Im Krypto-Space gibt es viele Begriffe, die stark von der Alltagssprache abweichen und deshalb besonders wichtig sind, um die Szene zu verstehen. Von den Diamond Hands, die eng mit dem HODLn verbunden sind, über FOMO bis hin zu DYOR: Dieser Artikel klärt auf.
Diamond Hands und Paper Hands
Unter Diamond Hands versteht man Anleger, die auch bei großer Volatilität, starken Kursverlusten oder schlechten Nachrichten nicht verkaufen. Ihre Hände sind sinnbildlich aus Diamant: unzerbrechlich, egal wie groß der Druck wird. Die psychologische Widerstandskraft eines Anlegers ist hier ein zentrales Merkmal und wird in der Meme-Kultur daher oft aufgegriffen.
Das Gegenstück sind die sogenannten Paper Hands. Sie verkaufen beim ersten Anzeichen von Turbulenzen und gelten in der Szene als schwach. Populär wurden beide Begriffe im Subreddit r/WallStreetBets, vor allem während des GameStop Short Squeeze Anfang 2021.
Diamond Hands und Paper Hands beschreiben zwei gegensätzliche Typen von Marktteilnehmern, sind aber vor allem stilisierte Memes von denen sich Anleger nicht beeinflussen lassen sollten. Wer mit einem Stop-Loss aussteigt, ist nicht schwach, und wer stur hält, liegt nicht automatisch richtig. Eine Haltung, die die Krypto-Szene bereits lange vor GameStop kannte, und zwar unter dem Begriff HODL. Doch was bedeutet das eigentlich?
HODLING: Hold On for Dear Life?
HODL ist vermutlich das bekannteste Meme der Krypto-Szene. Es steht für das langfristige Halten von Coins, ungeachtet kurzfristiger Schwankungen, und ist dementsprechend sehr eng mit den Diamond Hands verwandt.
Das Wort geht auf einen User des Forums Bitcointalk zurück, der im Dezember 2013 nach einem heftigen Kurseinbruch und einigen Gläsern Whisky erklärte, er sei ein schlechter Trader und werde seine Bitcoins deshalb einfach halten. Seine Konsequenz: „I AM HODLING“. Der Tippfehler, der nicht zuletzt auf den Alkoholkonsum zurückzuführen sein dürfte, wurde zur Ikone.
Heute wird der Begriff gern als Akronym für “Hold On for Dear Life” gedeutet, auch wenn der Ursprung eigentlich ein anderer ist. Bitcoin-Langzeithalter sind nach wie vor ein wichtiger Teil des Marktes, und so lebt der Geist der HODLer bis heute weiter.
FOMO und FUD
FOMO steht für “Fear of Missing Out”, das Gefühl, etwas zu verpassen, was im Krypto-Bereich vor allem mit der irrationalen Angst assoziiert wird, einen schnellen Kursanstieg zu versäumen. Ausgelöst wird FOMO bei schnell steigenden Kursen oder auch bei Geschichten von Anlegern, die über Nacht reich wurden und damit in Redditforen angeben.
Vor allem Anleger, die neu im Markt sind und noch nicht an die hohe Volatilität gewöhnt sind, “FOMOen” oft ihr Geld in Werte, die bereits explodiert sind, und folgen damit ihrem Gefühlsreiz. Als Gegenmittel empfiehlt es sich, eine feste Anlagestrategie zu haben und sich von solchen Ängsten nicht leiten zu lassen.
Bei FUD, also “Fear, Uncertainty and Doubt”, handelt es sich um das logische Gegenstück zu FOMO. Angst, Unsicherheit und Zweifel im Marktumfeld oder in Foren führen dazu, dass sich Anleger gezwungen fühlen, ihre Positionen abzustoßen, oft nach einem starken Wertverlust.
Typische Formen von FUD im Krypto-Space sind Narrative wie “Bitcoin wird verboten”, “Bitcoin wird von einem Altcoin abgelöst” oder “Bitcoin wird durch einen Quantencomputer geknackt”. Nicht jede kritische Nachricht ist allerdings gleich FUD. Um sich gegen die emotionalen Auswirkungen solcher Schlagzeilen zu schützen, empfiehlt es sich, eigene Recherche zu betreiben und sich somit ein Wissensfundament aufzubauen, welches auch in schweren Marktphasen Sicherheit bietet. Der Begriff DYOR ist hierbei zentral.
DYOR: Do Your Own Research
DYOR steht für “Do Your Own Research”, eine Formel, die nahelegt, Eigenrecherche durchzuführen, bevor etwas gekauft wird. Es geht darum, Verständnis zu entwickeln und sich nicht bloß auf die Meinung anderer zu verlassen.
In der Praxis gestaltet sich die Recherche oft so: Whitepaper lesen, Technologie und Herausforderungen verstehen. Das Team prüfen und herausfinden, wer hinter einem Projekt steht. Warnsignale umfassen neben übertriebenen Renditeversprechen auch fehlende Transparenz.
In Foren wie Reddit wird DYOR auch oft als Haftungsausschluss nach einer eigenen Analyse verwendet. Nutzer stellen ihre Thesen und Überlegungen dar, ermutigen andere aber dazu, sich selbst in das Projekt einzulesen. Zur eigenen Recherche gehört auch, die großen Akteure im Blick zu behalten, im Krypto-Space werden sie “Wale” genannt.
Whales: Wer den Markt wirklich bewegt
Als Whales, zu Deutsch Wale, werden Anleger bezeichnet, die große Krypto-Bestände halten. Ihre Käufe und Verkäufe können Kurse spürbar bewegen. Es gibt keine feste Definition eines Wals, bei Bitcoin greift der Begriff aber oft ab 1.000 BTC. Zu den typischen Walen zählen neben frühen Käufern inzwischen auch Treasury-Firmen wie Strategy oder BitMine.
Das Gegenstück zu Walen sind die sogenannten Shrimps oder Fische, also Kleinanleger. Doch eine Marktlage löst nicht nur bei Letzteren Beklemmung aus, sondern versetzt den ganzen Markt in Unruhe: der Krypto-Winter.
Krypto-Winter: Der ultimative Test
Der Krypto-Winter bezeichnet eine lange Phase fallender oder stagnierender Kurse, also einen ausgedehnten Bärenmarkt. Oft schwindet in solchen Phasen das Interesse an Krypto, und Phrasen wie “Bitcoin ist tot”, die teilweise selbst zu Memes wurden, sind tagtäglich zu lesen. Pleiten und Entlassungen in der Branche sind ein häufiger, unwillkommener Nebeneffekt.
Gerade in solchen Tiefphasen kommen Begriffe wie Diamond Hands, Paper Hands und HODLn auf die Tagesordnung. Krypto-Winter wurden in der Vergangenheit oft durch Zusammenbrüche großer Börsen oder Projekte ausgelöst oder verschärft.
