-Zahlungen: Kanada & Singapur verkünden erfolgreiche Zentralbankkooperation

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Quelle: Shutterstock

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Die Zentralbanken Kanadas und Singapurs verkünden in dieser Woche einen bisher unerreichten Meilenstein. Als weltweit erste staatliche Geldhäuser feiern sie die gemeinsame Premiere ihres blockchainbasierten Zahlungssystems für grenzübergreifende Transaktionen. Die gemeinsame Kooperation ihrer jeweiligen Blockchain-Systeme Jasper und Ubin veröffentlichen sie zudem in einem gemeinsamen Bericht. Dieser soll die weitere Entwicklung der Technologien vor allem durch Zentralbanken und Währungsbehörden vorantreiben.

Stetig schwankende Wechselkurse, weltweit unterschiedliche Verwaltungssysteme, eine Flut von Vorschriften und Regularien – die Abwicklung von Zahlungen über nationale Grenzen hinweg birgt manche Hürde. Die Folge: Oftmals benötigen solche Transaktionen nicht nur extrem lange Bearbeitungszeiten. Zudem sind die Zahlungen von einem Land in das nächste oft enorm teuer.

Die Zentralbanken Kanadas und Singapurs, die Bank of Canada (BoC) und die Währungsbehörde Singapur (MAS), haben diesem Problem gemeinsam den Kampf angesagt. Bereits seit 2016 entwickeln sie Blockchain-Lösungen, um den grenzübergreifenden Zahlungsverkehr günstiger, schneller und sicherer zu gestalten.

Am 2. Mai verkündeten die beiden Geldhäuser nun das gemeinsame Gelingen einen bisherigen Meilensteins. Als weltweit erster seiner Art feiern die Zentralbanken den erfolgreichen Testlauf ihres gemeinschaftlichen Blockchain-Zahlungssystems für die Abwicklung grenzübergreifender, internationaler Transaktionen. In einer entsprechenden Pressemitteilung heißt es hierzu, die Blockchain-Kooperation zeige „großartiges Potential, die Effizienz, grenzübergreifender Zahlungen zu steigern und gleichzeitig deren Risiken zu schmälern“.

Das gemeinsame Projekt vernetzt die beiden eigenständigen Systeme digitaler Zentralbankwährungen Singapurs und Kanadas, Jasper und Ubin, miteinander. Da diese auf zwei verschiedenen Tech-Plattformen, R3s Corda-Netzwerk und J. P. Morgans Quorum angesiedelt sind, entwickelten die Zentralbanken eigens hierfür entworfene Kontrakte, sogenannte Hashed Time-Locked Contracts.

Diese erlauben den staatlichen Geldhäusern untereinander nun Direktzahlungen ohne zwischengeschaltete Clearing-Instanzen oder Mittelsmänner. Unterstützt wurden sie hierbei von der US-Großbank J. P. Morgan sowie dem Tech-Dienstleister Accenture, die ihrerseits für das technische Rückgrat hinter den Systemen von Jasper und Ubin verantwortlich sind.

Kooperation derzeit noch Experiment – Zentralbanken fordern gemeinsame Standards

Die beiden Geldbehörden haben nun zudem einen Bericht veröffentlicht, der die Erkenntnisse aus dem Testlauf zusammenfasst, weitere Anwendungsfelder und Gestaltungsmöglichkeiten porträtiert sowie zukünftige Baustellen der Technologie offenlegt. So will man neben weiteren Zentralbanken die „globale Finanzgemeinschaft“ motivieren, ihrerseits in die Entwicklung effizienter Blockchain-Technologien zu investieren. Diese könnten künftige Schlüsselherausforderungen vor allem staatlicher Geldhäuser lösen:

Eine fragmentierte Welt mit unterschiedlichen Standards, Prozessen, Normen und Vorschriften ist heute die größte Herausforderung im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Distributed-Ledger-Technologien könnten einen einfacheren und schnelleren Weg zu deren Abwicklung darstellen als es eine [herkömmliche] zentralisierte Herangehensweise dies kann. Die Technologie überlässt den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen einerseits die Verantwortung für ihren Teil des Netzwerks und ermöglicht gleichzeitig eine enge Integration mit dem restlichen Netzwerk.

Trotz ihres Erfolges bestehen die Zentralbanken jedoch darauf, dass es sich bei ihrer Blockchain-Kooperation derzeit noch um ein Experiment handle.

Ob wir Blockchain-Technologie [künftig auch] für grenzübergreifende Zahlungen mit höheren Wertevolumen einsetzen, bleibt abzuwarten. Die Erforschung und Erprobung werden wir [jedoch] weiter fortsetzen,

so der Bericht über die Zukunft der Zentralbank-Kooperation. Mehr als alle technologischen Sprünge, brauche es jedoch vor allem gemeinsame rechtliche Standards.

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