Verkehrte Welt: Wie Banken auf die Krypto-Ökonomie abfahren

Verkehrte Welt: Wie Banken auf die Krypto-Ökonomie abfahren

Neben steigenden Kursen ist in dieser Woche vor allem eines aufgefallen: Das regulierte Finanzsystem lässt sich immer stärker auf die Krypto-Ökonomie ein. Dass die Fronten zwischen alter und neuer Welt immer mehr verschwimmen, mag nicht jedem Krypto-Enthusiasten gefallen. Doch klar ist: Der Innovationsdruck treibt den Wettbewerb an und bringt so Vorteile für Verbraucher und Investoren.

Goldman Sachs stellt einen Krypto-Trader ein, die VPE Bank bietet als erste Bank in Deutschland den Handel von Kryptowährungen an, die Nasdaq plant eine Kryptobörse, die spanische BBVA Bank stellt ein Darlehen über die Blockchain aus, der Kryptofonds BITREAL hat eine Vertriebszulassung von der BaFin erhalten – und so weiter und so fort. Das Finanzsystem, das ursprünglich durch Bitcoin & Co. abgelöst werden sollte, produziert nun die News, die den Kryptomarkt stützen.

Sei es die Blockchain als Abwicklungsinfrastruktur oder Kryptowährungen, die eine neue Spielwiese für das Investmentbanking bereiten – der Krypto-Hype schlägt erst jetzt wirklich im Finanzsystem ein. Die starre Finanzwelt kann nicht mit der Geschwindigkeit von Blockchain-Start-ups mithalten. Daher macht sich erst jetzt die ersten Auswirkungen der Krypto-Ökonomie in der Bankenwelt bemerkbar machen.

Eine immer stärkere Regulierung des Kryptosektors treibt den Kryptomarkt dabei geradezu in die Arme der Banken und Fondsgesellschaften. Ihre jahrelange Erfahrung, ihre Lizenzen und ihre immer noch gefüllten Kriegskassen machen sie zu nach wie vor mächtigen Playern. Sie wollen sich den jungen Start-ups aus der Fintech-Branche nicht so einfach geschlagen geben.

Banken und Finanzdienstleister stürmen das Krypto-Parkett

Auch wenn dies nicht im Interesse mancher idealistischer Krypto-Anhänger ist, verschwimmen die Fronten zwischen Krypto- und Bankenwelt doch immer weiter. Die Professionalisierung des Kryptosektors und der neu entstandene Druck auf Seiten der Banken führen in Teilen zu einer Verschmelzung beider Finanzökonomien – zentral meets dezentral. Natürlich ist die Unsicherheit auf beiden Seiten groß. Die Widersprüche zwischen dem Ansatz der Krypto-Ökonomie und dem der traditionellen Finanzwelt lassen sich nicht einfach auflösen.  Aber dennoch lassen sich klar positive Effekte ableiten. Durch das Aufkommen der Krypto-Ökonomie entsteht mehr Wettbewerb im sonst so innovationsfeindlichen Finanzsystem. Klar ist: Wer nicht bereit ist, sich zu verändern, verliert an Boden und fliegt über kurz oder lang raus. Dieser neue Innovationsdruck führt dazu, dass sich auch die alten und etablierten Player künftig deutlich stärker an den Bedürfnissen der Verbraucher und Investoren orientieren. Denn es gibt anders als früher eine Alternative: Die Krypto-Ökonomie.

BTC-ECHO

Über Sven Wagenknecht

Sven WagenknechtSven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

Bildquellen

Ähnliche Artikel

Ernst & Young: Neuer ICO-Report

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat ein Update zur ihrer ICO-Analyse aus 2017 veröffentlicht. Im diesjährigen Report haben sie die Fortschritte und Rendite der 372 ICOs analysiert. Das Fazit ist – bescheiden. Die positivste Entwicklung zeigt das ICO-Investmentvolumen. Dieses ist bereits im ersten Halbjahr höher als das Gesamtvolumen 2017. Im Gegensatz dazu ist die Rendite […]

USA: Rasantes Wachstum bei Blockchain-Jobs

Die Blockchain-Technologie sorgt in den USA für immer mehr Arbeitsplätze. Trotz des Bärenjahres 2018 hat sich die Zahl der Job-Angebote von US-amerikanischen Blockchain-Unternehmen um 300 Prozent erhöht.  Während sich der Krypto-Markt um Bitcoin & Co. derzeit bestenfalls im Seitwärtsgang bewegt, können blockchainbezogene Berufe in den USA und anderswo ein deutliches Wachstum verbuchen. Zu diesem Ergebnis […]

Krypto-Hacks: Lazarus Group soll 571 Mio. US-Dollar erbeutet haben

Nach Angaben der russischen IT Security-Firma Group-IB gelang es Hackern der Lazarus Group seit Anfang 2017, Vermögen aus Krypto-Börsen im Gesamtwert von 571 Millionen US-Dollar zu entwenden. Die Angriffe werden der nordkoreanischen Regierung zugeordnet. Laut dem Jahresbericht  „Hi-Tech Crime Trends 2018“ des Moskauer IT-Security-Unternehmens Group-IB ist Lazarus offenbar die erfolgreichste Hackergruppierung, wenn es darum geht, die […]

Vor Börsengang: US-Strafzölle erfassen Bitmain

Als wenn der Bärenmarkt nicht genug wäre, machen nun auch die Strafzölle der US-amerikanischen Regierung den chinesischen Krypto-Mining-Herstellern das Leben schwer. Die „Trump tariffs“ getauften Zölle belaufen sich auf 25 Prozent und betreffen aktuell 800 chinesische Produkte. Unter den chinesischen Krypto-Mining-Herstellern Bitmain, Canaan und Ebang trifft diese Regelung den Branchenführer Bitmain am stärksten. Für Bitmain […]