Was tun im Bärenmarkt? Gedanken zum fallenden Bitcoin-Kurs

Was tun im Bärenmarkt? Gedanken zum fallenden Bitcoin-Kurs

Der Bärenmarkt nimmt kein Ende. Analysten versuchen den Grund für den fallenden Bitcoin-Kurs zu erklären und wecken Hoffnung auf einen neuen Bullenmarkt in diesem Jahr. In diesem Artikel werden Denkanstöße in andere Richtungen gegeben.

Eine Kolumne von Philipp Giese

Nachdem der Kurs ein seit Monaten durchlaufenes Triangle Pattern durchbrach und einen seit einem halben Jahr geltenden Support testete, brach der Kurs nun wieder ein und testet den Support bei 5.300 Euro erneut. Das Handelsvolumen sinkt weiter und steht, außer in Momenten der Kurs-Dumps, so tief wie seit über einem Jahr nicht mehr.

Auch dem Großteil der anderen Kryptowährungen geht es schlecht, sodass man wahrscheinlich bald Tether als Währung in den Top 10 wahrnehmen muss.

Natürlich wird in den Medien viel über die Gründe gesprochen:

  • Die Zentralbank Indiens soll allen Banken aufgetragen haben, Transaktionen mit Bezug auf Kryptowährungen zu untersagen. Zwar ist die restriktive Haltung Indiens nicht neu, doch soll dies zu einem großen Sell Off geführt haben.
  • Japans Anforderungen an Exchanges sollen ihrerseits zu einem Ausverkauf beigetragen haben.
  • Schließlich ist das aktuelle EOS-Fiasko zu erwähnen: Dass eine Kryptowährung, deren Launch mit vielen Hoffnungen verbunden war, nach einigen Startschwierigkeiten aktuell primär über die Zensur von Transaktionen in die News kommt, ist für die Anleger enttäuschend.

Ob das die Gründe sind oder ob große Wale ein globales Pump-&-Dump-Spiel spielen, sei dahin gestellt. Jedenfalls finden die Analysten in den Medien einen Grund nach dem anderen. Was gestern das chinesische neue Jahr war, ist heute die ausstehende Steuerrückzahlung und morgen der Winterschlussverkauf. Dieselben Analysten werden ebenso nicht müde, „bis Ende des Jahres“ den großen Bullen-Run vorherzusagen, der den Kurs bis 10.000, 25.000, 60.000 US-Dollar oder noch mehr heben soll.

So polemisch ich mich ausgedrückt habe, möchte ich derartige Prognosen und die Suche nach Gründen nicht schlechtreden. Hinter den Prognosen stehen oft wirklich interessante Denkansätze, wie man beispielsweise an Tom Lee von Fundstrat sieht.

Was wären Anzeichen für einen kommenden Bullenmarkt?

Ich persönlich möchte mich jedoch nicht mit einer weiteren Preisvorhersage aus dem Fenster lehnen. Vor einigen Monaten habe ich, damals basierend auf Monte-Carlo-Simulationen, die Unsicherheit derartiger Prognosen aufgezeigt. Am sehr gewagten Beispiel von John McAffee habe ich ebenso die (Un)Wahrscheinlichkeit seiner bullishen Vorhersage analysiert.

Meiner Meinung nach ist es wichtiger zu sehen, was Bitcoin schaffen muss, damit wir uns wieder in einem bullishen Fahrwasser befinden. Im Januar und  Februar habe ich auf den MA20 im Wochenchart hingewiesen und gesagt, dass dieser ein Maß für einen Bärenmarkt darstellt. Seit Ende Januar befindet sich der Bitcoin-Kurs unter diesem Level. Zwei Mal, Ende Februar und Ende April, konnte der Kurs temporär über dieses Level steigen, jedoch für nicht viel mehr als eine Woche. Wirklich von einem Bullenmarkt spreche ich deshalb erst wieder, wenn der Kurs mindestens drei Wochen über dem MA20 liegt. Nach aktuellem Stand bedeutet das, dass der Kurs langfristig über 6.800 Euro steigen muss.

Wie tief kann es noch heruntergehen?

Je nachdem wie lange der Kurs unterhalb dieser Marke bleibt, kann diese Schwelle natürlich sinken. Damit kommt man zur zweiten Frage: Sollte das aktuelle Supportlevel tatsächlich brechen – was erwarte ich dann für Kursfälle? Zwischen August und September bewegte sich der Kurs zwischen 3.000 Euro und 4.000 Euro. Sollte man annehmen, dass wir uns wirklich in einem Bärenmarkt befinden, würde dieses Level auch erreicht werden, wenn das aktuelle Absinken vom RSI als Basis genommen wird. Würde der RSI mit derselben Geschwindigkeit wie bisher fallen, wäre im Dezember ein RSI von 30 erreicht, sodass man auch langfristig betrachtet von einem Überverkauf sprechen würde. Das letzte Mal war dies Anfang 2015 der Fall. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Ende des seit 2013 stattfindenden Kurssturzes erreicht. Bitcoin bewegte sich erst seitwärts und schließlich aufwärts. Entsprechend sehe ich diese Höhen aktuell als ein weiteres wichtiges Supportgebiet an.

Was bedeutet das für das Krypto-Investment?

Heißt das nun, dass ich nichts mehr kaufe? Nein, wie an anderer Stelle beschrieben bin ich immer Freund des Cost-Average-Ansatzes. In bullishen Zeiten würde ich diesen Ansatz mit dem Mayer-Multiple-Ansatz verbinden und so lange weiter in Bitcoin investieren, bis der Kurs über ein bestimmtes Level gestiegen ist. In der Hinsicht blicke ich seit einiger Zeit eher ruhig auf die langfristigen Kursbewegungen. Kurzfristig gibt es immer wieder Einstiegsmöglichkeiten für Long- und Short-Positions, die zwar nicht die Gewinne wie Ende 2017 versprechen, aber auch verfolgbar sind. Deshalb werden die Kursbewegungen auch weiterhin wöchentlich betrachtet. Aus Sicht des Langzeitinvestments jedoch renne ich nicht jeder schnell ausgesprochenen Hoffnung eines neuen Bullenmarktes nach der nächsten Steuersaison, dem nächsten Erntedankfest oder dem nächsten Neujahrsfest hinterher, sondern beobachte lieber, wie sich der Kurs bezüglich des MA20 im Wochenchart verhält.

Gerade im Bärenmarkt: Es geht um deutlich mehr als Kurse!

Schließlich das Wichtigste: Bitcoin besteht längst nicht nur aus Kursschwankungen. Zum einen kann man Bitcoin auch mal wieder nutzen, um entweder Dinge zu bezahlen oder als Zahlungsoption zu akzeptieren. Wir alle sind Teil einer unglaublich spannenden Revolution, die Dinge wie Banken, Zahlungswege, Geld und Zentralisierung neu definiert! All das wird mit einer disruptiven Technologie erreicht, die für sich selbst stehend auch schon wahnsinnig interessant ist. Ich war gerade beim Lightning Hackday und habe so viel über das Lightning Network gelernt, dass ich nun weiß, was für eine große Welt sich dem Interessierten dort auftut. UTC und #buildl sind also wieder meine Devise: Nutzt die Kryptowährungen, beschäftigt euch mit der Technologie und Ideologie dahinter – und baut selber etwas auf!

Ich könnte noch mehr schreiben, nur muss ich nun weg vom Laptop und meine Lightning Node einrichten.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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