Bitfinex – eine Bitcoin-Börse fällt in Ungnade
Brock Pierce, Bitfinex – eine Bitcoin-Börse fällt in Ungnade

Quelle: shutterstock, PR

Bitfinex – eine Bitcoin-Börse fällt in Ungnade

Bitfinex steht derzeit im Verdacht, direkt auf einen Bankrott zuzusteuern. Nutzer beklagen fehlende Geldeinlagen in Krypto und Fiat. Die Bitcoin-Börse bestreitet diese Vorwürfe zwar. Doch ganz ausräumen können sie die Zweifel nicht. Inmitten von alldem steht der ehemalige Kinderstar Brock Pierce. 

Die Bitcoin-Börse Bitfinex muss sich aktuell dem kritischen Kreuzfeuer ihrer Nutzer aussetzen. Der Hauptvorwurf ist, dass die Börse nicht mehr genügend Geldreserven hat, um ihre Kunden auszuzahlen. Hinzu kommt, dass sich viele Nutzer online beschweren, worauf das Unternehmen mit Zensur reagiert. Manche Nutzer befürchten sogar ein neues Mt.Gox, die meisten bangen jedoch um ihre eingelagerten Bitcoin. Dazu werden die alten Verdachtsmomente wieder erweckt, dass der angebliche Stable Coin Tether doch nicht so stabil ist. Inmitten all dieser Unsicherheiten steht ein ehemaliger Disney-Star: von der fragwürdigen Noble Bank, Brock Pierce, Tether und Bitfinex.

Brock Pierce: Bitcoin-Pionier mit Schattenseiten

Brock Pierce zählt zu den reichsten (bekannten) Figuren in der Bitcoin-Szene – Forbes schätzt sein Krypto-Vermögen auf 700 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar. Er hat in Unternehmen wie Mastercoin, Coinbase und Ethereum investiert und ist oft gesehener Gast auf Blockchain-Veranstaltungen. Doch der Weg, der ihn dorthin führte, ist in vielerlei Hinsicht fragwürdig.

Da ist zunächst die unangenehme Sache mit DEN, dem Digital Entertainment Network. Brock Pierce gründete diesen Vorläufer moderner Streaming-Netzwerke gemeinsam mit Marc Collins-Rector und Chad Shackley und plante einen 75 Millionen US-Dollar schweren Börsengang. Doch dazu sollte es nicht kommen: Das Trio musste sich gegen die Anklage des Kindesmissbrauchs verantworten. In der Folge schlossen die Betreiber das Netzwerk und verkündeten ihren Bankrott. DEN zählt zu jenen Unternehmen der DotCom-Blase, die wenig Content produzierten und die Führungsetage unverhältnismäßig hoch bezahlte. Der ehemalige Disney-Kinderstar von „The Mighty Ducks“ bekam selbst jedoch nie eine Strafe und distanzierte sich von seinen Mitproduzenten. Er bezahlte lediglich 21.000 US-Dollar um eine der Klagen abzuweisen.

Von Streaming über Bitcoin zu Tether

Bitfinex – eine Bitcoin-Börse fällt in Ungnade

Seine fragwürdige Vergangenheit war es auch, die im Jahr 2014 viele Mitglieder der Bitcoin Foundation dazu brachte, aus selbiger auszutreten. Als Brock Pierce hier in den Vorstand trat, entschlossen sich zehn Mitglieder dazu, die Bitcoin Foundation zu verlassen. Beweggrund: Man wolle „mit solchen Personen“ nichts mehr zu tun haben. Das hinderte Pierce nicht daran, sich tiefer in die Krypto-Welt zu graben.

Gräbt man nun selbst ein wenig – und zwar in den Tiefen des Netzes –, stößt man auf einen Artikel des Wall Street Journals. Darin berichtet das Magazin, dass Brock Pierce im Jahr 2014 den Realcoin ankündigte: die erste Kryptowährung, die durch den US-Dollar gedeckt sein sollte. Diesen modellierten die Herausgeber nach Mastercoin, einem Bitcoin-Protokoll.

Bitfinex und Brock Pierce – eine unheilige Allianz

Im September desselben Jahres gründeten Bitfinex-Betreiber Philip Grzac Potter und Giancarlo Devasini auf den British Islands das Unternehmen Tether Holdings Limited. Zwei Monate später nannte sich Brock Pierce’ Realcoin dann in Tether um und ruft Bitfinex als Partner aus.

Doch das ist nicht die einzige Verbindung zwischen Bitfinex und Pierce. Wie man einem Twitter-Post entnehmen kann, gründete Pierce zudem das Unternehmen Noble Markets, heute besser bekannt als Noble Bank:

Diese Bank hat nun nachweisbare Probleme, für Liquidität zu sorgen. Demnach kann die in Puerto Rico ansässige Bank nicht für genügend Nachschub sorgen, um Tethers Stabilität zu garantieren. Denn sie gehört zu jenen Banken, die diese garantieren (und übrigens über Umwege an der Herausgabe jenes umstrittenen Reports beteiligt war, der Tether mehr Glaubwürdigkeit verleihen sollte).

Was bedeutet das nun? Brock Pierce gründet Tether und die Noble Bank. Danach kauft Bitfinex Tether und wird zum Herausgeber des kontroversen Stable Coin. Die Noble Bank ist (zum Teil) dafür verantwortlich, dass es genügend Nachschub für Tether gibt. Während die Noble Bank nun im Jahr 2018 genau dafür nicht mehr sorgen kann, tauchen eine Vielzahl von verprellten Bitfinex-Nutzern auf. Alle bemängeln einstimmig, dass sie keine Abhebungen machen können, dass ihre Bitcoin verschwinden und dass Bitfinex nicht auf Kundenanfragen reagiert.

Bitfinex versucht sich aus der Affäre zu ziehen

Das alles kann man einem Medium-Post des Users ProofofResearch entnehmen. Dieser stellt eindeutig heraus, dass es nicht nur eine große Anzahl an Nutzern gibt, die sich über verschwundene Einlagen beklagen. Vielmehr enthüllt er, dass das Bitfinex-Moderatorenteam die Beiträge auf Reddit großzügig löscht.

Doch was haben Elefanten, die Blockchain und das Internet gemeinsam? Sie vergessen nicht. Wie ProofofResearch nämlich erklärt, kann man die gelöschten Posts im Bitfinex-Reddit mit einem simplen Trick wiederherstellen. Hierzu muss man lediglich im Link (https://www.reddit.com/r/bitfinex/) das „r“ von reddit mit einem c ersetzen. Tut man das, wird schnell deutlich, dass das Bitfinex-Moderatorenteam großzügig zensiert.

Hier die Vorher-Nachher-Übersicht:

Die normale Ansicht: allgemeine Threads, die kaum negative Aussagen über Bitfinex enthalten Reddit unzensiert: Plötzlich tauchen kritische Kommentare auf, die die Admins gelöscht hatten „Bitfinex is a scam“ – Kritik wird gelöscht

Auffällig an den gelöschten Posts ist, dass sie sich hauptsächlich darauf beziehen, dass von Bitfinex keine Abhebungen möglich sind (und dass die Börse das bestreitet). Das Vorgehen von Bitfinex weckt hier in jedem Fall gewisse Zweifel: anstatt die Anfragen zu beantworten, werden sie gelöscht.

Die Bitcoin-Börse wehrt sich

Auf Anfrage von BTC-ECHO verwies das Support-Team auf einen Blog-Eintrag, auf dem sich das Unternehmen von den Vorwürfen distanziert. So heißt es vonseiten der Bitcoin-Börse:

„1. Bitfinex ist nach wie vor solvent. Und ein konstanter Fluss aus Medium-Artikeln wird daran auch nichts ändern. Als eine der wenigen Exchanges, die seit 2013 mit einem kleinen Team und niedrigen Gebühren arbeiten, können wir die unbegründeten Argumente ob unserer Liquidität nicht ganz nachvollziehen. Die untenstehenden Wallets zeigen einen kleinen Teil unserer Kryptowährungen und beziehen unsere Fiateinlagen nicht einmal mit ein:

BTC cold wallet 1

Ethereum cold wallet 1

EOS cold wallet 1 

Wie uns eine rationale Partei Insolvenz vorwerfen kann, wenn genau das Gegenteil der Fall ist, ist interessant. Und vielleicht Teil einer gezielten Kampagne, die sich lediglich auf Fiktion beruft.“

Auch zu den Vorwürfen der fehlenden Liquidität äußert sich Bitfinex:

„2. Sowohl Fiat- als auch Kryptowährungsabhebungen funktionieren. Verifizierte Bitfinex-Nutzer können ohne Probleme Euro, Japanische Yen, Pfund und US-Dollar abheben. Komplikationen bestehen lediglich mit Fiattransaktionen wie bei den meisten Krypto-Organisationen. Wir werden jedoch alles daran setzen, die Wartezeiten zu verkürzen.“

Schließlich distanziert sich die Börse auch von der Noble Bank:

„3. Stories und Vorwürfe, die sich auf eine Entität namens Noble Bank beziehen, haben keinerlei Einfluss auf unsere Operationen, Überlebenschancen oder Solvenz.

Wie immer sind wir froh über euren Support, während wir unseren Service weiterhin für unsere Kunden und ihre Bedürfnisse in der Digital Token Economy anbieten.“

Ist Bitfinex noch vertrauenswürdig?

Nun mag es durchaus sein, dass Bitfinex, wie im Post angedeutet, noch einen gewissen Vorrat an Bitcoin, Ethereum und EOS haben mag. Wie die Zusammenhänge zwischen Brock Pierce, Tether und der Noble Bank jedoch zeigen, handelt es sich bei den Vorwürfen höchstwahrscheinlich nicht um Fiktion.

Auch der zweite und dritte Verteidigungspunkt reicht bisweilen nicht, um die Zweifel gegenüber Bitfinex ausräumen zu können. Letztlich sprechen die gelöschten Posts, die sich teilweise auf Abhebungen in Höhe von über 100.000 US-Dollar beziehen, eine andere Sprache. Auch die Verbindungen zur Noble Bank wird Bitfinex nicht so schnell von sich weisen können.

Eins steht jedenfalls fest: Die Praxis, die Bitfinex an den Tag legt, und großzügig alles löscht, was ein schlechtes Licht auf das Unternehmen werfen könnte, ist keinesfalls vorbildlich und wird im letzten Absatz ihres Blog-Posts noch einmal betont:

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BTC-ECHO

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