New Coins on the block – Stellar (XLM)

Quelle: Stellar Foundation

New Coins on the block – Stellar (XLM)

Stellar ist ein dezentrales Netzwerk, mit welchem Wertaustauschgeschäfte unterschiedlicher Art weltweit mit geringen Transaktionsgebühren realisiert werden können.

Stellar ist an sich kein “New“ Coin on the Block, existiert Stellar doch schon seit einiger Zeit: Der erste Blogpost, der Stellar vorstellte, ist am 31. Juli 2014 geschrieben worden. Das Netzwerk hat jedoch im vierten Quartal des letzten Jahres einen Wertgewinn von über 5.000 % erfahren – das bedeutet, dass sein Wert sich verfünfzigfacht hat. Aktuell steht Stellar auf Platz sieben der Kryptowährungen bezüglich Marktkapital und Handelsvolumen.

Woher kommt dieser Wertgewinn und was hat es mit dieser Kryptowährung auf sich? Diesen Fragen möchten wir in dieser Neuauflage der Reihe „New Coins on the Block“ nachgehen.

Stellar – Transaktionsplattform für verschiedene Formen des Wertaustausches

Um Stellar einzuführen ist es sinnvoll, mit der Motivation hinter dieser Kryptowährung zu beginnen. Ein modernes Problem im globalen Zahlungsverkehr sind unterschiedliche Währungen: Ein Mensch aus Deutschland möchte ein Unternehmen in Indien bezahlen. Als indisches Unternehmen ist die präferierte Währung des Dienstleisters die Rupie, die des Kunden jedoch Euro.

Damit es dennoch zu einem Geschäft kommt müssen die Euro also in Rupien überführt werden. Die Herausforderung dabei ist, dass Finanz-Infrastrukturen miteinander inkompatibel sind. Damit es hier zu einem Wertaustausch kommen kann, braucht es dritte Parteien, welche als Mittelsmann zwischen den unterschiedlichen Währungssystemen agieren – es braucht also im Kleinen Wechselstuben. In der großen Finanzwirtschaft existieren entsprechende international agierende Institutionen. Diese Mittelsmänner sorgen jedoch für zentralisierte internationale Zahlungskanäle und ineffiziente Zahlungstransfers.

Use-Cases, in welchen die Präsenz von Mittelsmännern zur Vorgangsabwicklung notwendig ist, sind bekanntermaßen die klassischen Motivationen für die Blockchain-Technologie: Im Fall von Stellar soll über eine Blockchain dieser Wertaustausch realisiert werden.

Sollte sich jemand durch diese Motivation an Ripple erinnert fühlen, liegt er nicht falsch: Stellar ist ursprünglich auf Basis von Ripple entwickelt worden, ebenso erinnert die Rolle der Anchors stark an die Gateways von Ripple. Für ein dezentrales Netzwerk zur Abwicklung von Warentauschgeschäften ist eine Brücke zwischen dem Netzwerk und dem Rest der Welt notwendig. In dieser Blockchain werden nur Schuldscheine gespeichert, welche ohne eine Verknüpfung zu anderen Zahlungssystemen noch nichts wert sind.

Im obigen Beispiel möchte das indische Unternehmen im Zuge des internationalen Zahlungstransfers Rupien erhalten und der Kunde benötigt eine Stelle, die Euro annimmt. Diese Brücken zur realen Welt werden im Stellar-Netzwerk Anchors genannt. Es sind Finanzdienstleister, welche miteinander über das Stellar-Netzwerk verbunden sind. Die Abstammung von Ripple ist auch heute noch daran erkennbar, dass die Anchors in ihren Abbildungen weiterhin Gateways heißen.

Neben diesen Anchors existieren die klassischen Nodes, auf welchen die Blockchain gespeichert ist. Die Nodes werden im Stellar-Netzwerk einfach Server genannt. Da in dieser Blockchain die Schuldscheine hinterlegt sind, kann über diese Transaktionen der Tauschwert unterschiedlicher Waren dezentral erfasst werden. Auf diese Weise wird im Stellar-Netzwerk ein dezentraler Exchange realisiert. Auch hier fühlt man sich an Ripple erinnert, dem Fachkundigen drängt sich das Stichwort Interledger auf.

Stellar Consensus Protocol – ein dezentrales, energiesparendes und sicheres Konsens-Protokoll

Natürlich ist Stellar nicht einfach Ripple in Grün: Da man jedoch bezüglich des Konsens andere Ansätze als Ripple verfolgte, wurde Stellar komplett auf eine eigene Codebase gestellt. Der Hintergrund zu dieser Abkehr von Ripple liegt fast so weit in der Vergangenheit wie der Ursprung von Stellar selbst: Im Dezember 2014 wurde über Schwächen im Konsenssystem von Ripple geschrieben.

Diese Schwächen liegen primär in der sogenannten FLP-Impossibility, einem von Michael Fischer, Nancy Lynch und Michael Paterson im Jahr 1985 formulierten Dilemma bezüglich der Erreichung eines Konsens in verteilten Systemen. Gemäß diesem Dilemma kann ein dezentrales Konsenssystem maximal zwei von drei positiven Eigenschaften besitzen:

    • Sicherheit (alle Ergebnisse auf allen Nodes sind identisch)
    • Lebendigkeit (funktionierende Nodes liefern immer eine Antwort auf Anfragen)
    • Fehlertoleranz (das Netzwerk kann Fehler einzelner Nodes verkraften)

Gemäß der Darstellung von Stellar soll der Konsensmechanismus von Ripple Fehlertoleranz und Lebendigkeit gegenüber der Sicherheit favorisieren. Konkret wird gemäß Stellar seitens Ripple die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Netzwerkes auf Kosten der Sicherheit optimiert. Da so Situationen entstehen könnten, in welchen auf unterschiedlichen Nodes temporär unterschiedliche Versionen der Blockchain liegen, wäre damit die Tür für Double-Spending-Attacken geöffnet.

Ripple ging natürlich auf diese Vorwürfe ein und betonte die Sicherheit ihres Konsensmechanismus. Hier ist nicht der Platz um über die Gültigkeit der Vorwürfe Stellars zu diskutieren. Fest steht, dass dies die Basis war, auf der ein neuer Konsensmechanismus entwickelt wurde. Ein finales White Paper dazu wurde im Februar 2016 von David Mazières geschrieben. Die Grundidee hinter diesem Konsens ist recht niedlich in einem Comic auf der Webseite der Stellar Development Foundation dargestellt. Im Stellar Consensus Protocol wird ein Konsens auf Basis eines sogenannten Federated Byzantine Agreement erreicht und soll dezentral, schnell, sicher und nicht auf Vertrauen angewiesen sein. Der Konsens wird wie folgt erreicht:

    • Nodes schreiben einen möglichen Eintrag für die Blockchain und veröffentlichen diese
    • jede Node betrachtet nun einen Teil der anderen Nodes und versucht, seine Version des neuen Eintrages an diese anzupassen
    • da alle Nodes auf diese Weise jeweils mit einem Teil der anderen Nodes einen Konsens erreicht haben, kann ein vollständiger Konsens entstehen.

Alle Nodes entscheiden selbst, welchen anderen Nodes sie trauen wollen. Zusätzlich wird überprüft, ob die Einträge, welche an die Blockchain angehangen werden, der bisherigen Blockchain widersprechen. So erreicht Stellar einen Konsens, der dem Ripple-Konsens ähnlich ist und ohne Proof-of-Work und das Anlegen eines großen Stakes auskommt.

Stellar Lumens – der Treibstoff von Stellar

Bei Lumens handelt es sich um das Stellar-eigene Asset und verhält sich zum Stellar-Netzwerk wie XRP zu Ripple oder Gas zu Ethereum: Transaktionen im Stellar-Netzwerk kosten, unabhängig von den ausgetauschten Waren, eine Handelsgebühr von 0,00001 Lumens, welche im Zuge der Transaktion verbrannt werden. Außerdem muss jeder Stellar-Account ein Minimum von 20 Lumens beinhalten. Ein Grund für diese Maßnahmen ist, dass so Spam-Transaktionen verhindert werden. Sollte jemand mit bösen Absichten das Netzwerk mit einer Unmenge an Transaktionen lahmlegen wollen, plant also jemand eine DoS-Attacke, benötigt er eine Unmenge an Lumens.

Neben dieser Verhinderung von Spam kann Lumens Transaktionen zwischen verschiedenen Währungen vereinfachen, falls es für dieses Wertepaar keinen großen Markt gibt. In solchen Fällen würde Lumen eine Brückenfunktion erfüllen.
Kurzgefasst kann also gesagt werden, dass Lumens der Treibstoff ist, der das Stellar-Netzwerk lauffähig macht.

Im Genesis Block von Stellar wurden 100 Milliarden Stellar geschaffen, jedoch werden jedes Jahr 1 % neue Coins geschaffen. Dabei wird jede Woche ein Teil davon generiert. Innerhalb des Stellar-Netzwerkes können Token-Holder wählen, an welchen Account im Netzwerk diese Ausschüttung realisiert werden soll. Jene, die 0,05 % der Stimmen unter sich vereinen können, erhalten einen Anteil der neu generierten Coins.

IBM und Stellar – eine Partnerschaft für die Blockchain?

Insgesamt sicherlich eine spannende Währung – aber was genau ist im Oktober passiert, dass seitdem Stellar derart in die Höhe schoss? Ein Grund kann sein, dass Stellar IBM als einen Kooperationspartner vorweisen kann, mit dem gemeinsam eine Lösung für grenzüberschreitende Zahlungsvorgänge realisiert werden soll. Außerdem stellt sich Stellar als eine Alternative zu Ripple dar; Leute, denen Ripple zu zentralisiert ist, werden entsprechend in Stellar einen interessanten Gegenentwurf finden.

Mit Leuten wie Jed McCaleb, der mit dem Filesharing-Netzwerk eDonkey 2000 schon vor Kryptowährungen kein Unbekannter war, und Prof. David Mazières von der Stanford University ist das Entwicklerteam von Stellar sehr gut aufgestellt. Die Vergangenheit von Jed McCaleb löst jedoch von einem Legal-Standpunkt bedenken aus: Technisch betrachtet sind Filesharing-Netzwerke sehr interessant, eDonkey selbst wurde aber von der RIAA verklagt. Außerdem war Jed McCaleb auch Entwickler von MtGox. Diese Krypto-Börse war zwar einerseits zu Hochzeiten der größte Umschlagplatz für Bitcoin, jedoch braucht zur weiteren Geschichte nach Übergabe an Mark Karpelès wenig gesagt werden. Schließlich ist kritisch anzumerken, dass die Lösung, einen dezentralen, globalen Exchange über Anchors zu lösen, das Problem der Mittelsmänner nur verlagert.

Dennoch ist Stellar eine interessante Kryptowährung – unabhängig vom aktuellen Preis. Wer mehr über dieses Netzwerk erfahren will, sei auf die sehr ausführliche Seite der Stellar-Foundation hingewiesen.

BTC-ECHO

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