Simbabwe: Reserve Bank schiebt Bitcoin den Riegel vor

Die Reserve Bank in Simbabwe verbietet jeglichen Finanzunternehmen den Umgang mit Kryptowährungen. In einem Land ohne eigene Währung und mit hoher Verschuldung ein fragwürdiger Schritt.



Bitcoin und andere Kryptowährungen waren für viele Simbabweaner der rettende Anker. Nach einer vollständigen Entwertung des Simbabwe-Dollars im Juni 2015 hatte das Land zunächst keine eigene Währung mehr. Dieser Schritt war letztlich nur eine Rettung, nachdem der Simbabwe-Dollar durch die riesige Inflation ohnehin nichts mehr wert war. Bereits im Jahr 2007 war die Inflation so hoch, dass die Bank nicht mehr hinterherkam, das Geld nachzudrucken – es gab einfach zu wenig Papier.

Im November lag die Inflationsrate bei 89,7 Trilliarden Prozent (das sind 21 Nullen). Dies bedeutet, dass eine Banane, die man mittags kaufte, am Abend schon ein Vielfaches des Preises kosten würde – aber noch genauso viel Wert war. Da der Simbabwe-Dollar fortan ausgesetzt wurde, gab es keine landeseigene Währung mehr. Die ausländischen Währungen waren dementsprechend knapp, schließlich konnte die Nationalbank nicht mehr beliebig viel Geld davon drucken. Außerdem behielt sie vor allem bei Überweisungen aus dem Ausland einen Großteil der Transaktionen ein. Am Ende war es die komplette Bevölkerung, die traditionsgemäß unter der Misswirtschaft leiden musste.

So griffen letztlich viele Menschen zu Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Trotz der hohen Volatilität war die Nutzung von Kryptowährungen für Menschen in Simbabwe deutlich attraktiver. Bitcoin war das Tor zur finanziellen Unabhängigkeit.

Doch genau dieses will die Reserve Bank of Zimbabwe nun offenbar verriegeln. Laut simbabweanischen Medien haben Banken in Simbabwe nun 60 Tage Zeit, um den Handel mit Kryptowährungen von ihren Portalen zu verbannen. So hat sie Richtlinien herausgegeben, die es Finanzinstituten in Simbabwe verbieten, mit Krypto-Exchanges oder Menschen, die damit zu tun haben, zusammenzuarbeiten.

Simbabwe und die Integrität von Zahlungssystemen

Zu den größten Kryptobörsen in Simbabwe gehören Bitfinance, Styx24 und Golix. Letztere hat erst kürzlich Bitcoin-ATM im Land aufgestellt. Unter anderem gibt die Zentralbank zu bedenken, dass sie „als monetäre Autorität der Hüter des öffentlichen Vertrauens ist und damit die Verpflichtung, die Integrität von Zahlungssystemen zu wahren, hat.“ Da, wie die Bank weiter schreibt, Kryptowährungen die finanzielle Stabilität des Landes beeinträchtigen würden, sei es schließlich notwendig, sie zu verbieten.

Um auf Nummer sicher zu gehen, listen sie die Aktivitäten im Detail auf. Demnach gehören zu den verbotenen Krypto-Aktivitäten

„das Erhalten von Accounts, Registrierung, Trading, Abrechnungsverkehr, Sicherheitsvereinbarungen, Überweisungen, Zahlungs- und Settlement-Accounts, Kreditvergabe, Annahme von Krediten, Account-Eröffnung bei Börsen sowie Geld auf Konten zu überweisen, die mit dem Kauf oder Verkauf von Kryptowährungen zu tun haben.“

Im Klartext: Die Reserve Bank von Simbabwe verbietet jegliche Handlung, die irgendwie mit Kryptowährungen zu tun hat. Während der offizielle Grund derjenige ist, die Wirtschaft des Landes zu sichern, verbirgt sich hinter dem Schritt die Sicherung der eigenen Monopolstellung. Letztlich ist es jedoch genau diese, die die Menschen dazu getrieben hat, Kryptowährungen überhaupt erst zu verwenden.

BTC-ECHO

Über Phillip Horch

Phillip HorchPhillip Horch hat im Oktober 2017 sein Masterstudium in Literatur-Kunst-Medien an der Uni Konstanz abgeschlossen und arbeitet seitdem als freier Journalist. Bereits während seinem Studium hat er für verschiedene Magazine geschrieben und fasst nun in Berlin Fuß. Im Fokus seines journalistischen Schaffens stehen vor allem die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung, sodass er sich seit einiger Zeit auch mit dem Themenkomplex Blockchain und Kryptowährungen befasst.

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