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Tether (USDT) Was passiert, wenn die nächste Stablecoin-Bombe platzt?

Der Stablecoin Tether (USDT) ist gemessen an der Marktkapitalisierung die drittgrößte Kryptowährung nach Bitcoin und Ethereum. Droht ihm dasselbe Schicksal wie TerraUSD? Ist eine Entkopplung vom US-Dollar möglich? Was würde das für den Krypto-Space bedeuten?

Phillip Horch
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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eine tickende bombe mit schwarzem hintergrund

Beitragsbild: Shutterstock

Tether (USDT) verspricht als größter Stablecoin am Krypto-Markt Stabilität. Denn hinter der Kryptowährung steht das Versprechen, dass jede einzelne Tether-Einheit USDT genau einen US-Dollar wert ist. Das soll, wenn es bei Bitcoin und Co. mal wieder Turbulenzen gibt, stets die Möglichkeit bieten, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Doch was passiert, wenn Tether seine Dollar-Bindung (“Pegging”) verliert (“De-Pegging”)? Und wie wahrscheinlich ist es, dass das passiert? Droht USDT dasselbe Schicksal wie dem Terra (LUNA) Ökosystem und dessen Stablecoin TerraUSD (UST)?

Tether (USDT): Wie vertrauenswürdig ist das Stablecoin-Projekt?

Tether schaffte es in der Vergangenheit immer wieder, mit Negativ-Schlagzeilen von sich Reden zu machen. Die zwei wichtigsten in diesem Zusammenhang:

  • Tether ist (entgegen früherer Behauptungen) eng mit der Skandal-Börse BitFinex verbandelt. Gemeinsam wurden sie von der New Yorker Staatsanwaltschaft des Betruges überführt.

Bitfinex und Tether haben rücksichtslos und unrechtmäßig massive finanzielle
Verluste vertuscht, um ihr System am Laufen zu halten und ihre Gewinne zu schützen. Die Behauptung von Tether, seine virtuelle Währung sei jederzeit vollständig durch US-Dollar gedeckt, war eine Lüge.

Letitia James, Staatsanwältin in New York
  • Tether hatte ursprünglich behauptet, dass seine Reserven zu hundert Prozent durch US-Dollar gedeckt wären. Nachdem die New Yorker Staatsanwalt ihnen auf die Schliche gekommen war, änderten sie kurzerhand das Versprechen auf ihrer Homepage.
  • Tether ist seitdem durch “traditionelle Währungen, Cash Äquivalente und von Zeit zu Zeit anderen Assets sowie Forderungen gegenüber Darlehen, die Tether an Drittparteien gegeben hat, zu denen auch [mit Tether] assoziierte Unternehmen gehören können” gedeckt. Kurzum: Keiner weiß so genau, was da wirklich drin steckt. Dementsprechend groß ist die Sorge vieler Investoren, dass das vermeintliche Kartenhaus irgendwann einmal zusammenbrechen könnte – mit verheerenden Folgen für den Krypto-Space.

Kann es zu einem Tether-De-Pegging kommen?

Gerade jene “Forderungen gegenüber Drittparteien” können Bauchschmerzen bereiten. Tatsächlich besteht der größte Teil der 74 Milliarden US-Dollar an Tether-Reserven aus Schuldscheinen von Assets, die Tether an diverse Unternehmen verliehen hat. Laut einer Untersuchung von “Bloomberg Businessweek” handle es sich dabei um große chinesische Unternehmen sowie einige Krypto-Firmen.

Wenn nun Tether, etwa aufgrund einer Investorenschwemme, die ihr Geld zurückwollen, unter Druck geraten würde, Gelder auszuzahlen, ist es fraglich, ob all die Unternehmen, die Tether Geld schulden, auch zahlen könnten. Kurz gesagt: Tether hätte ein Problem. Und zwar eines, das sich bereits anbahnt: In den letzten Tagen war es immer wieder zu Kursschwankungen des “Stablecoins” gekommen, was eigentlich nicht passieren dürfte.

Allerdings hat sich das Unternehmen ein Hintertürchen offen gelassen: Laut ihren Nutzungsbedingungen sind sie nicht verpflichtet, eventuellen Forderungen direkt nachzukommen. Umso mehr mag es verwundern, dass das offenbar sehr viele Investoren stillschweigend in Kauf nehmen. Dennoch: Es ist fraglich, ob Tether seine Zahlungsfähigkeit zu jederzeit garantieren kann. Eine Entkopplung vom US-Dollar ist also nicht ausgeschlossen.

Jetzt kommt es vor allem darauf an, wie Investoren reagieren, sobald Tether aufzeigt, wie es um die eigenen Reserven bestellt ist. Denn laut einem aktuellen Gerichtsbeschluss ist das Unternehmen nun dazu verpflichtet, ebendiese offenzulegen.

Die Lage ist eindeutig uneindeutig: Es kann zu einem De-Pegging kommen, muss es aber nicht. Anzumerken ist in jedem Fall, dass alle hier dargestellten Informationen bereits bekannt sind – sowohl unter Behörden, als auch im Krypto-Space.

Was passiert, wenn Tether implodiert?

Falls es tatsächlich zu einem De-Pegging kommen sollte, hätte das unvorhersehbare Folgen für den Krypto-Markt. Eins steht fest: Sollte es zum Crash kommen, würde der Krypto-Markt zumindest kurzfristig starken Schaden nehmen.

Sollten Investoren beginnen, ihre Tether-Reserven aufzulösen, könnte es zu einem Domino-Effekt kommen und mehr und mehr Menschen würden das Vertrauen in den Stablecoin verlieren.

Da der größte Teil des Krypto-Handels über Tether abgewickelt wird, käme der Markt in massive Liquiditätsprobleme. Auch der Bitcoin-Kurs, vor allem aber die Altcoin-Kurse würden massiv unter Druck geraten. Aufgrund der aktuell ohnehin schon geschwächten Kurse von Bitcoin & Co. könnte der Krypto-Markt an Ansehen verlieren. Dazu BTC-ECHO-Marktexperte Stefan Lübeck:

Wenn es zu einem De-Pegging kommt, sind Panikverkäufe auf allen Ebenen zu erwarten. Die Anleger werden versuchen, ihre USDT in USD etwa bei FTX oder aber auf Binance in BUSD oder USDC zu tauschen, was das De-Pegging noch verschärfen dürfte. Auch ist mit einem weiteren Sell-Off, insbesondere bei den Altcoins, aber auch bei Bitcoin zu rechnen. Vor allem, wenn man hier der Entwicklung nach dem Beginn des LUNA-Crashs folgt. Dieses dürfte endgültig zu einem Aufschrei nach mehr Regulatorik und stärkerer Kontrolle durch staatliche Institutionen führen.

Stefan Lübeck

Das sollten Investoren jetzt tun

Am besten, man handelt, bevor es zu einem Crash kommt. Will heißen: Wer Tether-Reserven hat, sollte sich gut überlegen, ob er oder sie diese nicht in Fiat- oder Kryptowährungen umtauscht. Falls es zu einem großen Sell-Off kommen sollte, ist es sicher nicht verkehrt, einige Cashreserven in der Hinterhand zu haben. Denn sollte es tatsächlich passieren, gibt es garantiert günstige Einstiegspreise für Bitcoin & Co.

Übrigens: Wenn du die gesamte Hintergrundgeschichte zu Tether lesen willst, sei dir das aktuelle BTC-ECHO Magazin ans Herz gelegt. Dort erfährst du, wie Tether so groß geworden ist, wie eng der Stablecoin mit BitFinex verbandelt ist, warum beiden nicht zu trauen ist und was der ehemalige Hollywood-Kinderstar und US-Präsidentschaftskandidat Brock Pierce damit zu tun hat.

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