Der Chart ist ernüchternd: Wer nach dem Marktpeak von 2021 in die Top-100-Altcoins investiert blieb, verlor im Median über 1.800 Tage hinweg fast alles. Der 2025er Zyklus folgt bisher derselben Entwicklung: Nach rund 200 Tagen liegt der mediane Verlust bereits bei etwa 65 Prozent.
Für Bitcoin gilt der Bärenmarkt historisch als Kaufgelegenheit. Für Altcoins versagt diese Annahme strukturell. Wer im Tief kauft, wettet nicht nur auf eine Markterholung, sondern auch darauf, dass der jeweilige Coin im nächsten Zyklus überhaupt noch relevant ist. Die Daten deuten darauf hin, dass das auf rund 95 Prozent aller Altcoins nicht zutrifft.
47 Millionen Token, zu wenig Kapital
Das Problem hat sich in diesem Zyklus verschärft. Die Gesamtzahl aller Kryptowährungen ist auf über 47 Millionen gestiegen, allein auf Solana existieren mehr als 22 Millionen Token. Das Kapital verteilt sich auf immer mehr Assets, die Liquidität pro Coin sinkt. Onchain-Analyst Darkfost hat das als strukturelles Verwässerungsproblem bezeichnet: Altcoins werden dadurch im Zeitverlauf fragiler, nicht stärker.
Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise Asset Management, bringt es auf den Punkt: “Dieses Spiel ist vorbei. Wir werden nicht mehr sehen, wie eine steigende Flut alle Boote hebt – also Kapital von Bitcoin über Ethereum zu DeFi und NFT-Bildern von Steinen rotiert.” Das klassische Rotationsmuster funktioniere nicht mehr.
Auf neue Top-Performer warten
Die Renditen des nächsten Zyklus kommen wahrscheinlich nicht von den Coins, die im letzten Zyklus geführt haben. Wer trotzdem auf alte Namen setzt, trägt eine doppelte Opportunitätslast: Das Kapital ist gebunden in einem Asset, das möglicherweise nie zurückkommt, während neue Zyklusführer entstehen. Das Projekt muss technisch und fundamental relevant bleiben und sich gleichzeitig gegen eine neue Generation von Projekten durchsetzen, die mit frischem Kapital, starken Teams und frischer Aufmerksamkeit starten.
Das bedeutet nicht, dass kein Altcoin aus dem alten Zyklus zurückkommt. Es bedeutet, dass ein bekannter Name allein kein Vorteil mehr ist.
