Sammelklage gegen Ripple Labs eingereicht

Ripple

Ein Anwalt aus San Diego hat kürzlich im Namen eines Investors Klage gegen den Betreiber von Ripple eingereicht. An der Sammelklage wegen der strittigen Verletzung des bundesstaatlichen Wertpapiergesetzes der USA haben sich bis jetzt zehn weitere Parteien beteiligt. Die Klageschrift behauptet, der XRP sei ein Wertpapier und keine Währung. Außerdem habe Ripple Labs angeblich versucht, den Handelsplatz Coinbase zu bestechen, um dort gehandelt zu werden.



Wie man dem Forum Reddit entnehmen kann, haben in den letzten Tagen mehrere Anleger eine Klage gegen Ripple eingereicht. Rechtsanwalt James Taylor reichte die Klage für Ryan Coffey im Namen aller Investoren ein, die die Kryptowährung Ripple (XRP) käuflich erworben haben. Kläger Coffey fühlt sich von der Ripple Labs Inc. betrogen. Nach seiner Meinung habe das Unternehmen im Jahr 2013 neue Coins aus nichts als „dünner Luft“ entstehen lassen. Der nicht bei der Börsenaufsichtsbehörde SEC registrierte Verkauf neuer Coins habe dem Unternehmen mehrere hundert Millionen US-Dollar in die Kassen gespült, heißt es in der Klageschrift. Anders als bei Bitcoin oder Ethereum wird der XRP nicht durch das klassische Mining erzeugt. Die Kläger sprechen deshalb von einem „never ending ICO“. In der Klage wird zudem ausgeführt, man habe versucht, die Betreiber der Online-Börse Coinbase zu bestechen, damit diese den XRP bei sich aufnehmen.

Ripple: Kryptowährung oder eine nie endende Geldsammlung?

Der strittige Punkt dabei ist, ob man den Ripple (XRP) als reine Kryptowährung oder als Security (Wertpapier) betrachtet, weil dabei eben kein Mining stattfindet. Wertpapiere wie Token aus ICOs fallen unter das in allen Bundesstaaten geltende Wertpapiergesetz der USA. Reine Tauschmittel wie der Bitcoin fallen nach Ansicht des SEC-Vorsitzenden Jay Clayton nicht darunter. Allerdings ist auch Clayton der Meinung, dass der Ripple ein Wertpapier darstellt. Die Erschaffer von Ripple erzeugten das Netzwerk mit 100 Milliarden XRP und übertrugen 80 Milliarden XRP an die gewinnorientierte Betreibergesellschaft. Diese besitzt bis heute über die Hälfte der Coins, die in einem Escrow gelagert sind.

Der Pressesprecher von Ripple sagte gegenüber Coindesk, dass man aufgrund des Tweets des Anwalts von der Klage erfahren habe. Dem Unternehmen liegen noch keine Unterlagen vor, die man kommentieren könne. Ob der XRP ein Geldmittel oder eine Wertanlage sei, müsse zu gegebener Zeit die SEC beurteilen. Ripple Labs glaubt fest daran, dass es sich dabei um ein digitales Tauschmittel und nicht um ein Security (Wertpapier) handelt.

SEC muss Machtwort sprechen

Die Klage der elf Parteien dürfte noch spannend werden. Die United States Securities and Exchange Commission (SEC) muss nämlich abschließend klären, ob es sich beim Ripple um ein Wertpapier oder um eine reguläre Kryptowährung handelt. Die Kommentare bei Reddit fallen wie üblich höchst sarkastisch aus. Man könne das Unternehmen nicht dafür haftbar machen, dass der Wert ihres Coins nicht zum Mond geflogen sei. Wer in Kryptowährungen investiert, müsse sich unabhängig vom Coin bewusst sein, dass die Kurse seit jeher teils extremen Schwankungen unterliegen. Im Nachhinein vor Gericht Kasse machen zu wollen, sei für Investoren zumindest nicht der richtige Weg.

Zusätzlich stimmt es bedenklich, wenn frustrierte Investoren nun zum wiederholten Mal den Rechtsweg einschlagen: Vor knapp einem Monat wollte man mithilfe einer Klage von dem Developer-Team hinter Nano eine Hard Fork einfordern. Derartige Gerichtsbeschlüsse bergen das Risiko in sich, dass aus dezentralen Systemen durch den Arm des Gesetzes doch wieder zentrale Entitäten werden. In einer Kolumne stellte BTC-ECHO dar, dass bei jüngeren Kryptowährungen ein Trend zu zentralisierteren Ökosystemen besteht. Diese jüngsten Gerichtsverfahren sollten für Entwicklungsteams hinter Kryptowährungen ein Warnschuss sein, um beispielsweise bezüglich Partnerschaften oder hinsichtlich der Entwicklung sich deutlich dezentraler aufzustellen.

BTC-ECHO

Über Lars Sobiraj

Lars SobirajLars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Außerdem bringt Lars Sobiraj seit 2014 an der Kölner Hochschule Fresenius Studenten für Sustainable Marketing & Leadership (M.A.) den Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken bei. Vor einiger Zeit erwuchs das Interesse am Thema Kryptowährungen, die glücklicherweise ohne die Kontrolle von Zentralbanken funktionieren. Sehr gerne möchte er seinen Teil dazu beitragen, dass Bitcoin & Co. nicht nur für reine Spekulanten von Interesse sind, sondern auch für die Frau und den Mann von nebenan.

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