Zahlungsdienstleister Swift und Zentralverwahrer wollen Blockchain-Anwendungen fördern

Der Zahlungsverkehrsdienstleister Swift und sieben Zentralverwahrer wollen gemeinsam Distributed-Ledger-Technologien (DLT) für Anwendungen an Wertpapiermärkten voranbringen. Die Verbindung mit existierenden Standards und die Akzeptanz der Marktteilnehmer und Regulatoren sind zentral für dieses Vorhaben.



In einer kürzlich unterschriebenen Absichtserklärung heißt es, die Zentralverwahrer und Swift wollen demonstrieren, wie DLT im Post-Trade-Bereich eingesetzt werden kann, etwa bei der Abwicklung von Kapitalmaßnahmen, elektronischen Stimmabgaben und Depotstimmrechten. Derzeit sei die Wertpapier-Abwicklung – vor allem in Bereichen, die Kontakt mit vielen Beteiligten erfordern – mit extrem umständlichen manuellen Prozessen verbunden, die signifikante Kosten und Risiken mit sich bringen könnten. Beteiligt am DLT-Projekt sind die Zentralverwahrer NASDAQ Market Technology, Abu Dhabi Securities Exchange, Caja de Valores aus Argentinien, die chilenische Depósito Central de Valores, National Settlement Depository aus Russland, die schweizerische Six Securities Services und Strate aus Südafrika. Der Beitritt weiterer Zentralverwahrer wird laut Swift in den kommenden Wochen erwartet.

Standards im Fokus

Gemeinsam werde man neue Produkttypen für den Post-Trade-Bereich untersuchen und dabei prüfen, wie sie von bestehenden Standards wie dem ISO 20022 unterstützt werden können. „Um Interoperabilität und eine glatte Migration sicherzustellen, ist entscheidend, dass neue Technologien existierende Standards wie ISO 20022 unterstützen“, sagte Stephen Lindsay, Head of Standards bei Swift, und ergänzte:

„Die Verheißungen der Technologie sind auf dem Papier großartig, derzeit fehlt ihr aber eine Schlüsselkomponente bei der Standardisierung. Dieses Projekt wird zeigen, dass ein klarer Wert in der Wiedernutzung etablierter Definitionen und der Erleichterung der Interoperabilität zwischen DLT-Anwendungen liegt.“

Die Initiative will auch neue Standards für die Anwendung von DLT zwischen Verwahrern und der Finanzindustrie etablieren und bestehende Standards anpassen. Ein weiteres Ziel ist, die Übernahme dieser Standards durch andere Marktteilnehmer und Regulatoren zu fördern. Dabei dürfte helfen, dass die Initiative vom internationalen Verband der Wertpapierdienstleister (ISSA) begrüßt und in seine DLT-Arbeitsgruppe einbezogen wurde.

Swift umarmt die Blockchain

Swift hat schon im Januar vergangenen Jahres eine Machbarkeitsstudie gestartet, in deren Rahmen die Eignung der Blockchain-Technologie für die Verbesserung des Echtzeit-Abgleichs von Nostro-Konten geprüft werden soll. Im derzeitigen Korrespondenzbank-Modell müssen Banken die Gelder auf ihren ausländischen Konten über Tagesabschlüsse überwachen, dadurch enstehen erhebliche Kosten. Wäre es Banken aber möglich, die Liquidität ihrer Nostro-Konten in Echtzeit verwalten, könnten sie exakt bestimmen, wie viel Geld auf jedem einzelnen Konto zu jedem Zeitpunkt benötigt wird. „Und das ermöglicht ihnen letztlich, erhebliche Mittel für andere Investments freizusetzen“, erklärte Damien Vanderveken, der zuständige Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Swift.

Wie von BTC-Echo berichtet, waren im Sommer vergangenen Jahres 22 global agierende Banken der Machbarkeitsstudie beigetreten, die ursprünglich mit sechs Gründungsbanken initiiert worden war. Das Teilnehmerfeld liest sich inzwischen wie das Who is Who der internationalen Finanzwelt, von ABN AMRO und BNP Paribas über Commerzbank und Deutsche Bank, JPMorgan Chase, Santander, Société Générale, Standard Chartered, Sumitomo Mitsui Banking Corporation bis zu UniCredit und Wells Fargo. Swift setzt beim Proof of Concept die Hyperledger* Fabric v1.0- Technologie in Verbindung mit Swift-Kernfunktionen ein, um sicherzustellen, dass sämtliche Informationen mit Bezug zu Nostro/Vostro-Konten vertraulich bleiben und nur vom Kontoinhaber sowie seinem Korrespondenzbank-Partner eingesehen werden können.

Im Oktober wurden ein Zwischenbericht zur Machbarkeitsstudie vorgelegt. Demnach kann die von Swift entwickelte DLT-Anwendung die Funktionen und die nötige Datenfülle liefern, um einen Kontenabgleich in Echtzeit zu unterstützen. Allerdings gebe es noch einige Herausforderungen, etwa bezüglich der Koexistenz mit bestehenden Anwendungen. Damien Vanderveken, Leiter Nutzererfahrung bei Swift und Forschungs- und Entwicklungsleiter bei SWIFTLab, sagte:

„Vorläufige Ergebnisse der DLT-Machbarkeitsstudie sind positiv für diesen Anwendungsfall. Es wurden bedeutende Fortschritte erzielt, aber die neueste Generation der Blockchain-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Es wird Zeit brauchen, bis diese für unternehmenskritische Anwendungen genügend ausgereift und skalierbar ist.“

BTC-ECHO

Über Gregor Hallmann

Gregor HallmannGregor Hallmann ist seit 20 Jahren Wirtschaftsjournalist. Als Redakteur einer Nachrichtenagentur verfolgte der studierte Politologe um die Jahrtausendwende hautnah den Internet-Boom und das folgende Platzen der Dotcom-Blase. Seitdem schreibt er als freier Journalist kritisch über Wirtschaft, Finanzen und Geldanlage – und hat dabei auch Kryptowährungen und Blockchain im Blick.

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