Wie wählt man ein gutes Krypto-Investment in der ICO-Phase?

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 9 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Quelle: © sergey_p - Fotolia.com

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An welchem ICO soll ich mich beteiligen? Ein Artikel über die Suche der Krypto-Nadel im Heuhaufen.

Sid Kalla ist CTO bei dem Fintech-Unternehmen Acupay. Außerdem arbeitet er als freischaffender Journalist mit Fokus auf Fitech, Bitcoin und Kryptowährungen. Er hat in verschiedene Blockchain-Projekte wie Bitcoin, Maidsafe, Counterparty und BitShares investiert.


Bitcoin existiert seit 2009. Seitdem haben sich tausende von Kryptowährungen gebildet, die sich mehr oder weniger von Bitcoin unterscheiden. Grob lassen sich diese Altcoins in die folgenden Kategorien unterteilen:

  • Kryptowährungen, die sich nur leicht von Bitcoin unterscheiden. Ein bekanntes Beispiel hierfür wäre Litecoin, eine Währung, die sich im Mining-Algorithmus, den insgesamt verfügbaren Coins und der Confirmation Time unterscheidet.
  • Kryptowährungen, dessen Codebase sich komplett von Bitcoin unterscheidet. Ein klassisches Beispiel hier wäre NXT mit seinem Proof of Stake-Mechanismus.
  • Außerdem gibt es noch Konzepte wie Rootstock, Mastercoin und Counterpart, Meta-Protokolle auf Bitcoin, die Bitcoin durch eine weitere Ebene erweitern, aber weiterhin Bitcoin nutzen. Meta-protocols on top of bitcoin.
  • Schließlich entwickelten sich Kryptowährungen, deren primärer Use Case gar nicht die Nutzung als Geld ist. Stattdessen werden die Tokens hinter den Altcoins im Rahmen einer Anwendung genutzt. Man spricht hier teilweise von Appcoins oder Protocol tokens. Bekannte Beispiele für diese Art Kryptowährung sind Storj, einem Tolen, welches im Rahmen einer dezentralen Cloud genutzt wird, und natürlich Ethereum.

Soweit erstmal zu den einzelnen, aktuell existierenden Arten an Altcoins. Fast täglich kommen neue Altcoins dazu, in der Hinsicht wird die Zukunft zeigen, ob diese grobe Unterteilung weiterhin bestand haben kann.

Was ist ein ICO?

ICO steht für Initial Coin offering. Bei einem ICO handelt es sich letztlich um eine Möglichkeit, Geld für Projekte im Blockchain-Ökosystem via Crowdfunding zu erwerben. Jene, die Geld in dieses Projekt stecken, erhalten im Tausch Tokens der geplanten Kryptowährung – was sich, sobald sich das unterstützte Projekt etabliert hat, durchaus lohnen kann, so jedenfalls die Hoffnung.

Eines der ersten ICOs hing mit Mastercoin zusammen. Das Development Team hinter dieser Krpytowährung konnte 2013 insgesamt 5.000 BTC einsammeln.

Inzwischen sind ICOs letztlich die hauptsächlich genutzte Form, neue Altcoin-Projekte zu finanzieren; allein 2016 wurden über 100 Millionen US-Dollar in ICOs gesteckt. Die einfache, dezentrale Natur eines ICOs hilft vielen jungen Teams, auch ohne Kontakte zu Venture Capitalists oder Angel Investors das notwendige Geld zusammenzubekommen.

Bitcoins Volatilität als Herausforderung

So schön der aktuelle Preisanstieg bei Bitcoin auch ist, zeigt er doch auch gewisse Schwierigkeiten auf. Die volatile Preisentwicklung erschwert die Abwägung, ob sich das Investment in eine neue Kryptowährung lohnt oder man besser fährt, die Bitcoins Bitcoins bleiben zu lassen.

Da Bitcoin letztlich eine recht neue Anlage ist und die Kursentwicklung zu neu ist, konnten Modelle zur Preisentwicklung noch nicht wirklich entwickelt werden. Es gab zwar verschiedene Versuche, die Preisentwicklung zu modellieren, die auf Dingen wie Makrofinanziellen Indikatoren oder Produktionskosten basieren. Diese Theorien konnten jedoch nicht wirklich bestätigt werden.

Diese Schwierigkeiten werden bei vielen anderen Kryptowährungen natürlich nur noch größer. Es existieren jedoch Krypto Token, deren ökonomische, finanzielle und technische Charakteristiken sich von Bitcoin stark unterscheiden und die so ein deutlich besseres Modell zum Finden eines Wertansatzes sind.

Diese Aussage gilt besonders für Altcoins, die mit bestimmten Anwendungsfällen zusammen hängen. Sofern man diese Anwendungsfälle ökonomisch beschreiben kann, lassen sich diese Altcoins nicht als Währungen, jedoch als wirtschaftliche Entitäten modellieren. Auf gut deutsch: In solchen Fällen kann man dieselben Bewertungsstrategien wie bei Aktien anwenden.

Crypto Token – eher Aktie als Währung?

Ein Vorteil bei der Behandlung von Altcoins als Aktienanteile, gerade im Kontext ICO, ist, dass man bei der Bewertung auf wohlbekannte ökonomische Modelle zurückgreifen kann. In dem Zusammenhang kann man auf unterschiedliche Modelle je nach betrachtetem System zurückgreifen: Ein Projekt mit einer externen Einkommensquelle, welche an die bestehenden Token-Holders ausgeschüttet wird (die DAO wäre hier ein Beispiel) würde anders betrachtet werden, als ein Projekt, in dem die Tokens konkret für eine bestimmte Anwendung genutzt werden (Storj ist hier ein Beispiel).

Was jedoch beide Fälle gemein haben: Wir müssen zur Bewertung keine neuen Modelle entwickeln. Dennoch sei hier schon als Warnung gesagt, dass der ermittelte Wert sich stark von dem Marktpreis unterscheiden kann – im Guten wie im Schlechten. Der wirkliche Preis ist noch zu sehr von dem Traden an den verschiedenen Börsen abhängig.

Wirtschaftliche Struktur von Altcoins

Betrachten wir also nun Altcoins bzw. einzelne Token derselben, so wie Aktien. Wir können sagen, dass für den Holder eines Token der Wert seines Investments, wie bei Aktien, auf drei Säulen ruht:

  • Dividenden, d.h. mögliche Gewinnanteile, die an die Anteilsinhaber ausgeschüttet werden.
  • Buybacks, d.h. der Rückkauf der Werte durch den ursprünglichen Inhaber
  • Preisentwicklung

Da es der am meisten einleuchtende Fall ist werden wir erstmal auf die Preisentwicklung schauen. Hier muss zwischen einer durch eine langfristige Adoption zustande kommenden Preisentwicklung und einer spekulativen Preisentwicklung unterschieden werden. In ersteren Fall wird der wirtschaftliche Wert des Ökosystems auf Basis verschiedener ökonomischer Annahmen berechnet und dann durch durch die Kryptotokens geteilt – so lässt sich bei vielen Kryptowährungen der Wert eines jeden einzelnen Coins berechnen. Das ist, was im Fall eines Investments interessiert; der spekulative Wert kann im Fall vom Trading interessant sein.

Betrachten wir dazu nochmal Storj Labs. Für Storj bekommen Anleger keine Dividenden und ein Buyback existiert nicht. Sollte sich das Protokoll verbreiten sollte der Wert von Storj Coins sich aber erhöhen. In dem Fall wäre eine grobe Abschätzung des Wertes von Storj eine geschätzte Marktgröße, dass man durch alle existierenden Coins teilt.

Wenn man an Projekte wie die DAO denkt sieht man, dass manche Projekte neben der Preisentwicklung eine Cash-Flow Komponente besitzen. Ähnlich wie Firmen einen Profit erwirtschaften und ihre Anteilsinhaber daran beteiligen können kann man dasselbe auch teilweise bei bestimmten Altcoins anwenden.

Das ursprüngliche BitShares-Ökosystem war ein Altcoin-System mit Eigenschaften, die an einen klassischen Buyback erinnern. Die maximale Anzahl an BitShares war nach oben hin begrenzt. Jede Transaktion wurde mit einer Gebühr in BitShares bezahlt. Ein Teil dieser Gebühr wurde den einzelnen im Proof of Stake agierenden Nodes gezahlt, der rest wurde “verbrannt”.

“Verbrennen” ist letztlich etwas dem Buyback ähnliches: Die Gesamtmenge an Tokens wurde verringert, wodurch jeder Tokenholder etwas mehr an der Gesamtmenge besaß. Mit steigender Adoption würden Gebühren ansteigen, so dass diese relative Gesamtmenge für die Token Holder ansteigt.

Augur hat mit seinen Coins namens “reputations” oder kurz REP letztlich ein Modell, was einer Dividende entspricht. Alle Gebühren, die durch Transaktionen aufkommen, werden an jene REP-Holder in Form von Ether ausgezahlt, die bei einem Voting-Prozess mit dem Konsens mitgestimmt haben. Je mehr Transaktionen es gibt, desto größer ist das Einkommen, was REP-Holder erwirtschaften können.

Iconomi, ein dezentrales Fondsmanagementsystem, hat ebenfalls ein Dividenden-ähnliches System entwickelt, was jedoch zwischen zurückgehaltenem und verteilbaren Einkommen unterscheidet.

Das Projekt generiert Einkommen in der Form von Ether für Gewinne, die durch Asset Management und Gebühren entstehen. Ein Teil dieser Gebühren wird von dem Projekt selbst für das Tagesgeschäft verwendet. Der Rest geht an die Token Holder.

Wie bewerte ich nun Altcoins?

Wir sehen, dass unterschiedliche Altcoins letztlich zu unterschiedlichen Bewertungsmodellen führen, aber wir können viele Tools aus dem professionellen Aktienanalysegeschäft nutzen.

Letztlich führt man zur Bewertung eines Altcoin zwei Schritte durch: Man schätzt die Größe des Marktes ab und wie diese Marktgröße sich als Gewinn pro einzelnem Token ausdrücken wird.

Die Abschätzung der Marktgröße kann Top-Down oder Bottom-up passieren. Im ersteren Fall können wir noch einmal auf Storj zurückggreifen. Man würde zur Abschätzung der Marktgröße damit anfangen, dass man überlegt, wie groß der tatsächliche Markt dafür ist. Man würde also abschätzen, wie der Bedarf an Cloud-Lösungen etc ist. Als zweites würde man überlegen, was für einen Anteil dieses Marktes Storj übernehmen könnte.

Natürlich kann schon die Abschätzung einer Marktgröße eine Herausforderung sein. Im betrachteten Fall Storj könnte man sich als erstes Daten von Unternehmen wie Dropbox anschauen, um eine Idee über die Größe des Marktes zu bekommen. Als nächstes kann man sich überlegen, wie groß der Marktanteil ist, den Storj gewinnen könnte.

Für ein Beispiel für den Bottom-up-Ansatz schauen wir auf SingularDTV, einem Projekt, was 7,5 Millionen uS-Dollar bei seinem ICO im letzten Jahr erwirtschaftet hat. Das Projektteam selbst hat eine Abschätzung für den Gewinn dargestellt; so haben sie angenommen, dass eine Dokumentation zu 200.000 bezahlten Views führen würde, wobei jede einzelne 2,60 USD kosten würde.

Das ist ein klassischer Bottom-up-Approach: Die einzelnen Komponenten werden bewertet und auf der Basis wird das gesamte Unternehmen bewertet.

Sobald Marktgröße und Gewinne abgeschätzt wurden können Investoren Frameworks wie das Dividendenwachstumsmodell oder das relative Bewertungsmodell nutzen. Ersteres liefert einen Wert basierend auf prognostizierten Gewinnen und Dividenden, letzteres vergleicht das betrachtete Altcoin-Projekt mit bestehenden Unternehmen, deren Wert wohlbekannt ist.

Komplex könnte es beispielsweise bei Iconomi eingeschlagen werden: Iconomi generiert auf drei Wegen Gewinn, ist es doch ein Krypto-Indexfonds mit Management-Gebühren, ein Krypto-Hexfonds mit Management und Performance-Gebühren und eine Fondsmanagement-Plattform mit Nutzungsgebühren. Jeder einzelne dieser Wege muss getrennt betrachtet werden.

Schwierigkeiten bei der Bewertung

Da die Geschichte der Kryptowährungen sehr kurz ist, gibt es einige Schwierigkeiten, die Investoren bei der Bewertung von Altcoin-Projekten meistern müssen.

  1. Erstens ist die durchschnittliche Lebensspanne der Projekte im Krypto-Ökosystem eher kurz, was auch durch die Weggabe eines Großteils der Altcoins im ICO nicht leichter wird.
  2. Zweitens ist die Erfolgsrate der meisten Krypto-Projekte nicht gerade hoch. Dadurch wird die Abschätzung von Cash-Flows schwierig- Modelle wie das Dividendenwachstumsmodell nehmen an, dass es für immer Dividenden geben würde. Sollte das Projekt jedoch eine äußerst kurze Lebensspanne besitzen kann man sich nicht mehr allein auf dieses Modell verlassen.
  3. Drittens gibt es in den Kryptomärkten keine risikofreien Tauschraten. Wenn man beispielsweise Bitcoin in ein Projekt investiert hat und die beim ICO erworbenen Tokens wieder in Bitcoin tauscht, kann es sein, dass der BTC-Kurs inzwischen ganz anders ist.
  4. Viertens hängen Projekte in der Altcoin-Welt oft voneinander ab, was eine Risikoabhängigkeit verschiedener Projekte mit sich bringt. Ein Projekt basierend auf Ethereum wird also auch von Ethereum abhängig sein.

Es bleibt also dabei, dass auch mit verschiedenen Modellen das Investment in einen ICO ein Risiko bleibt. Dennoch kann mit einer guten Planung das Geld sinnvoll angelegt werden.

BTC-ECHO

Englische Originalversion von Sid Kalla via CoinDesk

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