Der Markt crasht – was nun?
Winter, Der Markt crasht – was nun?

Quelle: KOH TAO, THAILAND - DECEMBER 25, 2015: A Thai man limbos under a bar of fire during a Christmas party in Koh Tao island, Thailand

Der Markt crasht – was nun?

Bitcoin ist seit dem Allzeithoch inzwischen um über 70 % gefallen und auch das Marktkapital musste einen Sturz von 65 % ertragen. Kommt nun der große Winter und wie sollte man sich verhalten?

Eine Kolumne von Dr. Philipp Giese

Die letzten Monate waren gerade für jüngere Bitcoin-Anleger sehr frustrierend. Ein Kursverlust von über 60 %, im Fall von Bitcoin sogar über 70 % und im Fall von Ripple über 80 % lässt viele Fragen, ob das das Ende der Kryptowährungen ist.

Die angeführten Gründe sind ebenso zahlreich wie weithin bekannt:

  • In den Medien wurde so ziemlich jeder Wirtschaftsexperte, der gegen Bitcoin eingestellt ist, um eine Stellungnahme gebeten. Derartige Negativaussagen kulminierten jüngst in einer “Kampfansage” seitens der Bank für internationalen Zahlungsausgleich.
  • Die immer mehr umsichgreifende Regulation an den chinesischen und anderen Märkten führt verständlicherweise ebenso zu einer Verunsicherung wie der jüngste Werbe-Ban auf Facebook oder die Sperre bezüglich der Kreditkarten.
  • Viele Leute haben im letzten Jahr sorglos investiert, teilweise mit Geld, welches sie nicht hatten – nun möchte der Fiskus seinen Anteil an Gewinnen haben.
  • Die Sorgen um Tether kulminierten in den Gerüchten einer Marktmanipulation des Bitcoin-Preises, sodass viele in der aktuellen Preisentwicklung eine Marktmanipulation von Bitfinex sehen (ungeachtet dessen, dass Bitcoin auf deutlich mehr Exchanges kaufbar ist als nur auf Bitfinex).
  • Oft wurden die Futures am CBoE und am CME als mögliche Gründe für einen sinkenden Bitcoin-Preis angeführt. Auch wenn hier zu betonen ist, dass das mit den Futures zusammenhängende Handelsvolumen zu gering für eine nachhaltige Kurskorrektur ist, sollte der psychologische Effekt beachtet werden.
  • Auch kleinere technische Gründe wie dramatisch hohe Transaktionsgebühren Bitcoins und die Grabenkämpfe zwischen Bitcoin Cash und Bitcoin spielen hier eine Rolle.
  • Schließlich, und ich denke, das ist der Hauptgrund, haben im letzten Quartal viele die Kryptowährungen für sich entdeckt. Deren Profite sind, wenn sie zum Beispiel in TRON investiert hatten, seit dem Allzeithoch um über 90 % gefallen. In dem Zusammenhang ist auch eine übertriebene Erwartung bezüglich der Preisentwicklung zu nennen – sei es bezüglich Bitcoin, sei es bezüglich anderer Währungen. Deshalb gibt es nicht wenige frustrierte Neuanleger, die ihr Geld jetzt aus dem Markt nehmen – auch auf Kosten von Verlusten.
Der Markt crasht – was nun?

An der Stelle kann erwähnt werden, dass es auch den klassischen Aktienmärkten nicht gut geht: Seit Ende Januar sind alle großen Märkte wie der S&P500, der NASDAQ, der Dow Jones, der SSE Composite Index und auch der DAX am Fallen. Das ist interessant, da sich der Kryptomarkt bisher immer antizyklisch zu klassischen Märkten verhalten hat. Sowohl der Markt der Kryptowährungen als auch der Rohstoffe wurde immer als Sicherheiten gegenüber dem Aktienmarkt gesehen. Sicherlich könnte man hier der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass gegebenenfalls ein derartiges antizyklisches Verhalten nun einsetzen könnte, doch ist es für solche Prognosen noch zu früh.

Große Stürze sind nicht das Ende von Kryptowährungen

All diese Gründe wurden seitens BTC-ECHO mit eigenen Artikeln bedacht und gerade gestern einen Blick auf die jüngste Erschütterung geworfen. Wir haben uns immer bemüht, sowohl überbordendem FOMO als auch übertriebenem FUD sanft entgegenzuwirken. Und heute muss gegen Letzteres etwas angeschrieben werden.

Die oben genannten Gründe haben eine gemeinsame Eigenschaft: Keiner davon stellt den fundamentalen Wert Bitcoins in Frage. Sicherlich waren die Transaktionsgebühren im Fall von Bitcoin in die Höhe geschossen, sicherlich gab es Scam-ICOs, aber nichts davon hat den Sinn eines dezentralen, verteilten Peer-to-Peer-Netzwerkes insgesamt in Frage gestellt. Stattdessen wird über den Wert von Distributed Ledgers in verschiedenen Sektoren weiter nachgedacht. Auch das Interesse an Bitcoin wächst mit dem Lightning Network und den aktuell sehr geringen Gebühren. Auch andere Kryptowährungen entwickeln sich weiter, so soll Mitte des Jahres DASH Evolution erscheinen, um nur einen wichtigen Meilenstein zu nennen.

Ebenso werden verschiedene Nachrichten negativer gesehen, als sie tatsächlich sind: Ein Verbot hinsichtlich des Erwerbs von Kryptowährungen über eine Kreditkarte ist, wenn man bedenkt, dass auch klassische Aktien nicht mithilfe einer Kreditkarte gekauft werden können, nicht überraschend, sondern die übliche Politik, was den Erwerb von Anlagen betrifft. Ebenso ist das Verbot von Werbung im Krypto-Bereich auf Facebook und Instagram, wenn man sich an einen Großteil der Werbungen erinnert, nicht das schlechteste. Wenn wir uns wünschen, dass Kryptowährungen ernst genommen werden, dann sollten wir Maßnahmen, die eine solche Seriosität unterstützen, nicht als Angriff sehen.

Winter is coming? Dann lasst ihn kommen

Ich bin ganz offen: Aktuell sehe ich keine kurzfristige Besserung. Es mag tatsächlich sein, dass den Anlegern im Kryptobereich ein längerer Winter bevorsteht. Ein Blick auf den vor einiger Zeit schon einmal diskutierten Wochenchart zeigt, dass Bitcoin nun nachhaltig unter den EMA20, einen wichtigen Support, gefallen ist:

Neben dem Candlestick-Chart ist der MACD und der RSI eingezeichnet. Um das MACD-Verhalten über mehrere Jahre analysieren zu können, ist dieser ebenso wie der Candlestick-Chart logarithmisch geplottet. Wir sehen, dass ein Sinken unter den EMA20 seit längerer Zeit nicht mehr vorkam. Eingekreist sind die Male, an denen das passiert ist. Ein Blick auf den MACD zeigt, dass der Sturz im Mai 2014 sich von dem Anfang 2014 insofern unterscheidet, als dass der MACD deutlich steiler gefallen ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass der RSI deutlich tiefer war. Wenn man das aktuelle Sinken unter den EMA20 mit den vorherigen Malen vergleicht, ähnelt die aktuelle Situation eher den rot als den violett eingekreisten – es kann also sein, dass der Kurs noch tiefer fällt.

Nun, ist ein Winter das Ende? Wenn, wie weiter oben dargestellt, die Technologie und das disruptive Potential hinter Kryptowährungen nicht angegriffen ist, sicherlich nicht! Entsprechend sollte man die aktuellen Zeiten und den womöglich kommenden Winter eher temporär sehen. Vor einiger Zeit habe ich über das Mindset, was man im Fall von Kryptowährungen haben sollte, geschrieben und diese Worte stimmen heute noch: Wir sollten nicht nervös werden und mit großem Verlust verkaufen, sondern Ruhe bewahren. Mir persönlich hilft der Austausch in unserem Discord mit anderen Anlegern und mit Tradern, die den Markt fast rund um die Uhr unter die Lupe nehmen. Ebenso kann ich die Einschätzungen, die wir in unserem Kryptokompass teilen, gerade Neulingen auf dem Markt empfehlen.

Denken wir doch eher in die Richtung: Wie häufig habe ich von Leuten gehört, dass sie in Bitcoin investieren würden, wäre dieser nur nicht so teuer! Der Bitcoin-Kurs ist dramatisch gefallen, entsprechend könnte man über ein Kaufen nachdenken. Und hinsichtlich der Sorge, den Dip zu erreichen: Dass ein Trader das zum Ziel hat, ist vollkommen nachvollziehbar. Der Langzeit-Investor sollte jedoch auch langfristig denken, weshalb hier eher ein Cost-Average-Ansatz, in dem jeden Monat ein fester Betrag in Bitcoin investiert wird, sinnvoll ist. Wie ich an anderer Stelle gezeigt habe, hätte selbst jener, der Anfang 2014 zum damaligen Allzeithoch mit einem derartigen Investment begonnen hätte, schon im Januar 2016, als der Bitcoin-Kurs noch deutlich unter dem Kurs von 2013 stand, ein Plus von fast 25 % verbuchen können.

Das Gebot der Stunde ist also “Ruhe bewahren” (oder HODL, wem das lieber ist) und sich wieder bewusst machen, was uns an der Technologie und am disruptiven Potential begeisterte.

BTC-ECHO

Mehr zum Thema:

Der Markt crasht – was nun?

Bereit für den nächsten Karrieresprung?

Sichere dir deinen Vorsprung durch Wissen und werde zum Blockchain & Krypto Experten

z.B. "Blockchain Basics Kurs"

Inklusive personalisiertes Teilnahmezertifikat
Zum Online Kurs

Ähnliche Artikel

Winter, Der Markt crasht – was nun?
Craig Wright lässt die Balken biegen – Bitcoin SV stürzt ab
Altcoins

Craig Wright hat die Keys zum Tulip Trust empfangen – dachten alle. Bis er jüngst vermeldete, die Keys zum neun Milliarden US-Dollar schweren Bitcoin-Vermögen doch nicht erhalten zu haben. Nach einem kurzen Höhenflug nahm Bitcoin SV die Meldung enttäuscht zur Kenntnis und rutscht weiter ab.

Winter, Der Markt crasht – was nun?
5 Bitcoin Lightning Games, die du kennen solltest
Bitcoin

Bitcoins Second-Layer-Lösung Lightning wächst weiter. Ein Teil des Wachstums ist Anwendungen wie Blockchain Minigames geschuldet. Hier sind fünf Lightning Games, die du kennen solltest.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Winter, Der Markt crasht – was nun?
Budweiser-Mutterkonzern unterstützt afrikanische Bauern per Blockchain
Blockchain

Die Staaten des afrikanischen Kontinents werden im Allgemeinen zu den Verlierern der Globalisierung gezählt. Die Armutsrate ist hoch und westliche Konzerne betrachten den Kontinent oftmals als ein plünderbares Rohstoffdepot. Dieser Trend setzt sich im Wesentlichen ungebrochen fort. Allerdings werden zumindest punktuell Ansätze eines Umdenkens erkennbar. Umso erfreulicher, dass auch der Blockchain-Technologie hierbei eine Rolle zukommt.

Winter, Der Markt crasht – was nun?
Britische Steuerbehörde plant Tracking Tool von Bitcoin-Transaktionen
Steuer

Diejenigen, die ihr Vermögen in vermeintlich anonymer Krypto-Form an den wachsamen Dienern Eurer Majestät vorbeimanövrieren wollen, könnten schon bald eines Besseren belehrt werden. Denn die britische Steuerbehörde rüstet im Bitcoin-Tracking technisch auf.

Winter, Der Markt crasht – was nun?
Größer, besser, Bitcoin SV?
Kolumne

Craig Wright und sein Team versuchen mit aller Gewalt, ihre Vision durchzusetzen. Dabei haben sie den Anspruch, Bitcoin in seiner Reinform zu vertreten. Obendrein will Wright der wahre Satoshi Nakamoto sein. Von Konsens keine Spur. Die Lage am Mittwoch.

Winter, Der Markt crasht – was nun?
Zentralbank Indiens hält an Krypto-Verboten fest
Regulierung

Die Zentralbank Indiens hat ihre ablehnende Haltung gegenüber den Handel mit Kryptowährungen bekräftigt. Zuvor hat die „Internet and Mobile Asssociation of India“ eine Petition eingereicht, in der eine Lockerung der Gesetzgebung gefordert wurde.

Angesagt

Weltwirtschaftsforum in Davos klärt die Zukunft der Blockchain-Technologie
Insights

Die Welt blickt nach Davos. Inmitten der Alpenlandschaft tauscht sich die Elite aus Wirtschaft und Politik auf dem Weltwirtschaftsforum über dringliche Herausforderungen ökonomischer Entwicklungen aus. Auch das Kryptoversum hält Einzug.

Kann Bitcoin seine positive Entwicklung fortsetzen?
Kursanalyse

Nach der jüngsten Kursrallye ist der Bitcoin-Kurs etwas ins Straucheln geraten. Aktuell befindet er sich an einem Scheideweg. Langfristig zeigen die Indikatoren dennoch eine bullishe Entwicklung an.

Putins neuer Ministerpräsident will Steuern für Bitcoin & Co.
Regulierung

Die Krypto-Welt operierte in Russland bislang in einer rechtlichen Grauzone. Eindeutige Rechtsurteile und Bestimmungen stehen noch aus, Bitcoin & Co. haben keinen rechtlich festgeschriebenen Status. Mit Michail Mischustin ernannte Putin jedoch einen erklärten Bitcoin-Gegner zum Ministerpräsident. Was bedeutet dieser Machtwechsel für Russlands Krypto-Branche?

Bitcoin-SV-Kurs pumpt – Hard Fork angekündigt
Märkte

Der Bitcoin-SV-Kurs überzeugt weiterhin mit starken Zuwächsen. Zwar ist er von seinem kürzlich erreichten Allzeithoch wieder etwas abgekommen. In den letzten 24 Stunden legte er dennoch wieder im zweistelligen Prozentbereich zu. Darüber hinaus steht eine Hard Fork im Netzwerk an. Wie sind die Zukunftsaussichten?