Stacks, Babylon und Co. 

Bitcoin-DeFi im Faktencheck: Diese BTC-Projekte sind noch relevant

Stacks legt zeitweise um 60 Prozent zu, Babylon bindet Milliarden im Bitcoin-Staking, BitVM verspricht bessere Bridges. Doch welche Bitcoin-DeFi-Projekte werden wirklich genutzt?

Timur Yildiz
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Bitcoin-DeFi Illustration mit goldenem Bitcoin und digitalem Netzwerk auf blauem Hintergrund

Beitragsbild: Shutterstock

| Bitcoin-DeFi ist noch klein, doch Stacks, Babylon und BitVM bringen neue Bewegung in den BTCFi-Sektor

Seit Anfang Mai rückte das Thema Bitcoin-DeFi wieder stärker in den Markt. Stacks (STX) legte zeitweise an einem Tag um über 60 Prozent zu. Ein möglicher Auslöser ist die kürzlich veröffentlichte Roadmap von Stacks für 2026. Dort verspricht Stacks, dass Bitcoin-Halter ihre BTC künftig produktiver nutzen können, etwa für Rendite, Kredite und weitere DeFi-Anwedungen, ohne die Verwahrung ihrer Bitcoin an Dritte abzugeben. Die Roadmap nennt dafür unter anderem Bitcoin Staking, Lending, Trading und programmierbares Kapital. Außerdem verweist Stacks auf Netzwerk-Upgrades, darunter eine 30-fache Steigerung der DeFi-Kapazität. Seit Launch seien zudem mehr als 500 Millionen US-Dollar an BTC-Rewards ausgeschüttet worden.

Für Bitcoin-Bullen berührt das einen wunden Punkt. BTC ist das größte Asset am Krypto-Markt, bleibt in den meisten Wallets aber passiv. Rendite entsteht bislang vor allem auf Ethereum, Solana, Base oder über zentrale Anbieter. BTCFi verspricht, diese Lücke zu schließen, doch wo gibt es echte Nutzung?

Bitcoin-DeFi ist kein neues Thema

Rootstock läuft seit 2018 als Bitcoin-Sidechain mit EVM-kompatiblen Smart Contracts. Stacks reicht in die Blockstack-Ära zurück. Frühe Finanzierungsrunden fanden bereits 2014 statt. Ordinals und BRC-20-Token haben das Bitcoin-App-Narrativ Anfang 2023 zusätzlich geöffnet. Sie sind aber eher Teil der Token- und Sammlerwelle von NFTs, als klassische DeFi-Infrastruktur.

Stacks ist aktuell einer der sichtbarsten Kandidaten, weil Narrativ, Token und Nutzung zusammenkommen. Das Netzwerk bringt Smart Contracts in die Nähe von Bitcoin, arbeitet mit sBTC an einem Bitcoin-gebundenen Asset für DeFi-Anwendungen und erlaubt STX‑Haltern, über das sogenannte Stacking Bitcoin-Rewards mit einer APY von 10 Prozent zu erhalten.

Die Onchain-Daten zeigen allerdings: BTCFi ist noch weit von den großen DeFi-Ökosystemen entfernt. Stacks kommt auf 126,42 Millionen US-Dollar DeFi-TVL, 23,24 Millionen US-Dollar Stablecoin-Marktkapitalisierung und 4,38 Millionen US-Dollar DEX-Volumen in 24 Stunden. Das ist messbare Aktivität, aber noch weit niedriger als bei vielen Layer-1s.

Rootstock ist das Urgestein unter den Bitcoin-DeFi-Projekten. Die Sidechain kommt auf 120,21 Millionen US-Dollar DeFi-TVL, 13,15 Millionen US-Dollar Stablecoin-Marktkapitalisierung und 493.112 US-Dollar DEX-Volumen in 24 Stunden. Der Infrastruktur-Veteran ist EVM-kompatibel und wird per Merge-Mining von Bitcoin-Minern abgesichert.

Babylon bindet die meisten Bitcoin

Babylon ist kein klassisches Layer-2 für Trading oder Lending, sondern ein Bitcoin-Staking-Protokoll. Babylon selbst weist aktuell 51.777 gestakte BTC im Gegenwert von rund 4,2 Milliarden US-Dollar aus. Babylon beschreibt seinen Ansatz als Infrastruktur für natives Bitcoin-Kollateral. Nutzer sollen Bitcoin direkt staken können, ohne Wrapping, Pegging oder Bridging.

Babylon ist damit einer der größten Kapitalanker im BTCFi-Sektor, doch das Protokoll ist keine klassische DeFi-Chain. Doch Babylon zeigt, wie groß die Nachfrage nach produktivem Bitcoin-Kapital ist.

Kann BitVM Bitcoins Bridge-Problem lösen?

BitVM ist zwar kein eigenes Netzwerk und kein fertiges DeFi-Ökosystem, der Ansatz könnte aber ein zentrales Problem klassischer Bridges entschärfen. Nutzer müssten sich weniger stark auf feste Signierer, Verwahrer oder Validatoren verlassen, weil bestimmte Vorgänge über Bitcoin überprüfbar werden sollen.

BitcoinOS greift diesen Gedanken mit Grail auf. Assets sollen zwischen Bitcoin und anderen Smart-Contract-Umgebungen mit möglichst wenigen Vertrauensannahmen bewegt werden. Auf der eigenen Website nennt BitcoinOS aktuell Testnet-Unterstützung für Ethereum Holesky, Merlin Testnet, Mode Sepolia und Base Sepolia. Zudem gibt es seit Oktober 2024 eine angekündigte Zusammenarbeit mit EMURGO, um die Grail Bridge in das Cardano-Ökosystem zu integrieren.

Noch ist das kein Beweis für eine breite Nutzung, doch BitVM und BitcoinOS könnten Bitcoin-DeFi sicherer und flexibler machen. Sie machen bestehende Ökosysteme wie Stacks, Rootstock oder Babylon aber nicht automatisch überflüssig.

Welche BTCFi-Wette bleibt für Anleger?

Der BTCFi-Faktencheck zeigt: Die Unterschiede im Bitcoin-DeFi-Sektor sind größer, als das gemeinsame Label vermuten lässt. Stacks liefert aktuell die sichtbarste Kombination aus Roadmap, handelbarem Token und messbarer Aktivität. Rootstock bleibt der ältere Infrastruktur-Veteran, Babylon bindet mit Abstand das meiste Bitcoin-Kapital, ist aber keine klassische DeFi-Chain. Merlin und Bitlayer zeigen dagegen, warum man bei hohen Bridge- oder Layer-2-Versprechen genauer hinsehen sollte.

Die entscheidende Frage besteht darin, ob Bitcoin tatsächlich sicher, liquide und mit echter Nachfrage genutzt werden kann. Bis dahin bleibt BTC für viele Anleger vor allem digitales Gold und damit die Basiswette. STX, BABY, MERL und andere BTCFi-Token sind spekulativere Wetten darauf, dass Bitcoin-Kapital künftig nicht nur gehalten, sondern produktiv eingesetzt wird.

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