EOS: Block-Produzenten und eingefrorene Accounts

Alex Roos

von Alex Roos

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Alex Roos

Alex Roos absolvierte einen B.Sc. in "Management, Philosophy & Economics" an der Frankfurt School of Finance & Management und schrieb seine Bachelorarbeit über die "Anwendungsfelder und Adaption der Blockchain Technologie". Ihn begeistern vor allem "pure" Kryptowährungen wie Bitcoin und Monero.

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Quelle: Neon glowing EOS coin in Ultra Violet colors with cryptocurrency blockchain nodes in blurry background. 3D rendering via Shutterstock

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Über 15 Prozent aller Tokenholder haben für Block-Produzenten gestimmt, das EOS Mainnet ist live – jetzt ist alles paletti, oder? Nicht ganz: Auch in den letzten Tagen erregte EOSIO unangenehmes Aufsehen, denn die Block-Produzenten haben sieben Accounts eingefroren.

Noch nicht ganz Mainnet, aber dann doch schon soweit, dass es kein Zurück mehr gibt. Nach einem knappen Jahr ICO endete die Fundraising-Phase für EOS am 2. Juni 2018. Danach kam Verwirrung auf, denn das Ende des ICOs bedeutete nicht gleich den Start des Mainnets. Für diesen Start mussten erst 15 Prozent aller Tokenholder für sogenannte Block-Produzenten (englisch: Block Producer; kurz: BP) abstimmen. Mittlerweile ist diese Grenze überschritten und damit ist das EOS Mainnet live.

Rückblick: Probleme mit dem Wählen der Block-Produzenten

Doch auch wenn mehr als 15 Prozent abgestimmt haben, aktuell – gut drei Wochen nach dem Öffnen der virtuellen Wahlkabinen – haben weniger als ein Viertel aller Tokenholder abgestimmt (24,39 Prozent; Stand: 21.06.2018).

Der Grund dafür ist, dass es keinen einfachen Weg gibt, seine Stimme für den einen oder anderen BP abzugeben. Entweder man schlägt sich durch das komplizierte Command Line Interface oder man geht ein Risiko ein und vertraut einem Graphischen-User-Interface, einer dritten Partei, meistens die Software eines BPs.

Phishing beim Generieren der EOS-Key-Paare


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Das Chaos findet hier noch kein Ende: Allem Anschein nach gab es viel Betrug während der ICO-Phase, sogenanntes Phishing.

Wir erinnern uns, dass das ICO für EOS als ERC20-Token auf der Ethereum-Blockchain stattfand. Dabei mussten die Investoren ETH an den EOS Smart Contract schicken und erhielten dann proportional zu dem täglich zu verteilenden Betrag einen entsprechenden Betrag an EOS-ERC20-Token. Anschließend musste man diese ERC20-Token auf ein EOS-Keypair „mappen“. Das heißt also, dass man die durch die ICO erworbenen Token auf ein Public-Key/Private-Key-Paar überträgt. Sobald das Mainnet dann startet, kann man mit dem Private Key die auf dem Public Key hinterlegten Bestände bewegen oder damit einen BP wählen.

Offensichtlich gab es bereits hier Angriffe auf unwissende oder leichtgläubige Investoren. Manch einer wurde bei dem Generieren seines Key-Paares gephisht. Mit anderen Worten, dem Nutzer wurde beim Erstellen seines Schlüsselpaares nicht der richtige Private Key angezeigt, sondern eine Fälschung. Den echten Private Key behält die (betrügerische) Website und besitzt damit zum Start des Mainnets auch die korrespondierenden EOS.

Dieser Umstand sorgte im EOS-System jetzt für Aufruhr. Die Frage, ob die BPs nicht tätig werden sollten, kam auf. Jedoch verkompliziert sich die Angelegenheit hier noch weiter.

Das Mainnet ist noch nicht fertig

Der ICO ist vorbei, das Mainnet wurde provisorisch gestartet, allerdings wurde die Consitution (also die Verfassung) des EOS-Systems noch nicht von den Tokenholdern bestätigt. Ebensowenig gibt es Streitschlichter im ECAF.

Die Constitution ist eine Verfassung in Reintext, in der die „Gesetze“ des EOS-Systems festgehalten werden. Sie umfasst 20 Artikel, wobei der letzte davon angibt, dass es sich bei dem Dokument um eine vorübergehende Verfassung handelt, bis die Tokenholder abgestimmt haben und damit die Legislatur bestätigt haben.

Das ECAF ist das EOSIO Core Arbitration Forum und soll ein Ort für Arbitration in EOS geben, also Streitschlichtung, ohne dafür ein Gericht zu benötigen. Dafür stellt das ECAF sogenannte „Arbitors“, also Schlichter, zur Verfügung. Auch hier gibt es noch keine von der Community gewählten Verantwortlichen. Deswegen ist die Funktion des ECAF noch nicht in Kraft und für die Lösung des Phishing-Problems kann nicht zum ECAF geschaut werden.

Sieben Accounts von den BP eingefroren

Als Antwort auf die Phishing-Attacken bildeten einige Block-Produzenten die Telegram Gruppe EOS 911. In Anlehnung an die amerikanische Schnellwahl für den Notruf, 911, soll Opfern von Phishing-Attacken geholfen werden, an ihre EOS zu gelangen.

Dafür wurde eine Umfrage ausgeführt, die ergab, dass die meisten Leute durch Phishing ihre EOS verloren haben (52 Prozent), dass sie nach wie vor im Besitz ihrer entsprechenden ETH-Adresse sind (81 Prozent) und beim Versuch für einen BP zu wählen herausfanden, dass sie nicht ihre EOS kontrollieren (66,7 Prozent). Die Menge der Befragten liegt allerdings unter 50 und die Validität kann angezweifelt werden.

Wie aus einem Steemit-Eintrag des BP EOS42 zu lesen ist, haben die

„Block-Produzenten alle Beweise vollständig überblickt, welche ein Indiz lieferten, dass die legitimen Eigentümer sowohl ihre Eigentumsrechte als auch ihren Wunsch nach einer Accountsuspendierung nach EOS 911 signalisiert haben.“

Auch ohne ratifizierte Verfassung oder validierte Schlichter ist das ECAF jetzt zu einem Urteil gekommen: Sieben EOS-Accounts werden vorerst für unbestimmte Zeit eingefroren. Damit möchte man verhindern, dass eventuell gestohlene EOS abgezogen und eingetauscht werden.

Kritik an der Entscheidung

Die eine oder andere Stimme äußert sich kritisch zu EOS und dem Vorgehen der Block-Produzenten. Sollten diese nicht eigentlich nur Blocke produzieren und nicht noch mehr Entscheidungsgewalt haben?

Cypherpunk-Legende Nick Szabo äußert sich auf Twitter über EOS:

Szabo kritisiert außerdem den „wet code“, also die Verfassung in Reintext, die nichts mit dem Protokoll an sich zu tun hat. In Bitcoin ist das Protokoll selbst die Verfassung, unter der sich alle Teilnehmer implizit vereinen, wenn sie Bitcoin nutzen.

Die Aktion der Block-Produzenten bedeutet einen massiven Eingriff in das Ökosystem. Für die 1 Million EOS, die vermeintlich durch Phishing abhanden gekommen sind, solchen Aufwand zu betreiben, die impliziten Regeln zu brechen und zu argumentieren, dass es im „Geiste der Blockchain sei“, überzeugt nicht jeden in der Community.

Der Vorteil einer Blockchain soll ja gerade sein, dass man sich keiner zentralen Instanz beugen muss. Wenn sich die Block-Produzenten gut genug kennen würden, und miteinander kooperieren – was wäre dann noch möglich? Die Frage bleibt, ob EOS in dieser Hinsicht tatsächlich dezentral ist.

Mittlerweile ist auch ein unterschriebener Notfallbescheid des ECAF veröffentlicht worden, auf dem die sieben Accounts „offiziell“ eingefroren werden.

Was mache ich jetzt?

Auch ich habe an dem ICO teilgenommen und meine Token registriert. Für mich persönlich stellt sich nun also auch die Frage, was ich mache.

An der Wahl für die Block-Produzenten habe ich nicht teilgenommen. Sonderlich viel hätte meine Stimme nicht ausgemacht.

Meine Token habe ich noch nicht bewegt oder mir eine Software heruntergeladen, mit der ich das könnte. Für mich heißt es HODL und warten.

Auf der einen Seite sehe ich es als problematisch an, dass in EOS wenige Parteien weitreichende Entscheidungen treffen können, dass es für mich als Nutzer keinen trivialen Weg zum Wählen gibt und dass es eine Verfassung in Reintext gibt.

Auf der anderen Seite kann man momentan noch nicht mit Sicherheit sagen, ob EOS scheitern wird. Da ich nicht mehr investiert habe, als ich schmerzfrei verlieren könnte, warte ich einfach ab, bis sich der ganze Staub um den Mainnet-Start gelegt hat.

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