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Neuer Trend Warum DeFi-Projekte ihre eigenen Stablecoins kreieren

Eine neue Marktentwicklung in Decentralized Finance (DeFi) will die Stablecoin-Industrie aufmischen – das steckt dahinter.

Leon Waidmann
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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DeFi

Beitragsbild: Shutterstock

| Ein Paradebeispiel für protokolleigene Stablecoins sind GHO und crvUSD von den beiden DeFi-Platzhirschen Aave und Curve.

Zentralisierte Stablecoin-Projekte, die von bestimmten Unternehmen herausgegeben werden, dominieren schon seit Jahren den Handel mit Kryptowährungen im DeFi-Space.

Egal, ob man Token auf Uniswap tauscht, einen Kredit mit Aave aufnimmt oder einen gehebelten Trade via dYdX durchführt – ohne Stablecoins wie Tether (USDT) oder USD Coin (USDC) funktioniert in DeFi fast gar nichts.

Seit dem 1. Januar 2021 ist die Marktkapitalisierung von Stablecoins in DeFi-Protokollen von etwa 20 Milliarden US-Dollar auf mittlerweile mehr als 90 Milliarden US-Dollar gestiegen (+360 Prozent).

Der größte Teil dieses Wachstums ist auf die Stablecoins USDT, USDC und Binance USD (BUSD) zurückzuführen. Gemeinsam sind sie für fast 90 Prozent der gesamten Stablecoin-Marktkapitalisierung in DeFi verantwortlich.

  • 1. USD Coin (USDC) – 36,88 Milliarden US-Dollar.
  • 2. Tether (USDT) – 28,21 Milliarden US-Dollar.
  • 3. Binance USD (BUSD) – 14,89 Milliarden US-Dollar.
DeFi Stablecoins Marketcap
Quelle: Marktkapitalisierung von Stablecoins, defillama.com

Was sind protokolleigene Stablecoins?

In den letzten Jahren wurde das Risiko, das mit einer derartigen Zentralisierung einhergeht, unterschätzt.

Wie dezentral ist das DeFi-Ökosystem wirklich, wenn sich die wichtigsten Stablecoins in den Händen einiger weniger großer Unternehmen befinden?

Das Verbot des Krypto-Mixers Tornado Cash hat jüngst demonstriert, wie mächtig Stablecoin-Unternehmen in DeFi sein können.

Kurz nachdem die USA Tornado Cash verboten hatte, fror Circle, das Unternehmen hinter USDC, alle USDC ein, die mit Tornado Cash jemals interagiert haben. Dies hatte zur Folge, dass Tausende von meist unschuldigen Usern ohne Vorwarnung ihre USDC-Token nicht mehr transferieren konnten.

Insbesondere bei DeFi-Protokollen oder vermeintlich dezentralen Stablecoins, die in hohem Maße von zentralisierten Stablecoins abhängig sind, kann man sich daher fragen, wie dezentral sie wirklich sind.

Angesichts dieser Entwicklungen haben sich in den letzten Monaten immer mehr DeFi-Projekte damit beschäftigt, wie sie ihre Abhängigkeit von Stablecoins wie USDC oder USDT verringern können. Das hat dazu geführt, dass sogenannte protokolleigene Stablecoins entstanden sind.

Protokolleigene Stablecoins sind also Stablecoins, die von DeFi-Projekten erstellt werden, die normalerweise andere Produkte oder Services in DeFi anbieten (Token-Swaps, Lending…) nachgehen.

Aave und Curve lancieren Stablecoins

Ein Paradebeispiel für protokolleigene Stablecoins sind GHO und crvUSD von den beiden DeFi-Platzhirschen Aave und Curve. Beide dezentralen autonomen Organisationen (DAOs) der DeFi-Projekte haben erst kürzlich verkündet, dass sie protokolleigene Stablecoins auf den Markt bringen wollen.

Beide Projekte widmen sich normalerweise anderen Aufgaben innerhalb des DeFi-Ökosystems. Curve ist eine dezentrale Börse (DEX) und Aave ein Lending-DeFi-Protokoll. Die Herausgabe eines protokolleigenen Stablecoins ist somit für beide Protokolle Neuland.

Sowohl der Stablecoin von Aave (GHO) als auch der Stablecoin von Curve (crvUSD) werden ähnlich wie DAI von MakerDAO überbesicherte Stablecoins sein. Was bedeutet das?

Im Gegensatz zu zentralisierten Stablecoins wie USDC von Circle oder USDT von Tether, die durch hartes Bargeld und Vermögenswerte gedeckt werden, wird der Wert von crvUSD und GHO durch hinterlegte Kryptowährungen gesichert.

Diese Arten von Stablecoins werden als überbesicherte Stablecoins bezeichnet. Das liegt daran, dass ihr Gesamtwert den Wert der im Umlauf befindlichen crvUSD- oder GHO-Token deutlich übersteigt.

Welche anderen Arten von Stablecoins es gibt, erfahrt ihr hier.

Wann genau die beiden protokolleigenen Stablecoins auf den Markt kommen und wie diese schlussendlich die Token-Eigenschaften (Tokenomics) von AAVE und CRV beeinflussen, ist derzeit noch unklar.

Darum wollen DeFi-Projekte eigene Stablecoins

Einerseits möchten DeFi-Projekte, mit ihren eigenen Stablecoins, ihre Abhängigkeit von zentralisierten Stablecoin-Anbietern verringern. Andererseits können DeFi-Protokolle durch die Herausgabe ihres eigenen Stablecoins an einem Markt teilhaben, der in den letzten Jahren enorm gewachsen ist.

Nachteile von USDT, USDC und Co. für DeFi

Die Abhängigkeit von zentralisierten Stablecoins wie USDT oder BUSD ist für DeFi extrem gefährlich, da sie eingefroren werden können. Zentrale Stablecoin-Anbieter wie Binance oder Circle haben somit immense Macht und können theoretisch im Alleingang ganze DeFi-Protokolle zu Fall bringen.

Die Abhängigkeit von diesen Stablecoins macht einen Großteil der DeFi-Welt daher enorm anfällig für Zensur. Wenn Circle beispielsweise in Schwierigkeiten mit den Behörden gerät oder bestimmte Reserven für den Stablecoin USDC beschlagnahmt oder gestohlen werden, könnte dies zum Zusammenbruch ganzer DeFi-Ökosysteme führen, da plötzlich keine Rücklagen den Smart Contracts von DeFi-Protokollen mehr vorhanden sind.

Vorteile von Stablecoins wie crvUSD und GHO

Durch die Abkehr von zentralisierten Stablecoins können die Protokolle ein höheres Maß an Sicherheit und Dezentralisierung erreichen.

Je nachdem, wie ein DeFi-Protokoll seinen eigenen Stablecoin gestaltet, können zusätzlich auch die Tokenomics des Projekts verbessert werden.

Beispielsweise könnte Curve mit crvUSD für mehr Liquidität auf seiner Plattform sorgen, wenn es Usern ermöglicht, ihre vorhandenen Liquiditätspositionen auf Curve als Rücklagen für die Erzeugung von crvUSD zu verwenden, wodurch Curves CRV-Token direkt profitieren würde.

Fazit

Letztlich können DeFi-Projekte mit eigenen Stablecoins somit nicht nur die Zensurresistenz ihrer Protokolle erhöhen, sondern sie können diese auch auf nützliche Art und Weise in ihre Protokolle integrieren.

Stablecoins machen derzeit rund 14 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung von Kryptowährungen aus. Es ist wahrscheinlich, dass die Stablecoin-Branche noch weiter wachsen wird, da sowohl die Digitalisierung unseres Finanzsystems als auch die Krypto-Industrie und das DeFi-Ökosystem weiter an Bedeutung gewinnen werden.

Für DeFi-Projekte kann ein protokolleigener Stablecoin daher nicht nur aus Gründen der Dezentralisierung, sondern auch aus Gründen der Weiterentwicklung ihrer eigenen Plattformen sinnvoll sein.

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