Altcoin-Marktanalyse – Bitcoin-Dominanz nimmt leicht ab, Altcoins profitieren

Stefan Lübeck

von Stefan Lübeck

Am · Lesezeit: 8 Minuten

Stefan Lübeck

Stefan Lübeck arbeitet als freiberuflicher Analyst für BTC-ECHO. Stefan ist seit über einem Jahrzehnt Trader und Chartanalyst am klassischen Markt und weiterte seine Analysen Mitte 2017 auf den Kryptomarkt aus. Der studierte Soziologe kann somit auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der charttechnischen Analyse zurückgreifen, welche er als aktiver Daytrader für sich nutzt.

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Bitcoin-Dominanz nimmt ab, Altcoin-Marktanalyse

Quelle: Shutterstock

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Obwohl der Wochenstart zunächst positiv startete, schaffte es die Gesamtmarktkapitalisierung des Bitcoin-Ökosystems in dieser Woche jedoch nicht, den Widerstand bei 268 Milliarden US-Dollar zu überwinden. Die Kapitalisierung prallte an der Abwärtstrendlinie nach unten ab und konsolidierte auf aktuell 258 Milliarden US-Dollar. Es konnte somit zwar kein neues Wochenhoch gegenüber der Vorwoche generiert werden, auf Wochenbasis bleibt dennoch ein Wochenplus des Gesamtmarktes von knapp sechs Prozent zu vermerken.

Die Kurse der 10 Top-Kryptowährungen sehen diese Woche etwas freundlicher aus und können Kurszuwächse verzeichnen, während die Bitcoin-Dominanz sinkt. Acht von zehn Top-10-Coins weisen einen einstelligen Kursaufschlag auf, lediglich Stellar gibt auch diese Woche abermals ab und fällt erneut aus den Top 10 der Kryptowährungen mit der höchsten Marktkapitalisierung.

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Auch Ripple (XRP) kann sich den positiven Vorzeichen diese Woche nicht anschließen. Informationen über eine weitere Überweisung von 500 Millionen Ripple Coins von der Escrow Wallet ins Ripple-Netzwerk hat abermals für Unmut in der Krypto-Gemeinde gesorgt. Hingegen zeigt EOS eine starke Wochenperformance und kann um fast zehn Prozent an Wert gewinnen. Auch Bitcoin Cash, Litecoin und Ethereum können mit soliden Kurszuwächsen zwischen sechs und acht Prozentpunkten überzeugen.

Das Bitcoin-Ökosystem: Ein Blick auf die Marktkapitalisierung

Gesamtmarktkapitalisierung auf Basis von Werten von Cryptocap dargestellt

Nach zuletzt drei schwachen Wochen kann sich der Gesamtmarkt diese Woche verhältnismäßig gut behaupten und wird die Woche im Plus beenden. Der Unterstützungsbereich zwischen 230 und 240 Milliarden US-Dollar ist somit eine starke Unterstützung. Auf der Oberseite begrenzt hingegen weiterhin die Widerstandsmarke bei 269 Milliarden US-Dollar bisher weitere Kursphantasien im Bitcoin-Ökosystem, zumal in diesem Bereich nun auch die Abwärtstrendlinie kursbegrenzend wirkt.

Es muss daher weiterhin von einer Niveaufindungsphase gesprochen werden. Solange die Marktkapitalisierung auf Wochenbasis diese Widerstandsmarke nicht nach oben brechen kann, besteht weiterhin die Gefahr eines Kursrutsches unter die Unterstützungszone bei 230 Milliarden US-Dollar. Bei Bruch dieser Unterstützung würde ein erneuter Test der Kursmarke der Marktkapitalisierung des Bitcoin-Ökosystems bei 223 Milliarden US-Dollar sowie des elementar wichtigen Supports bei 180 Milliarden US-Dollar wahrscheinlich.

Da sich die Gesamtmarktkapitalisierung nun die dritte Woche in Folge nicht entscheidend aus diesem Schlüsselbereich lösen kann, wird ein starker und womöglich nachhaltiger Ausbruch, sei es nach oben oder nach unten, zunehmend wahrscheinlicher. Dieser Ausbruch sollte einen Aufschluss darüber geben, wohin sich der Krypto-Markt in den kommenden Wochen bewegen wird. Schafft es Bitcoin weiterhin nicht, die 11.000-US-Dollar-Marke nach oben zu brechen, sehe ich eine weitere Schwäche des Gesamtmarktes als wahrscheinlicher an. Positiv bleibt zu konstatieren, dass keine neuen Wochentiefs generiert wurden und die Altcoins sich vom marktübergreifenden Kursrückgang vom 6. September durchaus gut erholen konnten.

Beste Kursentwicklung: Eos (EOS)

Kursanalyse auf Basis des Wertepaares EOS/USD auf Bitfinex

Eos schaffte es diese Woche, seine Unterstützungszone erfolgreich zu verteidigen und konnte sich am 7. September entschieden von diesem Bereich lösen. Mit einem Wochenplus von knapp 10 Prozent auf 3,78 US-Dollar behauptet sich die sechste Kryptowährung nach Bitcoin damit von den Top-10-Kryptowährungen am besten. Aktuell kämpft der Preis mit dem Supertrend aus dem Tageschart. Schafft Eos es, den Bereich um 3,85 US-Dollar nach oben zu brechen, wird ein Test der Abwärtstrendlinie bei 4 US-Dollar über den weiteren Kursverlauf entscheiden. Bricht diese Widerstandslinie, wird das Ziel bei 4,27 US-Dollar, dem 38er-Fibonacci-Retracement der kompletten Abwärtsbewegung, als Ziel aktiviert. Sollte auch diese Marke erfolgreich genommen werden, könnte es zum äußerst relevanten Test der alten Widerstandszone bei 4,70 US-Dollar kommen. Dort verläuft aktuell auch der exponentiell gleitende Mittelwert der letzten 200 Tage. Solange dieser starke Widerstandsbereich nicht durchstoßen wird, ist es nur eine Zwischenerholung der übergeordneten Abwärtsbewegung.

Für mich ist daher ein enger Reshort im Bereich der 4,61 US-Dollar mit einem Stop Loss bei 4,90 US-Dollar und Take Profit bei 4,05 US-Dollar interessant.

Der RSI und der MACD-Indikator im Tageschart haben nach Wochen der Schwäche mal wieder leichte Kaufsignale generiert. Beide Indikatoren steigen, der RSI hat die 55 nach oben gebrochen und zeigt sich aktuell stark. Der MACD auf Tagesbasis hat seit dem gestrigen Sonntag, dem 8. September, ebenfalls ein Kaufsignal erzeugt und steigt leicht an. Auf Wochenbasis haben beide Indikatoren jedoch weiterhin einen bearishen Grundtenor. Der RSI ist mit einem Wert von 43 eher als richtungslos zu bewerten, erst ein Bruch der 45 nach oben hellt das Bild etwas auf. Der etwas trägere MACD ist im Wochenchart jedoch aktuell noch short, weshalb ich eine nachhaltigere bullishe Bewegung von Eos momentan noch als unwahrscheinlich ansehe.

Schlechteste Kursentwicklung: Ripple (XRP)

Kursanalyse auf Basis des Wertepaares XRP/USD auf Bitfinex

Ripple ist momentan schwierig zu bewerten. Auf der einen Seite wurden abermals 500 Millionen Coins von der Escrow Wallet der Ripple Foundation auf den Markt geworfen, was insbesondere unter den Ripple-Fans zu Unmut und Sorge über den zukünftigen Kursverlauf führte. Diese News ist wohl auch maßgeblich dafür verantwortlich, dass XRP diese Woche ein Underperformer ist.

Charttechnisch betrachtet hat der Ripple-Kurs hingegen nun drei Mal den Unterstützungsbereich bei 0,25 US-Dollar erfolgreich verteidigen können. Insbesondere das untere Bollinger Band im Tageschart gibt dem Kurs aktuell Halt. Diese Verschnaufpause darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kurs der drittgrößten Kryptowährung nach Bitcoin nun sämtliche Widerstände aus Supertrend bei 0,284 US-Dollar, altem Widerstandsbereich bei 0.322 US-Dollar sowie dem exponentiell gleitenden Mittelwert der letzten 200 Tage bei 0,34 US-Dollar vor der Brust hat.

Es dürfte daher wirklich schwierig für den Ripple-Kurs werden, einen nachhaltigen bullishen Konter einzuleiten.

Auch hier ist daher ein erneuter Short im Bereich der 0,283 US-Dollar zu favorisieren. Mögliche Ziele wären das Jahrestief bei 0.236 US-Dollar sowie die Demand-Zone bei ~0,21 US-Dollar. Der Stop Loss sollte bei 0,305 US-Dollar platziert werden.

Beide betrachteten Indikatoren, der RSI und der MACD, weisen im Tageschart weiterhin bearishe Signale auf. Der RSI konnte sich von den Wochentiefs zwar geringfügig absetzen, notiert aber weiterhin unterhalb der 45. Erst ein Bruch dieser Schwelle sowie im Optimalfall auch das Durchstoßen der 55 könnte weiteres Kurspotential liefern. Der MACD im Tageschart tendiert zudem seitwärts. Dieses bearishe Bild verfestigt sich im Wochenchart. RSI wie auch MACD sind weiter schwach und weisen Verkaufssignale auf.

Stabilität der Top 10 im Bitcoin-Ökosystem

Nach drei schwachen Wochen können die Top-10-Coins diese Woche teils ansehnliche Kursaufschläge verzeichnen. Bis zur Wochenmitte wiesen acht von zehn Coins zweistellige Kurszuwächse auf, wurden dann aber am Freitagabend zusammen mit Bitcoin abverkauft. Im Gegensatz zu den Vorwochen folgte der Rebound diese Woche jedoch zeitnah und neue Käufer kamen in den Markt. Die schwache Woche bei Stellar kostete die Kryptowährung den zehnten Platz. Monero schaffte mit einem Kursplus von sieben Prozent wie schon vor zwei Wochen den Sprung auf Platz zehn.

Gewinner und Verlierer der Woche

Der Altcoinmarkt zeigt sich diese Woche wieder etwas freundlicher. Gut die Hälfte aller Kryptowährungen können auf Wochenbasis ein Kursplus vorweisen. Unter den Gewinnern finden sich diese Woche eher unbekannte Kryptowährungen aus der dritten Reihe. Mit einem Kursaufschlag von 93 Prozent bei 2,7 Millionen US-Dollar Umsatz führt die Kryptowährung XMax die Top-100-Liste in dieser Woche an. Ziel des Projekts ist die Bereitstellung von Rechenleistung auf der Blockchain. Mit einem Wochenplus von knapp 30 Prozent bei gleichzeitig sehr starkem Wochenumsatz von 200 Millionen US-Dollar sorgte das Projekt Cosmos für Aufsehen.

Abzuwarten bleibt, ob dieses bemerkenswerte Volumen für nachhaltige Kurssteigerungen sorgen kann. Der Verlierer der Woche im Bitcoin-Ökosystem heißt Quarkchain mit einem Abschlag von 33 Prozent. Auch der REN-Token muss mit einem Abschlag von 27 Prozent einen erheblichen Kurseinbruch verkraften. Das immerhin gut die Hälfte der Top-100-Kryptowährungen diese Woche einen Kursaufschlag vorweisen können, lässt darauf hoffen, dass sich der Krypto-Markt auf diesem Niveau stabilisieren kann. Bis dato ist es jedoch ein Strohfeuer im weiterhin fragilen Altcoinmarkt.

Gesamtmarktkapitalisierung exklusive Bitcoin auf Basis von Werten von Cryptocap sowie auf Basis des Wertepaares BTC/USD auf Coinbase dargestellt.

Die Wochenkerze im Chart des Altcoin-Gesamtmarkts vs. Bitcoin kann diese Woche einen Doji aufweisen. Die Unterkante des Unterstützungsbereichs wurde für Altcoinkäufe genutzt und der Kurs konnte sich entscheidend von den Wochentiefs entfernen. Dieses Kaufinteresse darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese Woche ein neues Jahrestief markiert wurde. Es bleibt zu hoffen, dass das Comeback der Altcoins diese Woche nicht direkt wieder in sich zusammenfällt. Ein Durchstoßen des gleitenden Durchschnitts der letzten 200 Wochen würde die Situation aufhellen. Abwarten und Tee trinken scheint vorerst weiterhin die richtige Devise zu sein.

Ein Blick auf die Bitcoin-Dominanz

Die Bitcoin-Dominanz konnte mit 73,41 Prozent diese Woche zunächst ein neues Jahreshoch markieren, korrigierte jedoch zum Wochenende hin und notierte zum Wochenschluss bei 72,12 Prozent. Damit schaffte es die Dominanz abermals nicht, den übergeordneten Aufwärtskanal nach oben zu brechen und fiel in der Folge etwas zurück. Die in der letzten Ausgabe angesprochene Bullenflagge wurde zwar nach oben verlassen und die Dominanz notiert weiterhin oberhalb des Bruchlevels bei 71,42 Prozent, jedoch schaffte es Bitcoin nicht, das anvisierte Ziel von 75,32 Prozent Dominanz abzuarbeiten. Aktuell sieht es so aus, als ob der Druck nach oben erst einmal zu Ende ist. An den Unterstützungsmarken ändert dieses aber weiterhin nichts, erst ein Bruch der 69 Prozent auf Tagesbasis nach unten könnte eine bearishe Trendumkehr zugunsten der Altcoins auslösen. Als Schlüsselmarke für einen nachhaltigeren Trendwechsel ist nach wie vor der 65-Prozent-Bereich entscheidend.

Bitcoin-Dominanz auf Basis von Werten von Cryptocap dargestellt

Zum Ende dieser Kalenderwoche sieht es nach einer möglichen Stabilisierung am Altcoinmarkt aus. Inwiefern dieser nachhaltig ist oder erneut nur eine kleine Zwischenerholung darstellt, bleibt abzuwarten. Anleger, die mittelfristig investieren wollen, sollten weiterhin auf eindeutigere Signale warten. Solange keine Kaufsignale im Tageschart ausgelöst werden, ist das Warten an der Seitenlinie weiterhin zu favorisieren.

Disclaimer: Die auf dieser Seite dargestellten Kursschätzungen stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind lediglich eine Einschätzung des Analysten.

Die Chartbilder wurden mithilfe von TradingView erstellt.

USD/EUR-Kurs zum Redaktionsschluss: 0,91 Euro.

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