Partnerschaften, DYOR und was es für Dezentralität braucht
DYOR, Partnerschaften, DYOR und was es für Dezentralität braucht

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Partnerschaften, DYOR und was es für Dezentralität braucht

Seit einiger Zeit ist es Trend, dass große Partnerschaften um Kryptowährungen verkündet werden. Zweifler, die diese in Frage stellen, werden als FUD-Verbreiter bezeichnet und zu eigenen Untersuchungen ermahnt. Doch dieses Einfordern von DYOR (Do Your Own Research) geht uns zugunsten der Dezentralität alle an.

Eine Kolumne von Dr. Philipp Giese

War 2017 das Jahr der ICOs, droht 2018 das Jahr der angekündigten Partnerschaften zu werden. Gerade jüngere Kryptowährungen werden nicht müde, Partnerschaften mit riesigen Partnern zu verkünden. Dies ist nicht nur bezüglich des Shilling-Charakters eine negative Entwicklung.

„Die Welt hat sich weitergedreht“, wie Roland der Revolvermann sagen würde. Im Jahr 2017 wurde ein ICO veranstaltet, um für ein schickes White Paper a millino Bucks zu erhalten. Projekte konnten so innerhalb von Minuten deutlich mehr als die notwendige Summe akquirieren.

Partnerschaften, DYOR und was es für Dezentralität braucht

2018 ist anders: Behörden rund um den Globus haben sich im Guten wie im Schlechten dem Phänomen ICO angenommen. In den Vereinigten Staaten gelten ICOs als Securities, auch hier in Deutschland sind die Regeln strenger geworden. Zusätzlich sind die Investoren durch die Schwemme an ICOs übersättigt und entsprechend kritisch.

Schließlich wartet die Investoren-Community auf den Launch von Projekten, welche im letzten Jahr Förderungen erhielten. Sofern sich dort nichts tut, fällt der Kurs der emittierten Token und der Unmut der Community steigt. Dieses Problem kennt man nicht nur bei ICOs, wie man an Verge oder Cardano sehen kann.

Verständlich also, dass Projekte über den weiteren Verlauf ihres Projekts aufklären möchten. Testnet, Alpha-Version der Wallet, aktueller Projektstand, wichtige Meilensteine, alles wird geteilt. Natürlich auch Rebrands, Partnerschaften und Announcements selbst.

Announcements und Partnerschaften – Stolpersteine für Dezentralität

Hier kommt man oft vom Nachvollziehbaren ins Absurde. Wenn ein Projekt verkündet, dass es am nächsten Montag etwas Unglaubliches ankündigen will und Bagholder sich in Vermutungen überschlagen, ist man erstaunt, wie viel wundergläubiger der verzweifelte Bagholder im Vergleich mit einer frommen Betschwester sein kann.

Das Problem ist dabei nicht einfach das Shilling des eigenen Coins oder Tokens. Viel bedenklicher ist die Zentralisierung um ein kleines Entwicklerteam, die mit dieser Form von Partnerschaftsankündigungen einhergeht. Wenn alle Partnerschaften über ein einzelnes Projekt-Team laufen, ist nicht nur die Weiterentwicklung des Codes, sondern auch die Anwendung des Produkts auf das Entwicklerteam beschränkt. In einer kritischen Betrachtung sind wir auf diese Form der Zentralisierung bei Ripple eingegangen. Ähnliches lässt sich auf verschiedene andere Kryptowährungen, in denen primär die Entwickler über grandiose Partnerschaften reden, übertragen.

Viel gesünder ist es, wenn sich um eine Blockchain ein Ökosystem bildet. Hierfür existieren positive Beispiele: Bitcoin und Bitcoin Cash haben nicht nur Blockstream oder Roger Ver, sondern unterschiedliche Developer, welche an Wallets, Payment-Optionen und anderem arbeiten. So entsteht ein lebendiges Ökosystem, welches nicht nur auf das Entwicklerteam beschränkt ist.

Ein Projekt kann im Frühstadium noch nicht auf ein derartiges Ökosystem zurückgreifen. Es wäre jedoch zugunsten der Dezentralität wünschenswert, wenn man früh andere Projekt-Teams an Bord holt und weniger Fokus auf die „großen Partnerschaften“ und Ankündigungen legen würde.

DYOR gilt für alle

Doch die Dezentralität beginnt bei jedem Einzelnen. Wir sind die ersten großen Partner einer Kryptowährung. Wer also in eine Kryptowährung investiert, sollte sich diese genau anschauen und den Use-Case dahinter verstehen. Dieses kritische Untersuchen ist kein singulärer, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Leider wird diese kritische Haltung eher von anderen eingefordert: Wenn Kritiker nach Gründen fragen, warum ein Investment sinnvoll sei, liest man als Antwort DYOR – Do Your Own Research. Kritiker sollen „ihre eigenen Untersuchungen anstellen“. DYOR – c’est les autres, um es mit Sartre zu sagen.

Manchmal hilft die Übertragung auf normale Situationen, um Absurdes aufzuzeigen. DYOR auf Bedenken anderer zu äußern, klingt irgendwann seltsam („Philipp, nach allem, was passiert ist, wie kann ich Dir noch trauen?“ -„DYOR“). Spaß beiseite, DYOR ist kein Gegenargument oder Zauberwort, das jede Kritik erstickt.

DYOR, „kritisches“ oder „skeptisches“ Denken sind als allererstes ein Aufruf an einen selbst. Wie mit viele anderen Dingen im Leben sollte man immer mal wieder die eigene Position kritisch hinterfragen und untersuchen, warum man diese eingenommen hat.

Wie in der Forschung lebt DYOR vom Dialog mit der Community. Aus DYOR sollte entsprechend ein DASYOR – Do And Share Your Own Research – werden: Erkenntnisse über das eigene Investment, positive wie negative, sollte man teilen, statt diese für sich zu behalten und mit dem magischen Wort „DYOR“ Kritiker auszuhebeln.

Schließlich ist dieser Aspekt das Grandiose an den Kryptowährungen: Man hat es hier prinzipiell mit offenen Quellcodes und einer großen Transparenz zu tun. Es ist deshalb kein Vorwurf, sondern eher eine Einladung. Für mich stellt dieser Artikel eine Motivation dar, die „New coins on the block“-Reihe wieder fortzusetzen.

Lasst uns also alle im Geiste von DYOR diesen wichtigen Aspekt der Dezentralität leben!

BTC-ECHO

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