Ethereum Hard Fork – ein Präzedenzfall?

Ethereum Hard Fork – ein Präzedenzfall?

Nach dem großen DAO-Hack im letzten Monat, bei dem aus der DAO Ether im Wert von sechzig Millionen Dollar entwendet wurde, findet Ethereum nach der Hard Fork wieder in die Normalität zurück.

Der Diebstahl wurde letztlich durch die Hard Fork umgekehrt. Diese Hard Fork, die von einer informellen Wahl der Community abgesegnet wurde, hat die entsprechenden Funds in einen neuen Account geschoben, aus dem die ursprünglichen Investoren ihr Geld ziehen konnten.

Doch während der primäre Einfluss natürlich auf Ethereum beschränkt war, schlägt die Hard Fork weitere Wellen. Potentielle Folgen wurden quer durch die Blockchain Communities diskutiert.

Auch die Bitcoin Entwickler beteiligen sich an dieser Diskussion. Aus dieser Ecke haben einige prominente Vertreter starke Bedenken geäußert. Ihrer Meinung nach hat die Entscheidung hinsichtlich der Hard Fork nicht nur Konsequenzen für Ethereum, sondern insgesamt einen negativen Einfluss auf Blockchain-Anwendungen im Allgemeinen.

Das Feature, dass die Blockchain von klassischen Datenbanktechnologien unterscheidet, ist, dass das Transaktionsbuch von allen Usern (oder zumindest einem signifikanten Teil derselben) gespeichert ist. Das gibt den Nutzern Sicherheit, da alle Nutzer über dasselbe Hauptbuch verfügen.

Die vorher erwähnten Bitcoin Entwickler sind nun immer besorgter, dass Ethereum einen Präzedenzfall schuf, in dem ein Konsens basierend auf der Führungsrolle von einigen Individuen eben jenes Transaktionsbuch änderte. Für andere Blockchain bestünde die Gefahr, dass es dort auch zu ähnlichen Änderungen komme.

Diese Sorgen teilt beispielsweise Bitcoin Core Entwickler Peter Todd:

“Hier wurde ein Präzedenzfall geschaffen, wonach man, falls irgendwelche unbefriedigenden Dinge geschehen, man eine Blockchain einfach resettet. Damit wird natürlich die Unveränderlichkeit der Blockchain infrage gestellt.”

Wie viele haben tatsächlich die Hard Fork gewollt?

Mit seinen Sorgen ist Todd nicht allein: Ein weiterer Bitcoin Entwickler und früher Mitarbeiter am Ethereum Projekt, Eric Lombrozo, ist erschüttert, dass man anscheinend mit der richtigen Motivation eine Blockchain Fork den Stakeholdern schmackhaft machen konnte.

Das kann für Investoren und regulatorische Behörden auch für andere Blockchains interessant sein.
Im Fall von Ethereum hat Lombrozo auch seine Zweifel am Wert des Abstimmungsprozesses, der zum Konsens führte, da nur sehr wenig Leute sich überhaupt an dieser Wahl beteiligt haben.

Dass nun eine Minderheit von Ethereum Nutzern immer noch die alte Chain unter den ursprünglichen Konsensregeln unter dem Namen Ethereum Classic mined zeigt eine Schwierigkeit im Finden eines digitalen Konsens auf, was zur Frage führte, ob distributed Ledgers, da sie anfällig für sozial motivierte Revisionen sind, überhaupt als Hauptbücher taugen.

Laut Lombrozo hätten Vitalik Buterin und andere wichtige Stimmen der Ethereum Community die Macht gehabt, den Wählern jede von ihnen gewollte Entscheidung zu entlocken. Die Akzeptanz des Hard Forks seitens der Community war seiner Meinung nach nicht überraschend, sondern eher eine sich selbst erfüllende Prophezeihung.

Er betonte, dass das Ziel seiner Kritik weniger die Hard Fork war an sich als vielmehr wie sie durchgeführt wurde: Letztlich ging es um einen Bailout, weshalb die Motivation der Hard Fork seiner Meinung nach gegen die grundlegenden Prinzipien von Bitcoin geht:

“Selbst wenn wir etwas entsprechendes ohne eine Hard Fork tun könnten wäre es in Bitcoin undenkbar.”

Der Präzedenzfall

Die Top-Down-Struktur, die den Einfluss auf die Fragestellung der Hard Fork ausmachte, ist für Gideon Greenspan, Gründer von Coin Sciences, Grund zur Sorge. Laut ihm könnte das dazu führen, dass Digitalen Währungen nicht mehr als sicheres Investment betrachtet werden.

Aktuell arbeitet Greenspan an einer offenen Plattform zur Entwicklung, zum Management und zum Deployment von Blockchains. Falls Ethereums Smart Contracts ein “beliebtes Investment Vehikel” werden, könnte der Präzedenzfall zu einer Menge Streitigkeiten in der Zukunft führen.

“Meiner Meinung nach hat man auf langfristige Sicht die falsche Entscheidung getroffen. Man kann nun annehmen, dass es auch in Zukunft einen Bailout gibt, beispielsweise wenn ein beliebter Smart Contract nicht so fuktionierte, wie man es sich erhoffte.”

Interessanterweise werden solche Bedenken durchaus auch von Buterin geteilt, der die Community aufrief, sich bewusst zu machen, dass die Hard Fork gewisse Erwartungen wecken wird.

Bitcoins Hard Forks in der Vergangenheit

Auf der anderen Seite wird in der Community darüber debattiert, ob Bitcoin bewusst eine Hard Fork initiiert hat. Eine nicht geplante hard Fork gab es im März 2013. Sie wurde später durch gemeinsamen Einsatz der Community beseitigt.

Weitere Debatten haben die Frühzeit Bitcoins als Thema: Es ist unklar, ob und wie viele Hard Forks Satoshi Nakamoto zu Zeiten, als Bitcoin noch keinen Marktwert hatte, durchgeführt hat.

Todd zieht eine Linie zwischen etwaigen frühen Bitcoin Hard Forks und dem Ethereum Hard Fork, da unterschiedlich viel Geld in den jeweiligen Systemen lag: Während Ethereum zur Zeit des Forks eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde Euro hatte – wovon ca 10% in der DAO waren – war die Situation bei Bitcoin anders.

Die Marktkapitalisierung war damals laut Todd bei null. Dementsprechend konnte man, ohne dass irgend jemand Verluste zu fürchten oder Gewinne zu erhoffen hatte, tun und lassen, was man will.

Eine Möglichkeit zum Lernen

Die Sorge der Bitcoin Core Entwickler ist wahrscheinlich nicht überraschend. Schließlich existiert durchaus eine Konkurrenzsituation zwischen verschiedenen Blockchains, selbst wenn diese am ende koexistieren.

Emin Gün Sirer, Professor der Cornell University, sagte, dass die Stimmung der Ethereum Community nach dem Hard Fork “generell eher positiv” ist. Auf einer Ethereum Konferenz, wo er auch Co-Host ist, sagte er, dass der Akt der Community, über die Blockchain zu einem Konsens zu kommen, ein Zeichen von Stärke sei.

Emin Gün Sirer ist ein harscher Kritiker der DAO, der er vorwirft, nicht evaluierten Code veröffentlicht zu haben. Die Hard Fork sieht er jedoch als eine Gelegenheit zum Lernen.

“Es gibt hier einige Lektionen, die nicht nur Ethereum lernen kann. Auch Bitcoin kann hier einiges mitnehmen.”

Konkret benannte er die Bounties, die Entwicklern, die beim Debug des Netzwerkes halfen, zukommen konnte.

“Jede Altcoin ohne ein Bounty System ist letztlich verletzlich und ich weiß nicht, ob Bitcoin ein solches hat. Die Bitcoin Entwickler sind sehr, sehr selbstbewußt, fast schon anmaßend, aber haben bisher noch kein solches Bounty System aufgebaut.”

Eine ausweglose Situation

Christopher Allen, der Architekt von Blockstream, einem Startup, dass sich mit Bitcoin sidechains beschäftigt, schloss sich den Bedenken von Todd und Lobrozo an.
Er fügte jedoch einschränkend an, dass ohne eine Hard Fork es wahrscheinlich zu rechtliche Schritten gekommen wäre, die einen Einfluss auf alle Krptowährungen gehabt hätten.

“Letztlich hätte jede Option Folgen gehabt. Falls man nichts getan hätte wäre der Angreifer mit dem unverdienten Geld verschwunden, was zu Fragen der Behörden und anderen Institutionen gekommen wäre. Auch das hätte einen negativen Einfluss auf Bitcoin gehabt.”

BTC-Echo

Quelle: Bitcoin Developers Warn Ethereum Fork Sets Unsettling Precedent via CoinDesk

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