Schluss mit Privatsphäre: Wie Google und US-Börsenaufsicht SEC Blockchains durchleuchten

Quelle: Shutterstock

Schluss mit Privatsphäre: Wie Google und US-Börsenaufsicht SEC Blockchains durchleuchten

Mit dem Bekanntwerden von Bitcoin in der Öffentlichkeit entstand auch das Narrativ von der vermeintlich anonymen Darknet-Währung. Zwar hat sich inzwischen verbreitet, dass Bitcoin nicht anonym, sondern pseudonym ist, das Image bleibt dennoch angeschlagen. Die US-Börsenaufsicht SEC sowie der Internetkonzern Google möchten nun mithilfe von Analysesoftware die Blockchains von Bitcoin & Co. näher durchleuchten. Über ihre Motivation und die Implikationen für den Krypto-Sektor.

Aus nachvollziehbaren Gründen ist es Behörden ein Dorn im Auge, wenn sie keine umfassenden Information zu den stattfindenden Transaktionen im Krypto-Bereich haben. Aber nicht nur Behörden, sondern auch Internetkonzerne wie Google haben ein Interesse daran, so viel wie möglich zu erfahren. Wenn Google jeden unserer Schritte im Internet kennt, warum dann nicht auch jede Transaktion auf der Blockchain, die wir tätigen? Das erfolgreiche Sammeln von Informationen bzw. Daten sowie deren Auswertung entscheidet über Erfolg und Niederlage im 21. Jahrhundert – dies gilt für Staaten wie für Unternehmen.

Daten sind King

Während es Behörden wie der US-Börsenaufsicht vor allem um Sicherheit und Kontrolle geht, steht für Unternehmen der Plattformökonomie der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund. Wenn mich Google als Internetnutzer gut kennt, kann mir besonders personalisierte Werbung eingeblendet werden. Je mehr Google weiß, desto besser funktioniert der Werbe-Algorithmus und desto mehr Umsatz macht der Suchmaschinenanbieter. Angenommen Google wüsste auch, welche Spuren wir auf einer Blockchain hinterlassen und welche Dienstleistungen wir mit Kryptowährungen bezahlen, dann wäre auch das eine ökonomisch wichtige Information, um unter anderem unser Konsumverhalten gewinnbringend auszuwerten.

Kurz um: Ein absoluter Widerspruch zum eigentlichen Blockchain-Narrativ. Schließlich ist die Blockchain-Technologie dazu angetreten, die zentralisierte Herrschaft der Datenkraken zu unterminieren und die Daten der Nutzer zu re-dezentralisieren.

SEC: Bald Innovation Hub für Blockchain-Überwachungstools?

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

So möchte die US-Börsenaufsicht SEC Transaktionen der am weitesten verbreiteten Krypto-Ledger strenger überwachen. Dazu soll ein Programm entwickelt werden, das die Daten aus der Blockchain ausliest und die Auswertung erleichtert. Deshalb hat die SEC einen Aufruf gestartet: Firmen aus der Blockchain-Industrie können sich noch bis zum 14. Februar 2019 mit einem entsprechenden Überwachungstool bewerben.

Ziel der Überwachung sei es, „Risiken zu überwachen, die Einhaltung der geltenden Vorschriften sicherzustellen und Handlungsempfehlungen für den Umgang mit digitalen Assets abzuleiten.“ Eine Zielsetzung, die sicherlich alle Regulierungsbehörden auf der ganzen Welt teilen dürften.

Nicht nur für Steuerhinterzieher und Kriminelle wird die Luft dünner, sondern auch für all jene, denen Privatsphäre wichtig ist. Allerdings bleibt zu bezweifeln, dass Kriminelle überhaupt noch große Summen via Bitcoin transferieren. Hier dürften Privacy-Kryptowährungen wie Monero stärker nachgefragt werden. Genau hier zeigt sich aber auch der begrenzte Erfolg von etwaigen Überwachungsmaßnahmen. Wenn Bitcoin-Transaktionen noch besser ausgewertet und zurückverfolgt werden können, finden Ausweichbewegungen zu anderen, anonymeren Kryptowährungen statt. Das Problem wäre damit also auch nicht gelöst.

Positives Signal für Bitcoin ETF

Wenn Behörden mehr Informationen über das Geschehen auf der Blockchain haben, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie bereit sind, den Zulassungsanträgen für Krypto-Finanzprodukte stattzugeben. Einer der Hauptgründe für die Ablehnung der Bitcoin ETFs war der hohe Grad an Manipulation im Krypto-Markt. Zwar lösen die Überwachungstools nicht per se das Problem der Börsenmanipulation bzw. das Fehlen von voll regulierten Krypto-Börsen, aber sie helfen dabei, den Krypto-Markt besser zu verstehen und Akteure zu identifizieren.

Auch wenn viele Krypto-Enthusiasten keine Fans von staatlicher Überwachung sind, für Befürworter einer regulierten Krypto-Finanzmarktadaption sind solche Vorstöße positiv zu bewerten.

Mit Googles Blockchain ETL Krypto-Bots auf der Spur

Um die Manipulation im Krypto-Bereich besser aufzudecken, hat der Google-Datenanalyst Allen Day, ein Tool namens Blockchain ETL entwickelt. Mithilfe dieses Tools sei er auf „autonome Agenten“ – vornehmlich Bots – aufmerksam geworden, die untereinander einzelne Einheiten von Kryptowährungen hin- und herschieben. Die naheliegende Vermutung, die man dem Bericht weiter entnehmen kann: Die Agenten manipulieren (etwa „im Auftrag“ von Krypto-Börsen) die Kurse der einzelnen Kryptowährungen.

Eine sicherlich spannende und sinnvolle Anwendung. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn Blockchain-Analyse-Tools ausgerechnet von Google kommen.

Jetzt in Kryptowährungen investieren: Kryptowährungen kaufen, verkaufen oder traden – wir haben die besten Broker, Börsen und Zertifikate zusammengestellt: Bitcoin kaufen | Ether kaufen | Ripple kaufen | IOTA kaufen | Broker-Vergleich

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Facebook-Coin: Wird die Marktkapitalisierung von Libra über der von Bitcoin liegen?
Facebook-Coin: Wird die Marktkapitalisierung von Libra über der von Bitcoin liegen?
Kommentar

In diesem Gastartikel erläutern Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center an der Frankfurt School of Finance & Management, sowie seine wissenschaftlichen Mitarbeiter Jonas Groß und Felix Bekemeier, welche Marktkapitalisierung von dem Facebook-Coin Libra erreicht werden kann. Warum Libra höher bewertet sein kann als Bitcoin und welche Rolle hierbei Staatsanleihen spielen.

PwC lanciert Audit-Lösung für Kryptowährungen
PwC lanciert Audit-Lösung für Kryptowährungen
Sicherheit

Die „Big Four“-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC entwickelt eine Softwarelösung für das Kryptowährungs-Auditing. Das neue Tool namens Halo bietet eine Verifizierung von Krypto-Vermögenswerten an. Laut PwC findet die Anwendung des Audit-Tools bereits statt. Seine Einsatzfähigkeit hängt jedoch von kundenspezifischen Kontrollanforderungen ab. Auch werden bis jetzt nur acht Kryptowährungen unterstützt.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    Blockchain-Projekt für Lebensmittelsicherheit: Walmart kooperiert mit VeChain
    Blockchain-Projekt für Lebensmittelsicherheit: Walmart kooperiert mit VeChain
    Blockchain

    VeChain arbeitet offenbar mit Walmart an einem Projekt zur Rückverfolgung von Lebensmitteln. Das Blockchain-Unternehmen mit Sitz in Singapur bietet damit einen Blockhain-Anwendungsfall mit großem Potenzial. Der Preis des VeChain-Coins (VET) ging schlagartig in die Höhe, nachdem die Nachricht durchgesickert war.

    Malta führt Blockchain-Pflicht bei Mietverträgen ein
    Malta führt Blockchain-Pflicht bei Mietverträgen ein
    Politik

    Der maltesische Fortschritt in Sachen Krypto-Adaption erreicht eine neue Stufe. In Zukunft müssen die Bürger alle Mietverträge auf einer Blockchain registrieren. Laut Premierminister Joseph Muscat hat dies vor allem Sicherheitsgründe.

    TenX-Updates und AMA: Viel Wind um nichts
    TenX-Updates und AMA: Viel Wind um nichts
    Szene

    TenX-CEO Tobias Hoenisch stellt sich in einem sogenannten AMA (ask me anything, etwa „frag mich irgendetwas“) Fragen der Community. Zwischen PR-Sprech und Appeasement wird klar: Das Start-up aus Singapur steht vor gewaltigen Herausforderungen.

    Wie man mit Stable-Coin-Arbitrage Gewinne generiert
    Wie man mit Stable-Coin-Arbitrage Gewinne generiert
    Sponsored

    Stable Coins wie USDT, PAX, TUSD, USDC oder DAI Maker gelten beim Bitcoin-Trading als sicherere Häfen. Die Stable-Coin-Arbitrage bietet zudem eine Möglichkeit, mit dem Handel der „stabilen Münzen“ Gewinne zu generieren.

    Angesagt

    TechCrunch-Gründer verkauft millionenschwere Immobilie über Blockchain
    Tech

    Die Blockchain-Technologie bringt frischen Wind in den Immobilienhandel. Auch Häuser können nun mithilfe von Distributed Ledger den Besitzer wechseln. Jüngst machte auch der Gründer der Newsseite TechCrunch von dieser Möglichkeit Gebrauch.

    Fisco: Japanische Finanzbehörde FSA straft Bitcoin-Börse ab
    Regulierung

    Japans Finanzbehörde FSA übt Kritik an Fisco. Bei Fisco handelt es sich um die Betreibergesellschaft der Bitcoin-Börse Zaif, die im September 2018 Ziel eines Hacking-Angriffs wurde. In einem Bericht ist die Rede von fehlender regulatorischer Compliance.

    Zcash-Update soll Skalierung deutlich verbessern
    Altcoins

    Der Privacy Coin Zcash hat eine Lösung für die Skalierbarkeit angekündigt. Mit einem Sharding-Protokoll inklusive neuer Blockchain soll die Welt künftig bezahlen können.

    Bitcoin-Regulierung: Die Forderungen der FATF
    Regulierung

    Das Thema Bitcoin-Regulierung wird auf internationaler Ebene konkreter. Die Anti-Geldwäsche-Organisation Financial Action Task Force (FATF) sieht vor, dass Krypto-Exchanges Transaktionsinformationen über Empfänger und Absender speichern und bei Bedarf offenlegen sollen. Die neuen Richtlinien sollen sowohl Anbieter von Krypto-Services als auch Regierungen in die Pflicht nehmen.

    ×

    Du bist Anfänger und möchtest einfach in Bitcoin & Krypto investieren? Wir empfehlen eToro!

    CFDs sind komplexe Instrumente und bergen ein hohes Risiko. 66% der Konten von Privatanlegern verlieren Geld, wenn sie CFDs von diesem Anbieter handeln.