Jahresendrallye oder Flaute? Gedanken zu Bitcoins Kursentwicklung

Jahresendrallye oder Flaute? Gedanken zu Bitcoins Kursentwicklung

Tim Draper verkündete jüngst einen Bitcoin-Kurs von 250.000 US-Dollar bis zum Jahr 2022. Ebenso blicken verschiedene Investoren traditionell auf einen bullishen Jahresabschluss. Doch wie wahrscheinlich sind derartige Kursprognosen? 

Ein Kommentar von Dr. Philipp Giese

Egal wie lange der Bitcoin-Kurs seitwärts geht: Permabullen sterben nicht aus und überschlagen sich in Kursprognosen. Die institutionellen Investoren stehen kurz vor der Tür, der ETF kommt bald und die Bakkt Futures katapultieren uns alle zum Mond. Obendrein ist der Kurs von Bitcoin im vierten Quartal doch immer gestiegen. Oder nicht?

Ziel des Artikels ist nicht, all jene Hoffnungen zu zerschlagen, wohl aber, zu überlegen, was für und gegen ein Krypto-Weihnachten 2018 spricht. Dazu möchten wir einen statistischen Blick auf die Bitcoin-Kursentwicklung werfen und schließlich die unterschiedlichen Argumente für einen Bullenmarkt bewerten.

Ein Blick in die Kristallkugel: Wo steht Bitcoin Ende 2018?

Fangen wir mit dem statistischen Blick an. Im ersten Quartal stellten wir vor, wie Monte-Carlo-Simulationen bei der Kursabschätzung helfen können. Gemäß dieser sollte der Kurs bis Jahresende mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent  zwischen 5.000 und 65.000 US-Dollar liegen.

Bei einem derartig breiten Intervall wäre es weit hergeholt, sich jetzt mit einer „korrekten Kursvorhersage“ zu feiern. Man kann jedoch sagen, dass das Monte-Carlo-Verfahren bestätigt wurde. Mit aller angebrachten Vorsicht kann man diese Kristallkugel noch einmal nutzen und schauen, was für Kursentwicklungen bis Silvester 2018 zu erwarten sind.

Das Ergebnis dieser Monte-Carlo-Simulation ist eher ernüchternd. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent wird demnach der Bitcoin-Kurs zwischen 4.000 US-Dollar und 8.700 US-Dollar liegen. Sicher, Ergebnisse bis 19.000 US-Dollar sind dieser Prognose nach möglich, aber die Wahrscheinlichkeit ist eher gering:

„Aber am Jahresende ist Bitcoin immer angestiegen!“ wird oft betont. Zugegeben, seit 2011 ist der Bitcoin-Kurs im vierten Quartal nur einmal gefallen. Leider jedoch im Jahr 2014, dem Jahr, welches dem aktuellen am meisten ähnelt. Anfang 2014 konnte der Bitcoin-Kurs das erste Mal die 1.000US-Dollar-Marke knacken. Daran schloss sich ein längerer Bärenmarkt an.

Die Situation 2018 ist recht ähnlich: Ende 2017 wurde ein neues Allzeithoch erreicht. Auf der Basis vergangener Kursbewegungen ist also eher weniger mit einem dramatischen Erstarken des Bitcoin-Kurses zu rechnen.

Auch vom Standpunkt der technischen Analyse sind wir aktuell noch weit von einem Bullenmarkt entfernt. Der Bitcoin-Kurs liegt aktuell unter dem gleitenden Mittelwert der letzten 20 Wochen, MA20, und steht eher vor einem Test des seit Oktober 2017 definierten Bodens:

Aus Sicht der technischen Analyse sieht es, betrachtet man noch das dramatisch zurückgegangene Handelsvolumen, eher nach dem Gegenteil, zumindest nach einer weiteren Seitwärtsbewegung aus. Gepaart mit der Monte-Carlo-Simulation spricht die Statistik eher gegen ein neues Krypto-Wintermärchen.

Möglichkeiten für Black Swans: Der Versuch einer Einordnung

Statistik ist immer das Eine. Dramatische Kursrallyes können dieser widersprechen. Was für Möglichkeiten für einen Monte Carlo in den Schatten stellenden Bull Run gibt es denn in diesem Jahr? Ein Blick auf Futter für die Bullen:

DEX und Lightning – Eine Technologie wächst weiter

Spätestens nach Coincheck und Bitgrail ist das Vertrauen in zentralisierte Krypto-Börsen erschüttert. Dazu noch das ganze Drama um die Tether-Bitfinex-Connection und das vorgegaukelte Volumen auf Exchanges führt nicht gerade zu großem Vertrauen.

Ungeachtet dessen, dass dezentrale Börsen regulatorischen Fragestellungen aus dem Weg gehen, kann man sich von diesen eine deutlich höhere Transparenz bezüglich des Handelsvolumens erhoffen. Außerdem sind die Funds nicht zentral auf einer Exchange gelagert, was Katastrophen wie den Coincheck-Diebstahl erschwert. Mit dezentralen Börsen werden Anleger wieder deutlich mehr Vertrauen in den Krypto-Markt aufbauen können.

Doch nicht nur an dieser Front wird gearbeitet. Second-Layer-Lösungen wie das Lightning Netzwerk oder Plasma können die aktuellen Grenzen der Skalierbarkeit nachhaltig überwinden. Atomic Swaps, die ebenfalls dank dieser Lösungen möglich sind, können ebenfalls zu einem dezentralen Tauschhandel von Kryptowährungen beitragen und so das gesamte Ökosystem stärken.

Adban adé – Kryptowährungen wieder sichtbarer auf Google

Zwar fällt das Google-Suchvolumen von Bitcoin stärker als der Bitcoin-Kurs, aber eine leichte Korrelation ist vorhanden. Entsprechend würde eine erhöhte Sichtbarkeit von Kryptowährungen auf Google für eine höhere mediale Präsenz sorgen, was mit steigendem Interesse zu höheren Kursen führen kann.

Jüngst hat Google seine Werbe-Richtlinien geändert. Dank dieser ist es nun regulierten Krypto-Börsen nach einem Verbot wieder möglich, auf Google zu werben. Der Fokus auf regulierte Exchanges ist sinnvoll. Diese „Einschränkung“ führt dazu, dass Krypto-Neulinge eher auf regulierte und entsprechend sichere Börsen denn auf ihre dubiose Pendants stoßen. Auch ohne die oben angesprochenen dezentralen Börsen kann so das Vertrauen in den Markt steigen. Gepaart mit einer erhöhten Sichtbarkeit kann das durchaus eine Kursrallye auslösen.

Das Kommen der Insitutionellen – Futures, ETFs und Broker für Bitcoin

Wie auf den zu Weihnachten kommenden Heiland wartet die Krypto-Szene auf die institutionellen Investoren. Verständlich, denn mit diesen würde sehr viel Geld in den Krypto-Markt kommen. Ob Bitcoin Futures von Bakkt, die ETFs von VanEck und SolidX oder große Brokerfirmen wie TD Ameritrade – überall erklingt das Schlagwort „Bitcoin“.

Keine Frage: Mit den institutionellen Investoren kann wirklich das große Geld in den Krypto-Sektor kommen. Nur was die Futures betrifft, bin ich nicht ganz so sicher – die Erinnerung an den Einfluss der CME und CBoE Futures ist noch zu frisch, als dass ich diesbezüglich an einen nachhaltigen Bullenmarkt glaube.

Sollten jedoch große Investoren Bitcoin und andere Kryptowährungen nicht als Spekulationsobjekt, sondern als unabhängige Assetklasse für sich entdecken, wäre das sehr positiv. Yale und andere zeigen: Das Interesse seitens der Investoren ist durchaus vorhanden.

Man sieht: Auch wenn die aktuelle Kursentwicklung sowie die Statistik nicht gerade zum Jubeln anregen, gibt es derzeit verschiedene sehr positive Entwicklungen. Und so kann man zwar nicht mit einem euphorischen, aber einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft schauen. Wer weiß, wenn wir brav sind, gibt es bis Weihnachten doch noch den erhofften Bull Run.

BTC-ECHO

Aufgepasst: Der Kryptokompass ist das erste digitale Magazin für digitale Währungen und Blockchain-Assets. Er liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen, spannende Insights und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Nur jetzt und nur solange der Vorrat reicht: Im Monatsabo inkl. GRATIS Bitcoin-Sammlermünze

 

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

„Facebook Coin“ Libra enthüllt – Der Pseudo-Bitcoin
„Facebook Coin“ Libra enthüllt – Der Pseudo-Bitcoin
Altcoins

Der Schleier um die Kryptowährung aus dem Hause Facebook ist gelüftet: „Libra“ – so der Name der Kryptowährung, an der sich zahlreiche Großunternehmen beteiligen – will als globale „Währung für alle“ antreten. Dabei steht und fällt der Erfolg von Libra mit der Größe des Netzwerks – eine der wenigen Gemeinsamkeiten, die Libra mit richtigen Kryptowährungen verbindet.

Hans-Werner Sinn ist Bitcoiner – er weiß es nur noch nicht
Hans-Werner Sinn ist Bitcoiner – er weiß es nur noch nicht
Kommentar

Die Unchain-Konferenz auf dem Berliner Holzmarkt bot so manches Schmankerl für den Bitcoiner von Welt. Neben bekannten Szenegrößen wie Tone Vays und Brock Pierce hatte am ersten Konferenztag auch Hans-Werner Sinn seinen Auftritt. Seinen Talk kann man nur als Fundamentalkritik an der Niedgridzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) begreifen. Wieso Sinn Bitcoiner ist.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    Krypto-Start-up Token erhält 16,5 Millionen US-Dollar
    Krypto-Start-up Token erhält 16,5 Millionen US-Dollar
    Funding

    Das FinTech-Start-up Token erhält ein Funding von 16,5 Millionen US-Dollar. Die Open-Banking-Plattform sammelte während einer Finanzierungsrunde Venture-Kapital großer Investitionsfirmen ein. Bei der Adaption seines Produkts ging Token kürzlich auch eine Zusammenarbeit mit MasterCard ein. Eine Kooperation, die das Start-up für Anleger vermutlich attraktiver macht. Eine Series-B-Finanzierungsrunde kündigte Token für das nächste Jahr an.

    IT-Sicherheitsriese Cloudflare bietet eigenes Ethereum Gateway an
    IT-Sicherheitsriese Cloudflare bietet eigenes Ethereum Gateway an
    Blockchain

    Cloudflare wird künftig ein eigenes Ethereum Gateway bereitstellen. Das Sicherheitsunternehmen will damit die Nutzung von Smart Contracts vereinfachen. Befeuert Cloudflare gleichzeitig eine Zentralisierung des Ethereum-Netzwerks?

    Die Büchse der Pandora: Wie Facebooks Project Libra den Bitcoin-Space verändert
    Die Büchse der Pandora: Wie Facebooks Project Libra den Bitcoin-Space verändert
    Altcoins

    Facebooks Project Libra steigt in den Ring ums beste Geld. Was wir von Libra erwarten können und wieso Bitcoin-Investoren mit Zuversicht auf den Launch blicken können.

    Russland: Staatsduma entscheidet über Krypto-Gesetze
    Russland: Staatsduma entscheidet über Krypto-Gesetze
    Politik

    Die russische Staatsduma entscheidet in Kürze über die Zulassung von digitalen Wertpapieren. Im Falle einer erfolgreichen Verabschiedung könnten gleich zwei entsprechende Gesetze innerhalb der nächsten zwei Wochen verabschiedet werden. Bei der zweiten Lesung im nationalen Parlament Russlands entscheidet sich also die unmittelbare Zukunft von ICOs und anderen Krypto-Finanzprodukten im Land. Eines steht jedoch bereits fest: Facebooks Libra-Währung erhält keine Legalisierung.

    Angesagt

    „Krypto“ und Klima: Schadet Bitcoin der Umwelt?
    Insights

    Experten und Politiker üben immer wieder Kritik an der Umweltbilanz von Bitcoin & Co. Medienberichte vergleichen den ökologischen Fußabdruck beim Bitcoin-Mining sogar mit dem ganzer Städte oder Staaten. Während die Linke mit dem Klimaargument gleich ein Verbot von Bitcoin fordert, stellt sich die Frage: Wie umweltschädlich sind Kryptowährungen wirklich? Und wie kann das Krypto-Ökosystem in Zukunft verträglicher für das Klima werden?

    Litecoin Foundation lanciert eigene Krypto-Debitkarte
    Tech

    Die Litcoin BlockCard entsteht aus einer Kooperation der Litecoin Foundation mit weiteren Krypto-Unternehmen. Sie ist indes nur eins von mehreren vergleichbaren Angeboten. Die Möglichkeiten, Kryptowährungen als Zahlungsmittel einzusetzen, nehmen somit insgesamt zu.

    IBM Blockchain Platform zieht auf die Cloud – Microsoft Azure und AWS unterstützt
    Blockchain

    IBM updatet seine Enterprise-Blockchain. Nutzer können diese ab sofort auch auf gängigen Webservern wie denen von Amazon und Microsoft nutzen. Die Popularität von IBMs Blockchain-Lösung dürfte damit ansteigen.

    Bitcoin, Ethereum und Ripple – Kursanalyse KW25 – Bullen auf der Lauer
    Kursanalyse

    Erneut wurde ein neues Jahreshoch beim Bitcoin-Kurs und damit das Kursziel erreicht. Die Kurse von Ethereum und Ripple hingegen glänzen nicht wirklich.

    ×
    Credits (Lumen) im Wert von 10 EUR geschenkt!

    +

    Gewinne 1.000, 500 oder 250 EUR in Stellar!

    Die Revolution der Online-Zahlung geht in die nächste Phase!

    Sei dabei:

    Mit Anmeldung in unserem Newsletter erhältst du automatisch am 01.07.2019 100 Credits (Lumen) im Wert von 10 EUR geschenkt und hast die Chance auf tolle Gewinne. Weitere Infos folgen.

    Ich stimme zu, dass meine E-Mail-Adresse für den Versand des Newsletters gespeichert und verarbeitet wird. Weitere Hinweise