Neue Blockchain-Supply-Chain-Lösung könnte Produktfälschungen verhindern

Tim Stockschlaeger

von Tim Stockschlaeger

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Tim Stockschlaeger

Tim Stockschläger hat Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig studiert. Nach dem Studium hat er zunächst für die Deutsche Bank gearbeitet und ist nun freiberuflicher Autor und Berater.

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Logistiker träumen noch immer von einer allumfassenden und transparenten Supply-Chain-Tracking-Lösung. Doch die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau der Logistik könnte bald ein Ende haben. Der Logistikdienstleister Adents entwickelt in Kooperation mit dem Technologiekonzern Microsoft eine globale Track-and-Trace-Lösung, basierend auf der Blockchain.

Die Anwendung „Adents NovaTrack“ soll die gesamte Lieferkette abdecken und die lokale Supply-Chain innerhalb des Unternehmens nahtlos in die globale Transportlogistik integrieren. Die Unternehmen versprechen sich von einer Kombination aus modernsten Blockchain-Lösungen und Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) sowie Business Intelligence (BI) effizientere Verfahren als heute üblich. Prognosen und garantierte Lieferzeiten sind derzeit nur schwer möglich, sobald die Supply Chain mehrere Fracht- und Transportunternehmen umfasst. Es mangelt an einheitlichen Schnittstellen und Standards.

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Adents und Microsoft setzen mit der Blockchain auf hohe Skalierbarkeit und viele Sicherheitsfeatures. Die Software ermöglicht die Einbettung sämtlicher Industriestandards wie GS1 und HIBC. Darüber hinaus sollen Smart Contracts und zahlreiche Schnittstellen für Entwickler die Anwendung für alle Branchen öffnen.

Blockchain gegen Produktfälschungen

Adents und Microsoft hoffen auch, den globalen Handel mit gefälschten Waren einzudämmen. Zoll und Polizei können die gewaltigen Warenströme nicht nachhaltig überprüfen und sind auf vereinzelte Stichproben angewiesen. Das alleine reicht nicht aus: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schätzt, dass rund 2,5 Prozent der internationalen Importe von Markenfälschungen betroffen sind. In einigen Branchen liegt die Zahl deutlich höher. Das Geschäft mit den Pillen und Medikamenten scheint besonders lukrativ. Die Pharmaindustrie ist auffällig häufig Ziel von Fälschern. Die OECD geht weltweit von rund 10 Prozent an nachgeahmten Medikamenten aus. Für Verbraucher ist das alarmierend, da die unsachgemäße Vervielfältigung von Medikamenten die Gesundheit vieler Patienten bedroht. Eine globale Supply-Chain-Lösung soll dem Handel mit Markenfälschungen daher endlich einen Riegel vorschieben. Der Anbieter Adents sieht durch seine Blockchain-Lösung das Vertrauen in die Produkte sowie Lieferanten gestärkt.

Gleichzeitig steigt in vielen Ländern der Regulierungsdruck. Das betraf lange nur sensible Branchen wie etwa die Nahrungs- und Pharmaindustrie. Zunehmend kann sich jedoch kaum ein Unternehmen vor weitreichender Regulierung schützen. Inzwischen müssen Produzenten oft lückenlos die Rohstoffzyklen erfassen, also welche Rohstoffe aus welchem An- oder Abbau in welchen Produkten verwendet werden. Der Sinn dahinter: Später lassen sich aus Abfallprodukten die Sekundärrohstoffe wiedergewinnen. Aufgrund der langen Supply Chain und Anzahl an beteiligten Unternehmen, ist eine fehlerfreie Dokumentation nicht einfach. Eine Blockchain-Lösung würde den Prozess für alle Unternehmen transparent und nachverfolgbar erfassen.

Die Ware rund um den Globus verfolgen

Track and Trace wird heute über sämtliche Transportwege beliebter und ist unerlässlich. Verbraucher fordern für hochwertige Produkte immer häufiger einen lückenlosen Nachweis über den Ursprung der Produkte. Das betrifft nicht nur Produkte mit rechtlich schwierigem Umfeld (bspw. Schutz vor Blutdiamanten), sondern zunehmend auch Klamotten und Lebensmitteln. Eine detaillierte Dokumentation stärkt das Vertrauen in die Produkte und unterstreicht den Qualitätsanspruch des Herstellers. Ein Beispiel ist das Outdoor-Modeunternehmen Icebreaker. Die Neuseeländer versehen alle Pullover und T-Shirts mit einer sogenannten Unique Product Identification (UPID), die den Stoff bis zum Schaf zurückverfolgen lässt. Adents und Microsoft forcieren dies zur gängigen Lösung für Industrie- und Konsumgüter. Zusätzlich wird erst durch das Internet of Things eine Vernetzung sämtlicher Warensendungen und Dienstleister möglich. Abnehmer erfahren so in Echtzeit von Änderungen oder Abweichungen in der Lieferkette.

Hohes Potenzial von Blockchain auf dem Logistikmarkt

Microsofts Azure-Plattform hilft, die massenhaften Daten zu analysieren und im Sinne einer besseren Logistik-Dienstleistung zu verwenden. Microsofts Machine-Learning-Anwendungen machen es erst möglich, die zahlreichen Datenpunkte und Ströme aus dem globalen Welthandel zu verarbeiten. Lieferungen lassen sich aufgrund der Datenmengen optimieren und neue Logistiklösungen könnten aus den Erkenntnissen folgen. Stand heute fehlt ein branchenübergreifendes Register, sodass verschiedene Industrien in der Zukunft ihre Lieferungen über die Plattform bündeln könnten. Das senkt die Transportkosten und reduziert die Umweltbelastung.

Von einer einheitlichen und globalen Supply-Chain-Lösung profitieren alle Stakeholder, von den Verbrauchern über die Behörden bis zu den Produzenten. Microsoft und Adents sind jedoch nicht die ersten im Wettbewerb um die beste Logistiklösung. Das dänische Frachtunternehmen Maersk etwa setzt für seine Seeversicherung „Insurwave“ auch auf eine Blockchain-Lösung. Insurwave nutzt dabei ebenfalls Microsofts Azure-Plattform. Außerdem verkündete Maersk Anfang des Jahres, in einem Joint-Venture mit dem Technologiekonzern IBM Blockchain-Anwendungen für die globale Seefahrt und Logistik entwickeln zu wollen. Die Konkurrenz ist also groß. Doch das Duo Microsoft und Adents ist eines der vielversprechendsten und verfügt über ausreichend Marktmacht für den Erfolg ihrer Blockchain-Lösung.

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