Studie: 54 Prozent der Gelder sind in erfolgreiche ICOs geflossen

Christopher Klee

von Christopher Klee

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Quelle: Good vs Evil via Shutterstock

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Über die Hälfte aller per ICO gesammelten Gelder sind laut einer Studie der Satis Group in erfolgreiche Projekte geflossen. Insgesamt soll es sich bei fast 80 Prozent der ICOs um ausgemachte Betrügereien handeln.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2019 02:07 Uhr von Andre Winterberg

Auf den ersten Blick wirkt der Report der US-amerikanischen ICO-Beraterfirma Satis Group widersprüchlich: Etwa 78 Prozent der ICOs wurden als Scams identifiziert, jedoch wurden insgesamt 54 Prozent der Gelder in erfolgreiche Projekte gesteckt. Dabei untermauern die Zahlen lediglich, was die Spatzen schon seit Langem von den Dächern pfeifen: ICOs prinzipiell ja, aber: DO YOUR OWN RESEARCH.
Den Report hat die Nachrichtenagentur Bloomberg vergangene Woche veröffentlicht. Er bildet den zweiten Part einer fünfteiligen Serie zur Krypto-Ökononomie, die ihren Anfang am 28. Juni fand. Während im ersten Teil die technische Grundlagen im Mittelpunkt standen, liegt der Fokus im zweiten Teil auf dem Thema Netzwerkerstellung. So wurden von den Analysten neben den Themen Smart Contracts, Netzwerkstrukturen und ICO-Markt auch die Qualität von ICOs beleuchtet.

Scams dominieren in der Anzahl

Die Satis Group nahm dazu Projekte des vergangenen Jahres unter die Lupe und ordnete sie folgenden Kategorien zu:

  1. Identifizierter Betrug
  2. Gescheitert
  3. Totgelaufenes Projekt
  4. Erfolgreich
  5. Vielversprechend
  6. Schrumpfend

Dabei beziehen sich die ersten drei Kategorien auf das Pre-Trading, die Punkte vier bis sechs auf das Trading selbst. Um als Scam klassifiziert zu werden, musste einem Projekt nachweislich die Intention abgehen, seinen Teil des Deals zu erfüllen. Ein weiterer Indikator für einen Scam war die Häufung entsprechender Vorwürfe seitens der Krypto-Community in einschlägigen Foren und anderen Online-Informationsquellen. Insgesamt attestierten die Analysten satten 78 Prozent der ICOs, diese Kriterien zu erfüllen.

Zu den erfolgreichen Projekten zählt die Studie indes jene, die es nach erfolgreichem Funding auf eine Exchange geschafft haben. Außerdem mussten sie folgende drei elementare Aspekte auf sich vereinen:

  1. Einsatz (wenigstens Test- oder Betaphase) einer Blockchain oder eines verteilten Ledgers bzw. eines Produktes oder einer Plattform, wenn es sich um eine App oder einen Utility Token handelt.
  2. Das Projekt hat eine transparente Roadmap vorgelegt
  3. Es mussten auf Github mindestens drei Monate lang erkennbar Beiträge zum Quellcode eines Projektes verzeichnet worden sein

Lediglich fünfzehn Prozent der Projekte stufte die Satis Group als „erfolgreich“ ein. Von diesen erfüllen nur 7 Prozent alle drei der oben genannten Kriterien. Drei Prozent erfüllen nur zwei der Punkte und fallen deshalb in die Kategorie „vielversprechend“.  Erfüllte ein Projekt trotz erfolgreichem Börsengang nur einen oder weniger der Erfolgskriterien, stuften es die Analysten als „schrumpfend“ („dwindling“) ein. Das betraf rund 4 Prozent der ICOs.

Ehrliche ICOs erhalten mehr Geld

Der Anteil der Scams an der Gesamtzahl der Projekte mag mit 78 Prozent verhältnismäßig hoch sein, dürfte aber wenige wirklich überraschen. Ebenso wenig repräsentiert er das Gesamtkapital, das bisher in ICOs investiert wurde. Dieses beträgt rund 12 Milliarden US-Dollar beziehungsweise ca. 10,2 Milliarden Euro. Lediglich ein Zehntel davon steckten Investoren in betrügerische Projekte. Dazu muss man bedenken, dass allein die Scams von Pincoin und Arisebank ein Schadensvolumen von rund 1,2 Milliarden US-Dollar verursachten. Mit acht Milliarden US-Dollar floss das Gros (nämlich 54 Prozent) des Investitionskapitals in erfolgreiche ICOs.

So abschreckend der Anteil an Scams zunächst auch erscheinen mag, der Blick auf die Gesamtkapitalisierung der ICOs stimmt optimistisch. Nach wie vor gilt für Investoren das Gebot der Due Diligance, gerade bei so risikobehafteten Projekten wie ICOs. Je gründlicher die eigene Nachforschung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, ein weißes Schaf unter den ICOs zu finden.

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