Friedman LLP nicht mehr Auditor von Bitfinex und Tether?

Quelle: Businessman keeping the growth in economy

Friedman LLP nicht mehr Auditor von Bitfinex und Tether?

Die Transparenz von Tether wird seit einigen Monaten angezweifelt, was nun hinsichtlich einer Aufkündigung ihres Auditpartners Friedman LLP kulminierte. Der als Hedge in für Altcoins schwierigen Zeiten genutzte Coin wird stark genutzt, jedoch weiß keiner, ob er jedoch wirklich durch US-Dollar gedeckt ist. Diese Ungewissheit kann einen großen Einfluss auf das gesamte Ökosystem der Kryptowährungen haben.

Wer auf Exchanges ab und an mit Kryptowährungen handelt, kennt das Problem: Nach großen Kursgewinnen möchte man vielleicht nicht komplett auscashen, jedoch auch nicht komplett von der Volatilität Bitcoins und anderer Kryptowährungen abhängig sein. Nicht alle Exchanges lassen eine direkte Konversion in Euro oder US-Dollar zu, sodass sich für viele Tether als gangbarer Mittelweg darstellt.

Tether ist ein Stablecoin, dessen Wert einem US-Dollar entspricht. Gemäß eigenen Angaben ist diese auf der OMNI-Plattform entwickelte Kryptowährung zu 100 % abgesichert, was aktuell bedeuten würde, dass das Unternehmen hinter Tether im Besitz von über zwei Milliarden US-Dollar sein sollte.

In den letzten Monaten kamen immer stärkere Bedenken an der Integrität des Unternehmens hinter dem Stablecoin auf: Kann Tether Limited tatsächlich dieses Kapital vorweisen? Wenn ja: Woher kam diese große Menge an Geld? Tether wird mit einem geringen Umfang direkt von dem Unternehmen erworben. Es ist also nicht davon auszugehen, dass Einzelkunden dem Unternehmen diese große Summe brachten. Sollten Exchanges die 2 Milliarden US-Dollar gezahlt haben? Für die aktuell 20 Tether unterstützenden Exchanges würde das bedeuten, dass im Durchschnitt jeder einzelne 100 Millionen US-Dollar an das Unternehmen gezahlt hat – was wiederum die Frage aufkommen lassen würde, wie es um die Liquidität dieser Unternehmen bestellt ist.

Unter dem Twitter- und Medium-Account @Bitfinex’d hat ein pseudonymer Blogger die enge Verbindung zwischen Bitfinex und Tether immer wieder thematisiert. Diese Verbindung wurde durch die Veröffentlichung der Paradise Papers bestätigt.

Friedman LLP – keine Audits für Bitfinex mehr?

@Bitfinex’d kann eine extreme Polemik gegen Bitfinex und Tether gewiss nicht leugnen. Dennoch können die Bedenken, die insbesondere bezüglich der Absicherung vom Tether in seinen Artikeln thematisiert werden, keineswegs abgestritten werden. So kam es zwar zu Audits seitens des Unternehmens Friedman LLP im September 2017, die jedoch auch einige Einschränkungen aufwies: So soll eines der Konten im Namen eines Treuhänders geführt sein. Friedman LLP betonte, dass sie nicht garantieren können, dass Tether Limited eine rechtlich bindende Einigung mit diesem Treuhänder hat. Außerdem wurde nicht überprüft, ob das Unternehmen auf diese Konten zugreifen kann und so schnell einen Withdraw Request beantworten kann.

Seit September letzten Jahres ist außerdem das Marktkapital von Tether von rund 300 Millionen US-Dollar auf über zwei Milliarden US-Dollar angewachsen. doch schon die 300 Millionen US-Dollar muten seltsam an: Bis Anfang 2017 bewegte sich das Marktkapital von Tether bei 10 Millionen US-Dollar und stieg bis Mai auf 60 Millionen. Ende April gab es ein einschneidendes Ereignis für den Stablecoin: Es konnten keine US-Dollar mehr empfangen werden. Selbst Tether Limited erwartete nicht, dass ihre Anzahl substanziell steigen würde. Es kam anders, wie an oben gezeigter Entwicklung zu sehen war, sodass es höchste Zeit für ein neues Audit wäre.

Zu diesem Audit scheint es jetzt nicht zu kommen: Die Geschäftsbeziehung zwischen Tether Limited und der das Audit durchführenden Firma Friedman LLP scheint beendet zu sein. Dafür spricht nicht nur ein diese Mutmaßung erwähnender Artikel auf Cointelegraph, sondern auch, dass auf der Seite vom Auditor sämtliche Hinweise auf eine derartige Zusammenarbeit gelöscht wurden.

Eine indirekte Bestätigung dieser Problematik hat Giancarlo, CFO von Tether und Bitfinex ausgeführt:

“Der Druck der US-Banken verhindert, dass wir unsere Bankkonten vollständig offenlegen.”

Es sollte erwähnt werden, dass Lao Mao, der CEO von Big.one, betont über Weibo betont hat, dass die Bankkonten, auf die Bitfinex und Tether Zugriff haben, sogar eine größere Summe umfassen.

Mögliche Auswirkungen auf Bitcoin

Dennoch wäre eine etwas transparentere Bestätigung wünschenswert, da, sollte die Erschaffung von Tether-Token aus dem Nichts zutreffen würde, das einen negativen Einfluss auf das gesamte Bitcoin-Ökosystem haben könnte.

Der Vorwurf von @Bitfinex’d geht noch weiter als die Unterstellung einer mangelnden Absicherung der Tether-Token: Großen Walen wie dem Whaleclub und auch direkt Bitfinex wird unterstellt, mit nicht gedeckten Token den Preis von Bitcoin künstlich nach oben manipuliert zu haben. Ohne zu stark auf die Details wie wash trading oder spoofing einzugehen hätte jemand, der Token, denen ein Gegenwert unterstellt wird, drucken kann, die Möglichkeit, in großen Mengen Bitcoin nicht nur zu kaufen, sondern in diesem Prozess den Preis künstlich hochgedreht zu haben. Sollte es also zu einem Krypto-Äquivalent eines Bank Runs kommen, hätten die Exchanges nicht das Geld, um ihre Gläubiger auszuzahlen.

Dieser Krypto-Run ist aktuell jedoch nicht absehbar, deshalb ist zwar nicht Sorglosigkeit, aber auch nicht Panik notwendig, sondern Umsicht und Achtsamkeit. An verschiedenen Stellen hat BTC-ECHO immer betont, dass Token nicht für lange Zeit auf Exchanges liegen sollten – sollten sich etwaige Vorwürfe hinsichtlich Bitfinex bestätigen und dieser Exchange seine Türen schließen, wäre man mit Wallets und dem Besitz der dazugehörigen Private Keys auf der richtigen Seite. Ebenso haben wir schon im September letzten Jahres die Nutzer von Tether zur Vorsicht aufgerufen.

Sicherlich ist es hilfreich, den Status von Tether im Auge zu behalten; Blocklink.info tut dies über eine Tabelle. Auch hier sollte betont werden, dass ein Sinken des Tether-Preises unter 97 Cent sicherlich ein besorgniserregendes Signal darstellt, jedoch Ende April, Ende Juni und Ende Dezember jeweils unterboten wurde – der Kryptomarkt ist dann auch nicht untergegangen. In dem Sinne gilt wie immer Vorsicht statt FUD!

BTC-ECHO

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