xRapid, xCurrent, xVia – Ein kritischer Blick auf Ripple und XRP

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xRapid, xCurrent, xVia – Ein kritischer Blick auf Ripple und XRP

Nach Ankündigung verschiedener Kooperationen erhoffen sich viele Investoren eine nachhaltige Steigerung des Ripple-Kurses (XRP). Auf der anderen Seite kritisieren viele Ripples mangelnde Dezentralität. BTC-ECHO hat daher einmal einen genaueren Blick auf Ripple geworfen. 

Ripple, der „Bitcoin der Banken“, ist innerhalb der Kryptoszene die wohl am kontroversesten diskutierte Kryptowährung. Gerade dieser Fokus auf Kooperationen mit Banken ist sowohl Investoren als auch Kritikern wichtig. Investoren versprechen sich eine beeindruckende Roadmap und durch Kooperationen mit Banken in Japan und Neubesetzungen wichtiger leitender Positionen einen großen Kursanstieg.

Diese positiven Aussichten nehmen in jüngster Zeit geradezu absurde Formen an – so geistert aktuell ein Artikel durch das Netz, der Ripple unterstellt, „größer als Bitcoin zu werden“. Dabei wird das inzwischen widerlegte Gerücht einer Listung von Ripple auf Coinbase aufgewärmt.

Was viele dieser Preisvorhersagen ignorieren, ist die Frage, ob die erwarteten/erhofften Ripple-Preise überhaupt realistisch sind. BTC-ECHO hat vor einigen Wochen diesen Punkt genauer betrachtet.

Dieser Artikel hat deshalb nicht zum Ziel, auf mögliche Preisentwicklungen einzugehen, sondern einen Blick hinter die Kulisse zu werfen. Zum ersten wird die Dezentralität von Ripple diskutiert, zum zweiten die Rolle von XRP innerhalb der Produktpalette von Ripple beleuchtet. Die Unterscheidung von XRP und Ripple ist bewusst gewählt: Ripple soll das Unternehmen, XRP die dem XRP-Ledger eigene Kryptowährung bezeichnen.

Ripple – dezentraler als gedacht

Wenn Krypto-Enthusiasten Ripple kritisieren, fällt schnell das Wort Dezentralität. Viele Kritiker werfen Ripple vor, dass die Kryptowährung XRP zentralisiert sei. Das Unternehmen Ripple Labs sowie die Verteidiger der Kryptowährung betonen jedoch, dass das System höchst dezentral sei. Jeder könnte einen Stock Server, also eine Ripple Node, aufsetzen, und das gesamte Netzwerk könne ohne Ripple Labs existieren.

Ähnliches lässt sich über die Rolle des Validators sagen, der am Konsens-Prozess beteiligt ist: Prinzipiell kann jeder einen derartigen Validator-Server eröffnen. Zu Beginn muss nicht jeder diesen Validator akzeptieren. Das führt zu einer vergleichsweise geringen Anzahl von 173 Validator-Nodes beziehungsweise zu 581 Nodes insgesamt. Zum Vergleich: Das Bitcoin-Netzwerk kann über 11.000 Nodes vorweisen.

Dennoch kann Ripple auf der Basis keine mangelnde Dezentralität vorgeworfen werden: Lediglich 8 % der gelisteten Validator-Nodes sind mit der Domain ripple.com verknüpft.

Schließlich ist die Software selbst Open Source. Geneigte Entwickler können den Source Code also betrachten und auch modifizieren. Ein Beispiel für letzteres ist Stellar, eine Kryptowährung auf der Codebase von Ripple.

Dennoch zentralisiert durch Kapitalverteilung und Partnerschaften

Jedoch ist das Kapital in den Händen von Ripple zentralisiert. Es stimmt zwar, dass die 55 Milliarden XRP in Besitz von Ripple in einem Escrow gespeichert sind, allerdings kann das Unternehmen jeden Monat über eine Milliarde XRP verfügen. Damit ist das Kapital in den Händen von Ripple zentralisiert.

Was den Ledger betrifft, müssen Kritiker zugeben: Prinzipiell kann dieser auch ohne Ripple existieren. Diese Betrachtung schließt jedoch aus, dass der Use-Case Ripples stark zentralisiert ist. All die Partnerschaften, die Ripple mit Money Gram, der Santander Bank und anderen Banken aufgebaut hat, wurden nicht von einem dezentralen Ledger oder einer kleinen Gruppe Entwickler basierend auf dem XRP-Ledger geschlossen. Die Use-Cases von Ripple bauen auf einem zentral verantwortlichen Partner auf, nämlich Ripple.

Deshalb benötigt Ripple auch die durch die XRP-Konzentration gegebene Kontrolle. Man sollte nie vergessen, dass Ripple nicht alleine mit anderen Kryptowährungen konkurriert. Der große Markt für den „Bitcoin der Banken“ sind Banken und andere Zahlungsanbieter. In dieser Branche muss sich Ripple gegen Konkurrenten wie SWIFT behaupten, die aktuell auch mit blockchain-basierten Lösungen experimentieren. Entsprechend merkt man an jüngsten Äußerungen von Ripples CEO Brad Garlinghouse auf der Money 2020, dass diese direkt gegen SWIFT gerichtet sind. Damit die Kunden aus dem Bankensektor einen zentralen Ansprechpartner haben, muss hinsichtlich der Partnerschaften und des Kapitals eine Zentralisierung gewährleistet sein. Mit den Idealen Bitcoins und anderer Kryptowährungen hat das natürlich wenig zu tun!

Die Rolle von Ripple (XRP)

Der typische Investor hat größtenteils nur mit XRP zu tun. Kritiker wie Anhänger von Ripple stellen sich deshalb öfter die Frage, wie XRP in die Produktstrategie von Ripple passt. Diese Frage wurde in einem anderen Artikel von BTC-ECHO beleuchtet.

XRP ist das native digitale Asset von Ripple. Token Holder können diese als Zwischenwährung verwenden, die die Zahlungsempfänger an sogenannten Gateways in andere Assets eintauschen können. Außerdem zahlen Nutzer Transaktionsgebühren im XRP-Netzwerk durch Zerstören einer festgelegten Anzahl an Token.

Bezüglich XRP positioniert sich Ripple ausnahmsweise offensiv gegen Ethereum und Bitcoin. Das Unternehmen lenkt den Fokus auf die deutlich schnellere Transaktionsgeschwindigkeit.

XRP in xRapid, xCurrent und xVia

Mit dem Aufkommen von xRapid und xCurrent stellt sich jedoch die Frage, wie XRP mit dem Rest der Produktpalette zusammenhängt.

xRapid ist ein Use-Case, in dessen Zentrum wirklich XRP liegt. Man nutzt die Ripple-eigene Kryptowährung, um eine Liquidität und damit geringe Kosten für Zahlungen zwischen internationalen Märkten zu gewährleisten.

xCurrent ist nach Angaben Ripples die Enterprise-Lösung, die Banken instantane Crossborder-Payments ermöglicht. Außerdem können Banken über dieses Protokoll auch Nachrichten schreiben und so beispielsweise eingegangene Transaktionen sofort bestätigen. xCurrent baut dabei auf dem Interledger-Protokoll (ILP) auf und basiert entsprechend auf einem anderen Ledger als XRP. Das Interledger-Protokoll wurde von W3C Community and Business Groups entwickelt. Ripple ist dort engagiert, jedoch sind beide Organisationen nicht identisch und das Interledger-Protokoll kann XRP optional nutzen.

xVia ist schließlich mehr ein Interface, welches Transaktionen über verschiedene Netze standardisieren möchte. die API von xVia können Banken nutzen, um xCurrent oder xRapid zu verwenden.

XRP besitzt eine zentrale Position im Produktportfolio von Ripple. Zwar spielt die Kryptowährung für xCurrent und xVia keine direkte Rolle. xCurrent kann jedoch optional auch XRP für Transaktionen verwenden, während xVia ohnehin eher eine Art „Frontend-Lösung“ denn eine eigene Zahlungsplattform ist.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Ripple zwar nicht so zentralisiert wie sein Ruf, jedoch hinsichtlich der Geschäftspartner und des Kapitals dennoch deutlich weniger dezentral als andere Krptowährungen ist. Außerdem konnte man sehen, dass Ripple XRP für deutlich mehr als Transaktionsgebühren verwendet, jedoch via xCurrent die Option des Wechsels auf andere Kryptowährungen vorhanden ist.

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