Bitcoin 2020 bei einer Million? Zur Wette von McAfee

Bitcoin 2020 bei einer Million? Zur Wette von McAfee

Nach John McAfee soll der Bitcoin-Kurs bis Ende 2020 auf eine Million ansteigen. Der bekannte Krypto-Evangelist ist sich so sicher, dass er sein bestes Stück auf diesen Claim setzt. Doch ist dieser wirklich realistisch?

Zweifellos ist John McAfee eine der eher schillernden Persönlichkeiten im Krypto-Ökosystem. Der Gründer von McAfee Associates hat schon vor seinem Interesse an Kryptowährungen immer wieder von sich reden gemacht, doch mit seinem Interesse an Bitcoin und anderen Altcoins ist er besonders präsent geworden. Gerade zwischen den Jahren hat er mit umstrittenen Bewerbungen verschiedener Coins auf sich aufmerksam gemacht. Wie später herauskam, lässt er sich derartige Appraisals fürstlich belohnen.

Während die Endorsements für verschiedene ICOs oder Kryptowährungen eine sehr kurze Halbwertszeit besitzen, kann das über eine Prognose nicht gesagt werden: Im Juli 2017 versteifte er sich zu der Aussage, dass Bitcoin bis Ende 2020 einen Wert von 500.000 US-Dollar besitzen würde. Etwas vulgär unterstrich er diese Aussage:

„if not, I will eat my dick on national television.“

Ende November hat er seine Wette noch interessanter gemacht: Da sich der Preis deutlich besser als sein zugrunde gelegtes Modell verhalten hätte, würde er nun von einer Million US-Dollar ausgehen. Sein Gemächt stand weiterhin auf dem Spiel.

Gemäß eigener Aussagen kann John McAfee auf einen Doktortitel in Point-Set Topology zurückgreifen und könne damit den Preis vorhersagen. Zwar lässt sich John McAfee nicht in die Karten schauen, jedoch kann gemäß verschiedener Quellen der Claim von McAfee mithilfe einer exponentiellen Preisentwicklung beschrieben werden.

Derartige Modelle sind per se keine Seltenheit. Auch klassische Wertanlagen wie der Dow Jones oder der Dax lassen sich prinzipiell über eine derartige Entwicklung beschreiben:

Die Seite fnordprefekt.de bietet Interessierten ein kurzweiliges Tool, mit dem man derartige Preisvorhersagen selber modellieren kann. Und tatsächlich, wie manche Seiten versprechen, kann damit – zumindest nach Augenmaß – eine entsprechende Preisentwicklung angenommen werden. Leider kann nur mit Augenmaß gesagt werden, ob das Modell wirklich auf Basis der Datenlage begründet werden kann. In diesem Artikel soll deshalb ein exponentielles Preismodell entwickelt werden, welches am Besten zur tatsächlichen Kursentwicklung passt.

In einer Parabel zu einer Million US-Dollar

Für die Modellierung wird als erstes ein Fit auf Basis der Zeit zwischen dem 17. Juli und dem 29. November 2017 erstellt. Als Funktion nehmen wir folgende an:

Kurs = K0*(1+Steigung)^(t-t0)

Die zum Kursverlauf optimal passende Funktion wäre eine, bei der der Abstand zwischen diesem Modell und dem tatsächlichen Kurs am geringsten ist. Man erhält, logarithmisch dargestellt, dann folgenden Zusammenhang:

Die Daten des Fitmodells kann man nun nutzen, um einen Wert für den 31.12.2020 zu ermitteln. Und tatsächlich! Der am besten passende Fit führt, bis Ende 2020 extrapoliert, sogar auf 23 Millionen US-Dollar. Soweit könnte man also sagen, dass die Prognose von John McAfee sehr konservativ sei.

Das Problem mit einer derartigen Betrachtung ist, dass wir uns oben auf die Entwicklung während eines Bullenruns fokussiert haben. Wenn ausgehend vom Juli 2017 bis heute die Daten berücksichtigt werden, kommt man schon „nur noch“ auf eine halbe Million.

Diese Untersuchung könnte man noch genauer durchführen: Wie entwickelt sich die Prognose für den 31.12.2017 in Abhängigkeit des Startzeitpunktes? Für die nächste Betrachtung wird der Fit bis zum 31.12.2017 extrapoliert, wobei der Fit auf Daten zwischen einem variablen Startpunkt und dem heutigen Datum basiert.

Natürlich kann man die Daten nur begrenzt betrachten; ab Anfang 2018 ist die Statistik zu gering, entsprechend erhält man stark schwankende Prognosen. Doch zuvor sieht der Graph wie folgt aus:

Wie man erkennen kann, ist die Prognose „eine Million US-Dollar pro Bitcoin“ zumindest über einen Fit auf Basis einer exponentiellen Preisentwicklung aktuell nicht haltbar. Wenn man nur Daten seit Anfang/Mitte 2017 berücksichtigt, ist die Prognose haltbar, jedoch fällt danach der prognostizierte Preis dramatisch ab. In der Hinsicht steht zu befürchten, dass der Claim von McAfee primär durch den Bullenmarkt begründet war.

Aufgepasst, McAfee: Nur geringe Wahrscheinlichkeit für eine Million!

Eine andere Betrachtungsweise wurde vor ein paar Monaten vorgestellt: Mithilfe von random Walks und dem Monte-Carlo-Verfahren kann man Abschätzungen über den Bitcoin-Kurs modellieren. In benanntem Artikel war das Ziel, lediglich über ein Jahr eine Preisaussage zu erhalten, jedoch kann die Methode auch für größere Zeitprognosen verwendet werden. Betrachten wir also die Verteilung von simulierten Preisentwicklungen bis 31.12.2020. Im Histogramm wird die Wahrscheinlichkeit zur Erreichung von bestimmten Kursen über denselben dargestellt:

Wenn man die letzten 2.000 Kurse berücksichtigt, besteht tatsächlich eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen Kurs, der Ende 2020 bei einer Million Euro besteht. Wie hoch diese ist? Leider nur bei 3 Prozent.

Ob sich nun John McAfee Sorgen um seine Kronjuwelen machen sollte, wird die Zeit zeigen. Fest steht, dass seine gewagte Prognose nicht unmöglich, aber durchaus unwahrscheinlich ist.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

Bildquellen

  • DOWDAX: TradingView
  • shutterstock_394856032: Man hand holding on middle crotch of trousers.grunge vintage style.

Ähnliche Artikel

Bitcoin Core Bug – eine Retrospektive

Am 17. September wurde dem Bitcoin Core Team mitgeteilt, dass ihre Version des Bitcoin Clients eine gefährliche Sicherheitslücke aufweist. Nicht nur, weil Angreifer damit Nodes abstürzen lassen könnten, Miner hätten damit weitere Coins erschaffen können. Die Core-Entwickler haben mit einem Bugfix den Fehler behoben, jedoch sollte das Geschehene eine Lektion für alle sein.  „Es gibt […]

Blockchain sei Dank: Flüchtlinge können per Iris-Scan bezahlen

Die Einheit der Vereinten Nationen für Gleichstellung und Ermächtigung der Frauen (kurz UN Women) will in Zusammenarbeit mit dem World Food Programme (WFP) die Blockchain-Technologie nutzen, um syrischen Flüchtlingsfrauen in Krisensituationen zu helfen. Seit 2012 unterstützt UN Women Frauen in Flüchtlingslagern mit dem größten auf Frauen ausgerichteten Cash-for-Work-Programm. Wie der Name es schon andeutet, erhielten die Frauen […]

Wie sicher sind eigentlich Stablecoins?

Stablecoins erfreuen sich auf Kryptobörsen großer Beliebtheit. Sie bieten Tradern die Möglichkeit, ihre Profite nach einer Rallye abzusichern – ohne das Geld in Fiat zu tauschen. Das funktioniert jedoch auch nur, wenn der Stablecoin stabil bleibt. Sowohl in der Krypto- als auch der Fiatwelt gibt es hier Negativbeispiele.  Stablecoins sind einer der das Jahr 2018 […]

Bitcoin Ade, hallo Ripple? Das Meinungs-ECHO KW38

Ein vergeblicher Appell der „Krypto-Mom“, bullishe Töne von Ripple Labs und ein Abgesang auf Bitcoin. Ein bunter Korb an Meinungen machte diese Woche im Kryptospace die Runde. Das Meinungs-ECHO. Altcoin-Apokalypse 2019 wird das Jahr des Bitcoin-Rebounds. Davon zeigt sich Sunny Singh, COO des Kryptozahlungsdienstleisters BitPay, überzeugt. Im Gegensatz zu den Altcoins, die zum Untergang verdammt […]