Die seit 2016 jährlich für Deutschland durchgeführte Krypto-Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint hat 2026 erstmals auch die beliebtesten Krypto-Handelsplattformen der Deutschen untersucht. BTC-ECHO präsentiert dazu erstmals eine umfangreiche zweiteilige Analyse der repräsentativen, über YouGov erhobenen Umfrageergebnisse aus dem Zeitraum vom 18. bis 22. Juni 2026. Dabei zeigen sich einige durchaus überraschende Ergebnisse.
Ranking der Top 10 Krypto-Handelsplattformen
Die Verteilung der Erstnennungen als beliebteste Krypto-Handelsplattform unter allen Befragten auf die Top 10 ergibt sich wie folgt:
| Ranking | Plattform | Anteil | Sitzland | Kategorie |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Trade Republic | 17 % | Deutschland | Neo-Broker |
| 2 | Binance | 16 % | International | Krypto-Börse |
| 3 | Bitpanda | 11 % | Österreich | Krypto-Börse |
| 4 | Coinbase | 10 % | USA | Krypto-Börse |
| 5 | Bison | 7 % | Deutschland | Krypto-Börse |
| 6 | Kraken | 6 % | USA | Krypto-Börse |
| 7 | eToro | 5 % | Israel | Neo-Broker |
| 8 | Crypto.com | 4 % | Singapur | Krypto-Börse |
| 9 | Bitvavo | 3 % | Niederlande | Krypto-Börse |
| 10 | Revolut | 2 % | Großbritannien | Neo-Broker |
| Sonstige Plattformen | 19 % |
Die Daten der Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 18. bis 22.06.2026 insgesamt 2031 Personen aus einem soziodemografisch repräsentativen Bevölkerungsteil deutschlandweit im Auftrag von BearingPoint befragt. Die Auswertung erfolgte seitens BearingPoint. Die Übersichtstabelle zeigt die Auswertung über die 166 Antworten aus 2031 Befragten, die auf die Frage, welche Krypto-Handelsplattform sie bevorzugen, tatsächlich eine verwertbare Antwort geben konnten. Acht Prozent aller 2031 Befragten gaben generell an, sich mit Kryptowährungen auszukennen und sie zu nutzen.
Starke Konzentration auf die Top-10-Krypto-Anbieter
Alle restlichen Krypto-Handelsplattformen liegen jeweils unter zwei Prozent. Dies zeigt, dass der Long-Tail-Bereich unterhalb der Top 10 bei den Marktanteilen praktisch nicht mehr relevant ist. Dies bestätigt die plausible Annahme, dass Krypto-Plattformen vor allem von Netzwerkeffekten leben – je mehr User, desto beliebter.
Schlussfolgerung: Weniger beliebte Plattformen werden aus Mangel an Netzwerkeffekten praktisch irrelevant oder sie fristen ein Nischendasein zum Austausch von Spezial-Coins, die auf großen Handelsplattformen nicht gelistet sind.
Heimat-Präferenz ist klar gegeben
Schaut man sich im Vergleich dazu die Top 10 der international beliebtesten Krypto-Börsen nach Handelsvolumen an (vgl. CoinMarketCap.com – Exchanges), stellt man etwas Überraschendes fest.
Von den Top 10 der im internationalen Vergleich beliebtesten Handelsplattformen, sind nur zwei auch in den Top 10 der in Deutschland beliebtesten. Nämlich Binance und Coinbase, was nicht verwunderlich ist, da diese international gesehen auf Platz 1 und 2 liegen.
Alle anderen aus den internationalen Top 10 sind für deutsche Krypto-Anleger nicht relevant; diese bevorzugen in den Top 10 eher Plattformen aus dem deutschsprachigen oder europäischen Raum. Von den Top 10 der beliebtesten Krypto-Handelsplattformen in Deutschland haben mit 5 die Hälfte ihren Sitz in Europa, davon 3 sogar im deutschsprachigen Raum. Von den internationalen Top-10-Krypto-Börsen hat hingegen keine einzige ihren Sitz in Europa.
Mit Trade Republic hat die beliebteste Krypto-Handelsplattform in Deutschland (Top 1) ihren Sitz selbst in Deutschland.
Schlussfolgerung: Auch wenn die Krypto-Werte grundsätzlich international sind, Krypto-Märkte sind es nicht vollständig. Es gibt hier regionale bzw. nationale Konzentrationen.
Traditionelle Institute in den Top 10 quasi nicht vertreten
Traditionelle Finanzinstitute sind unter den Top 10 der Krypto-Handelsplattformen in Deutschland so gut wie nicht vertreten. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Bison ist zwar eine reine Krypto-Börse, jedoch als Ausgründung der Börse Stuttgart mit einem traditionellen Finanzinstitut verbunden. Traditionelle Banken gibt es unter den Top 10 hingegen gar keine. Alle anderen Krypto-Handelsplattformen unter den Top 10 sind entweder Neobroker (Trade Republic sowie Revolut als Neobank mit Brokerage-Funktion) oder klassische Kryptobörsen.
Schlussfolgerung: Die traditionellen Finanzinstitute lassen sich hier Marktchancen des stark wachsenden Kryptomarktes entgehen.
Traditionelle Finanzinstitute mit Heimvorteil
Dass es unter den Top 10 der Krypto-Handelsplattformen in Deutschland kaum traditionelle Finanzinstitute gibt, scheint jedoch eher an deren Zögern, als am Markt und den Marktchancen selbst zu liegen.
Erstens beweist die klare Heim-Präferenz der Krypto-Anleger, dass die klassischen Finanzinstitute mit in Deutschland bzw. Europa denominiertem Sitz durchaus einen Vorteil haben könnten.
Zweitens machen die Neo-Broker wie Trade Republic und Revolut und die Börse Stuttgart mit ihrer Ausgründung Bison vor, dass es neben den reinen Krypto-Börsen gerade auch Institute, die mit klassischer Börsen- und Banklizenz arbeiten, sogar als Neugründung nach ganz oben in die Top 10 schaffen können.
Drittens ist der Krypto-Markt mittlerweile durch die MiCa (Markets in Crypto Assets) Verordnung, die seit 1. Juli dieses Jahres voll gilt, auf europäischer Ebene vollständig reguliert. Das ist eigentlich ein Vorteil für traditionelle Finanzinstitute, die an komplexe Finanzmarktregulierung seit eh und je angepasst waren und sind, anders als die aus der „Anarchie“ des Krypto-Booms der Zehnerjahre kommenden reinen Krypto-Börsen.
Traditionelle Banken und Börsen sollten auf den Krypto-Zug aufspringen
Viertens ist davon auszugehen, dass Anleger auch den Austausch und Handel zwischen Krypto-Assets und klassischen Assets wie etwa herkömmlichen Aktien und Anleihen schätzen werden, was man bereits an den Angeboten der Neo-Broker sieht; ein Vorteil, den traditionelle Finanzinstitute eher als reine Krypto-Börsen bieten werden können.
Die Entwicklung könnte beim Krypto-Banking und ‑Brokerage ähnlich verlaufen wie in den Nuller-Jahren bei der Einführung des Online-Bankings. Manche Banken und Börsen verschliefen die Einführung des Online-Bankings und Online-Brokerage. Heute gibt es keine Bank oder Börse mehr, die man nicht auch komplett online nutzen kann.
Spätestens jetzt, seit MiCa, sollten also auch traditionelle Banken und Börsen auf den Krypto-Zug aufspringen, wenn sie ihn nicht verpassen wollen.



