Exklusiv – Jean-Claude Trichet: „Ich kann Kryptowährungen überhaupt nichts abgewinnen“
David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

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Der ehemalige Präsident der europäischen Zentralbank EZB Jean-Claude Trichet hält Blockchain-Technologien für die weitere Entwicklung des weltweiten Finanzsystems für interessant.  Jedoch gelte es vor allem abzuwarten, wie sich diese in Zukunft entwickeln. Bei Kryptowährungen hingegen handele es sich größtenteils um Spekulationsinstrumente. Dies unterstrich der derzeitige Bruegel-Leiter in dieser Woche bei einer Veranstaltung in Paris.

Längst ist es keine wilde Behauptung mehr. Dass Blockchain-Technologien nachgesagt wird, sie können den gesamten Finanzsektor umwälzen, liest und hört man nicht zum ersten Mal. Weniger drastisch formuliert, hat schon so mancher Kopf der Finanzwelt die Vorzüge der neuen Technologien in den Blick genommen – entgegen anfänglicher Skepsis.

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Bei einer Veranstaltung zur Reform der globalen Finanzsteuerung in dieser Woche äußerte sich nun auch Ex-EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zu den neuen Technologien. Auf die Frage, inwiefern Blockchain und Kryptowährungen bei einer solchen kommenden Umgestaltung eine Rolle spielen, gibt er sich abwägend:

 „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass den Technologien fantastische Fortschritte gelingen, um sie in Wirtschaft und Finanzen anzuwenden. Die stetige Weiterentwicklung der Blockchain könnte dabei nützlich sein“,

Allerdings komme es darauf an, Herausforderungen etwa der Nachhaltigkeit zu bedenken und abzuwarten,  wie sich die Technologien weiterentwickelten. Weniger offen zeigte er sich gegenüber Kryptowährungen. Gegenüber BTC-ECHO bekräftige er:

„Offen gesagt, ich kann Kryptowährungen überhaupt nichts abgewinnen. Dabei handelt es sich größtenteils um rein spekulative Instrumente und nicht um [eigentliche] Währungen. Ich denke, die zuständigen Behörden waren von Anfang an ein wenig zu behutsam.“

Seiner Meinung nach hätten staatliche Stellen „härter gegen diese Explosion“ vorgehen sollen, so das Urteil des 75-Jährigen, der derzeit der belgischen Denkfabrik Bruegel vorsitzt.

G20 in Buenos Aires: Regulierung nimmt Geldwäsche ins Visier

Für die G20 hatte Trichet gemeinsam mit zwanzig Finanzexperten eine mögliche Reform in der Steuerung des globalen Finanzsektors ergründet. Unter ihnen sind neben Stanford-Professor John B. Taylor auch der ehemalige Chef der italienischen Zentralbank, Fabrizio Saccomanni. Unter die Lupe genommen haben sie dabei nicht nur die Möglichkeiten besserer Kooperation unterschiedlicher Zentralbanken, sondern auch die zukünftige Finanzierungsmöglichkeiten für Entwicklungsländer. Technische Details, wie etwa mögliche Blockchain-Anwendung, seien dabei allerdings nicht konkret diskutiert worden, so Trichet.

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Dass die Blockchain-Technologie besonders im Bereich der Entwicklungsarbeit zukünftig zum Zuge kommen könnte, davon zeugen erste Erfolge. So konnten Blockchain-Projekte wie etwa der Bank of China die Potentiale der Technologie zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten offenlegen.

Beim kommenden G20-Gipfel in Buenos Aires Ende November werden diese jedoch wohl vorerst im  Hintergrund bleiben. Vielmehr wird das politische Hauptaugenmerk auf der möglichen Regulierung von Kryptowährungen liegen. Denn hier weilen die größten Bedenken der Staats- und Regierungschefs.

In dieser Woche etwa fordert das jüngste Kabinettspapier der Bundesregierung, eine Regulierung Bitcoins auf internationaler Ebene. Geeignete Rahmenbedingungen seien vonnöten, um „die Potenziale der Technologie zu erschließen und Missbrauchsmöglichkeiten zu verhindern“. Ähnlich hatte in der Vergangenheit etwa die britische Zentralbank, der International Währungsfonds IWF oder US-Finanzminister Steven Mnuchin vor den Geldwäsche-Potentialen im Dunstkreis von Kryptowährungen gewarnt.

BTC-ECHO


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