Blockchain in Banking & Finance – Vorträge sind online!

Ende Juni gab es das erste Meetup vom Innovationsforum Blockchain mit dem Thema Blockchain in Banking and Finance – eine Retrospektive.

Vor einigen Wochen wurde das erste Meetup vom Innovationsforum Blockchain auf BTC-ECHO angekündigt. Beim Innovationsforum handelt es sich um eine vom Forschungsministerium geförderte Maßnahme, welche themenspezifisch die Basis für neue Netzwerke legen soll.

Zwar konnte aus unserem Team niemand live dabei sein, jedoch wurden inzwischen die aufgezeichneten Vorträge online gestellt. Einen Rückblick auf das erste Meetup des Innovationsforums ist auf dem Weblog desselben zu lesen, an dieser Stelle möchten wir vor allem die Vorträge einem größeren Publikum vorstellen.

Moritz Gerdes – Hype or Game Changer ? Blockchain-basierte Innovationen und Zukunftsszenarien

Den Auftakt machte ein Vortrag von Moritz Gerdes, Innovationsmanager bei der Comdirekt-Bank. In diesem stellte er die Position von Banken gegenüber der Blockchain-Technologie dar. Er betonte, dass die Banken sich intensiv mit der Blockchain befassen und im Fall der comdirekt-Bank an konkreten Proofs of Concept arbeiten. Das müssen sie auch, ist der Return of Equity dramatisch am Fallen: Man geht davon aus, dass dieser im Jahr 2019 0.8% betragen wird, was ein kleiner Bruchteil im Vergleich zu den 6.1% von 2014 sind.

Seiner Meinung nach werden jedoch bei allen Bedrohungen die Banken überleben – sofern sie sich auf die neue Technologie einlassen. Joi Ito, Direktor vom MIT Lab, sagte vor einiger Zeit “Blockchain wird für Banken und Behörden dasselbe sein wie es das Internet für Medien war”. Interessant ist sein Ansatz, dass die Frage, welche traditionelle Branchen wie das Bankenwesen bezüglich der Blockchain weiterbringen würde, nicht die Frage nach möglichen Anwendungsfällen sei. Die ultimative Frage ist vielmehr, wie das eigene Geschäftsmodell sich im Angesicht der Blockchain ändern muss.

Was etwas auffällt ist die heutzutage in Mode gekommene wertende Unterscheidung zwischen Bitcoin und Blockchain. Bitcoin wird nur noch der Status des First Mover anerkannt; der kriminelle Mief, MtGox und aktuelle Skalierungsprobleme führen dazu, dass er wie auch so viele andere sich von der Bitcoin distanzieren und stattdessen interessiert auf Prototypen-Implementierungen schauen. Bei allem Verständnis sollte jedoch nicht vergessen werden, dass Bitcoin aktuell das größte, vielleicht sogar einzige im großen Stil genutzte dezentrale Blockchain-Zahlungssystem ist. Dass dieser Ritterschlag auch Probleme mit sich bringt, sollte niemanden wundern

Dr. Jörn Heckmann – Smart Contracts, Blockchain 2.0

Rechtsanwalt Dr. Jörn Heckmann stellte die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Juristen und Technikern im Kontext Smart Contract dar. So definiert er im Laufe des Vortrages einen Smart Contract als Software, welche rechtlich relevante Handlungen steuert und/oder dokumentiert, die von digital prüfbaren Ereignissen abhängig sind und mit deren Hilfe Verträge geschlossen werden können. Für Nicht-Techniker brachte er das Konzept Smart Contract etwas näher, indem er auch ein in Solidity geschriebenes “Hallo Welt”-Beispiel erklärte.

Am Ende des Vortrages ging er auf die DAO und das geflügelte Wort “The Code is the Law” ein. Das Thema Rechtswesen in digitalen Zeiten ist ein sehr interessantes Thema. Im Bereich Smart Contracts ist hier auf jeden Fall noch Nachholbedarf bezüglich Entscheiden mit einem Ermessensspielraum. So wird es aktuell weiterhin die Kooperation zwischen Juristen und Technikern benötigen, um technisch und juristisch ausgereifte Smart Contracts zu schreiben.

Philipp Sandner – Blockchain-Adaption vom Banksektor

Im dritten Vortrag konnte Professor Dr. Philipp Sandner nicht nur das Frankfurt School Blockchain Center vorstellen, sondern eine gute Übersicht über den Ist-Zustand des Blockchain-Ökosystems liefern. Ein Gedanke war besonders interessant: Provokant ausgedrückt sollte man bei Kryptowährungen nicht an Fiat-Währungen als Vergleichsobjekte denken, sondern sie eher als Fintech-Startups sehen. Mit 32 Milliarden Euro ist das aktuelle Marktkapital von Bitcoin mit der Geldmenge im europäischen Raum (11,6 Billionen Euro) kaum vergleichbar. Im Kontrast ist eine Bewertung eines Projektes mit über dreißig Milliarden Euro sensationell hoch – Unternehmensgiganten wie Merck mit einem Marktkapital von 13 Milliarden Euro sind nicht einmal halb so hoch bewertet!

Insgesamt schien sich die Veranstaltung sehr gelohnt zu haben. Über weitere Veranstaltungen wird natürlich berichtet. Aktuell sind drei weitere ab Ende August geplant. Diese werden in den nächsten Wochen auch vorgestellt.

BTC-ECHO

Über Philipp Giese

Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet nebenberuflich als Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Zudem engagiert er sich aktiv für die Krypto-Community – sowohl online als zentraler Ansprechpartner im Slack-Channel von BTC-ECHO als auch offline als Speaker und Interviewer pflegt er stets den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären. Der promovierte Physiker kann auf jahrelange Berufserfahrung als Projektleiter und technologischer Berater zurückgreifen. Philipp begeistert sich dabei seit vielen Jahren nicht nur für die technologische Dimension von Kryptowährungen, sondern auch für die dahinterliegende sozioökonomische Vision.

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