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Was ist Ripple und XRP?

Ripple ist ein verteiltes Echtzeit-Protokoll für viele Arten von Payments jeglicher Art. Wir erklären, welche Rolle das Projekt, dass sich selbst „Internet of Value“ nennt, für Zahlungsdienstleister, Banken und Endkunden hat.

Ripple: Kein weiterer Bitcoin

Zunächst kann man Ripple klar als Enterprise-Projekt klassifizieren und damit deutlich von Bitcoin abgrenzen. Während letztere Währung von den Endkunden selbst zum Zahlungstransfer genutzt wird, ist Ripple eine Technologie, die im Hintergrund läuft – Nutzer selbst merken also nicht zwingend, dass sie Ripple indirekt nutzen. Stattdessen richtet sich das Projekt an große Institutionen wie Zahlungsdienstleister, Finanzinstitutionen und Banken.

Über das Netzwerk kann jede Art von Werten übertragen werden. Fest im Protokoll enthalten ist auch eine Komponente, die den Umtausch verschiedener Währungen erlaubt. Die Universalität des Protokolls erlaubt es beispielsweise sogar, Airline-Bonusmeilen in Bitcoin zu tauschen, also weitaus mehr als nur Kryptowährungen an sich. Jeder Netzwerk-Teilnehmer kann Gebote oder Angebote abgeben, Ripple routet diese Anfragen anschließend so im Netzwerk, dass ein möglichst kostengünstiger Exchange stattfindet.

Zahlungsabwicklungen im Enterprise-Kontext

Ripple bringt eine besondere Infrastruktur mit sich, die es erlaubt, 1.500 Transaktionen pro Sekunde durchzuführen. Damit liegt die Transaktionskapazität, die vom Netzwerk verarbeitet werden kann, deutlich höher als bspw. die des Bitcoin und vielen anderen bekannten Blockchain-Projekten.

Die Technologie hinter Ripple

Wie bereits erwähnt, ist es im Ripple-Netzwerk möglich, Währungen verschiedener Arten zu tauschen. Diese Funktionalität ist per Default eingebaut.

Um solch eine Transaktion durchzuführen, bedarf es jedoch Vertrauen zwischen den Parteien. Wenn Bob Bitcoin an Alice senden möchte, muss er nicht zwingend Bitcoin besitzen, sondern kann die Transaktion auch in US-Dollar durchführen. Dazu kommt eine weitere Partei, das Gateway ins Spiel, dass diese Vertrauensrolle zwischen Alice und Bob übernimmt.

Um zu verstehen, wie ein solches Gateway funktioniert, sehen wir uns im folgenden einfache Transaktionen auf Euro-Basis an. Das Gateway kann man sich ebenfalls als eine Person vorstellen, die ein Intermediär zwischen Sender und Empfänger ist.

  1. Eine übliche Transaktion

Wir nehmen an, dass Bob 100€ an Jonas senden möchte. Die Transaktion sieht von außen also wie „üblich“ aus, das heißt, dass Bob die 100€ direkt an Jonas sendet.

  1. Transaktion mit Intermediären

Nehmen wir nun an, dass sowohl Empfänger, als auch Sender, einen Agenten besitzen. Dieser übernimmt den Transfer. Das bedeutet, dass Bob das Geld nicht direkt an Jonas sendet, sondern es an seine Agentin Kate gibt, die für den Transfer verantwortlich ist.

Ebenso erhält Jonas sein Geld nicht direkt von Bob’s Agentin, sondern gleichermaßen über seine Agentin Alice.

Das bedeutet also, dass auch zwischen den Agenten Verbindlichkeiten entstehen. Denn nicht Bob, sondern Kate schuldet Alice das Geld. Alice gibt das Geld für Jonas frei und am Ende der Transaktion entsteht eine Verbindlichkeit, sodass Kate Alice die 100€ schuldet.

  1. Mehrere Transaktionen im Netzwerk

Gehen wir nun einen Schritt weiter und zur letzten Erweiterung unseres Beispiels. Wir nehmen an, dass im Netzwerk zwei Transaktionen stattfinden:

Erstens, die Transaktion i.H.v. 100€ von Bob an Jonas. Diese Transaktion findet über die Agenten Kate -> Alice (siehe Transaktion 1) im Bild) statt.

Zweitens, die Transaktion i.H.v. 100€ von Ela an Anna (grafisch gesehen in die entgegengesetzte Richtung der ersten Transaktion). Diese Transaktion findet über die Agenten Alice -> Kate (siehe Transaktion 1) im Bild) statt.

Das bedeutet im Endeffekt, dass die Schuldenbilanz sich zwischen den einzelnen Gateways wieder ausgleicht.

Das hier verwendete Beispiel ist selbstverständlich sehr stark simplifiziert und der technische Prozess hinter einer Ripple-Transaktion weitaus komplizierter, dennoch zeigt er das Zusammenwirken der einzelnen Gateways.

Wird eine Transaktion durchgeführt, die einen Währungswechsel erfordert, können wie hier einfach mehrere Gateways hintereinandergeschaltet werden, die den Umtausch übernehmen und Sender und Empfänger miteinander verbinden. Dadurch kann Alice schließlich US-Dollar verschicken, auch wenn er wünscht, dass bei Alice Bitcoin ankommen. Die Aufgabe des Ripple-Netzwerkes ist es, diese Anfragen möglichst günstig durch das Netzwerk zu routen. Nutzer zahlen für die Durchführung der Transaktionen eine Gebühr, die aber von niemandem konkret eingesammelt wird. Stattdessen werden die XRP-Token vernichtet – diese Kosten für jede Art von Transaktionen sollen Netzwerk-Spam verhindern.

Die Ripple-Governance

Zwar gilt XRP als das Token des Projekts, das auch die Rolle der Währngswechsel übernimmt. Auch ist das Projekt an sich dezentral angelegt und nutzt dezentrale Technologien, um die Transaktionen durchzuführen.

Nichtsdestotrotz gibt es harsche Kritik am Modell von Ripple, da der Großteil der Token in den Händen des Ripple-Teams liegt. Insgesamt gibt es 100 Milliarden Token, von denen 61,4 Milliarden Mitgliedern des Teams gehören. De facto besitzt dieses also sogar die absolute Mehrheit der Token – ein Grund für viele Blockchain-Experten, Ripple nicht als wirklich dezentrales Projekt zu benennen.

Spürbar ist, dass das Team versucht, an einer Lösung für die Zentralisierungsproblematik zu arbeiten. Im Mai 2017 wurde eine Dezentralisierungsstrategie veröffentlicht. Im Juli 2017 gab man bekannt, die Anzahl an Validators für die XRP Ledger (auf insgesamt 55) zu erhöhen. Die Anzahl an Nodes, die von Ripple selbst betrieben werden, soll gleichzeitig gesenkt werden.

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