Kryptobörsen am Abgrund: So werden Trader abgezogen und der Bitcoin-Kurs manipuliert

Quelle: shutterstock

Kryptobörsen am Abgrund: So werden Trader abgezogen und der Bitcoin-Kurs manipuliert

In der Vergangenheit wurde viel über Hacks und IT-Schwachstellen bei Kryptobörsen berichtet. Es ist kein Geheimwissen, dass Manipulation und Betrug an Kryptobörsen hoch im Kurs stehen. Es fällt schwer, den Kursbewegungen zu trauen, denn der Verdacht, dass Insidertrades das Auf und Ab kontrollieren, hält sich hartnäckig. Und das zu Recht.

Erst kürzlich haben wir von einem Gespräch zwischen zwei Insidern berichtet, die sich über die offenbar massive Kursmanipulation an der Kryptobörse BitMex unterhalten haben. Da inzwischen auch Short-Positionen möglich sind, also auch auf fallende Kurse gewettet werden kann, ist der Anreiz, die Kurse zu manipulieren noch größer. Zudem ist es mit Hilfe von Hebeln bis zum 50-Fachen des eingesetzten Kapitals noch günstiger geworden. Wenn dann noch die „großen Wall-Street-Jungs“ in den Markt drängen, können sie den kleinen und unregulierten Kryptomarkt leicht manipulieren.

So läuft die Börsenmanipulation ab

Konkret sollen einige Akteure es geschafft haben, sich einen technischen Informationsvorteil zu programmieren. Dieser Informationsvorsprung ermöglicht es ihnen, zu sehen, zu welchem Zeitpunkt Marktteilnehmer Orderaufträge setzten. Dadurch können sie unter anderem herausfinden, an welchen Marken wichtige Stop-Orderaufträge gesetzt worden sind. Entsprechend können sie vor allen anderen Marktteilnehmern sehen, wann das Kartenhaus einbricht und mit Short-Positionen ein gutes Geschäft machen.

So kommt es häufig vor, dass enorme Kursbewegungen den Markt nach oben oder unten peitschen, ohne dass eine marktwirtschaftliche Ursache ausgemacht werden kann. Die meisten Trader blicken dann ratlos auf den Bitcoin-Kurs und fragen sich, welche fundamentalen oder charttechnischen Impulse die Sogwirkung ausgelöst haben – ohne Ergebnis.

Wash Trading gaukelt hohes Volumen vor

Neben einzelnen Tradern sind es sogar die Börsen selbst, die immer wieder unter Manipulationsverdacht stehen. So soll beispielsweise die Kryptobörse BitForex Wash Trading betrieben haben. Beim Wash Trading wird durch den hochfrequentierten Kauf und Verkauf von Vermögenswerten ein hohes Handelsvolumen vorgegaukelt. Nach außen will man dadurch den Eindruck erwecken, dass es sich um eine liquide und sichere Börse handele. In Wahrheit sind es dann aber oft nur die Börsen selbst oder Gruppen von Tradern, die ein abgekartetes Spiel mit den unwissenden Anlegern treiben.

Börsenmanipulation: Nicht nur im Kryptosektor

Zwar gibt es auch an regulierten Börsen vereinzelte Fälle von Insiderhandel, allerdings nicht in diesem Maße, zumal die meisten Märkte deutlich größer als der Kryptomarkt sind. Der Handelsumsatz für das Währungspaar von EUR/USD beträgt zum Beispiel täglich ca. 3 bis 5 Billionen US-Dollar. Der Kryptomarkt weist hingegen gerade mal ein Volumen von 10 bis 20 Milliarden US-Dollar auf. An kleinen und unregulierten Börsen, die kleine Märkte abdecken, für Bewegung zu sorgen, ist deutlich einfacher als an hochliquiden, kapitalisierten und institutionalisierten Börsen. Zumal sich dort die Marktmacht auf viel mehr Akteure verteilt und weniger zentralisiert ist als im Kryptomarkt.

Börsen für Bitcoin & Co. wenig transparent

Darüber hinaus ist die Transparenz an regulierten Börsen deutlich höher und das Kapital besser zuzuordnen. Wenn beispielsweise Großaktionäre, Personen mit Insiderwissen oder Vorstände eines börsennotierten Unternehmens Handelsgeschäfte mit der entsprechenden Aktie durchführen, dann müssen sie diese öffentlich machen. Tun sie dies nicht, begehen sie eine schwere Straftat. Diese abschreckende Wirkung existiert im Bitcoin-Sektor nicht. Insiderhandel steht nicht unter Strafe. Niemand, sofern er seine Steuern zahlt, braucht Angst vor rechtlichen Konsequenzen zu haben. Eine Einladung für alle, die sich nicht von moralischen Bedenken aufhalten lassen.

Ein Markt in der Findungsphase

Letztlich jedoch bilden Börsen, losgelöst von der zu verhindernden technischen Manipulation, auch nur Märkte ab. Natürlich kann gegen manche Manipulation durch Regulierung und bessere Standards vorgegangen werden. Ein illiquider Markt, den große Akteuren kontrollieren, wird immer kleine Anleger benachteiligen, daran kann eine regulierte und fair funktionierende Börse auch nichts ändern.

Um die Gesamtsituation im Umfeld von Bitcoin zu verbessern, braucht es also beides. Sowohl transparentere und sicherere Kryptobörsen als auch einen ausgereifteren Markt. Letzteres kann man allerdings nur schwer aktiv beeinflussen. Während man höhere Börsenstandards für zentral agierende Börsen in mehreren Monaten schaffen kann, wird es noch einige Jahre dauern, bis der Kryptomarkt gereift ist.

Wer nicht zu den großen Fischen mit Insiderwissen oder besonderen Kontakten gehört, sollte sich also gut überlegen, ob Daytrading im Kryptomarkt eine gute Idee ist. Kaufen und liegen lassen könnte also nicht nur aus steuerlichen Gründen eine sinnvolle Anlagestrategie sein.

BTC-ECHO

Aufgepasst: Der Kryptokompass ist das erste digitale Magazin für digitale Währungen und Blockchain-Assets. Er liefert dir monatlich exklusive Einschätzungen, spannende Insights und umfassende Analysen zur aktuellen Lage an den Blockchain- & Krypto-Märkten. Nur jetzt und nur solange der Vorrat reicht: Im Abo inkl. GRATIS Bitcoin-T-Shirt

 

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Blockchain-Lobbyismus zwischen Berlin, Brüssel und Washington – Warum jetzt ein anderer Wind weht
Blockchain-Lobbyismus zwischen Berlin, Brüssel und Washington – Warum jetzt ein anderer Wind weht
Kommentar

Mit dem Einzug von Konzernen in die Krypto-Wirtschaft ändert sich auch das politische Umfeld. Während die Start-up-Szene zu fragmentiert und mit sich selbst beschäftigt ist, haben Konzerne eine klare politische Agenda, die sie mit Lobbyisten effektiv an die Politik adressieren. Was der Automobilverband mit Blockchain-Lobbyismus zu tun hat, woran es aktuell noch bei den Krypto-Verbänden mangelt und warum Start-ups Gefahr laufen, von den Konzerninteressen ausgebootet zu werden.

Konzern-Kryptowährungen: Nach Facebook erhöht nun Walmart den Druck auf die Politik
Konzern-Kryptowährungen: Nach Facebook erhöht nun Walmart den Druck auf die Politik
Kommentar

Nachdem die erste Welle an kontroversen Diskussionen um die Facebook-Kryptowährung Libra vorbeigezogen ist, meldet sich nun ein weiterer Konzern mit Krypto-Plänen. So hat der US-Handelsriese Walmart ein Patent eingereicht, bei dem es um die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung geht. Welche Motive dabei eine Rolle spielen, wie die Chancen auf Zulassung stehen und inwiefern das Vorhaben Einfluss auf den Krypto-Sektor nimmt.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Älteste Bank Koreas nutzt Blockchain
Älteste Bank Koreas nutzt Blockchain
Tech

Die älteste Bank Südkoreas entwickelt eine Sicherheitsstrategie auf Basis der Blockchain-Technologie. Die Shinhan Bank ging dazu eine Kooperation mit zwei weiteren Unternehmen ein. Mit Ground X beteiligt sich auch die Tochterfirma des Messenger-Marktführers in Korea daran. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die Entwicklung eines Private Key Management Systems für Kunden.

„Satoshi“ offenbart sich – Was ist von „The Reveal“ zu halten?
„Satoshi“ offenbart sich – Was ist von „The Reveal“ zu halten?
Szene

Laut Ivy McLemore tritt Satoshi nun an die Öffentlichkeit. In drei Artikeln soll der Erfinder von Bitcoin sich offenbaren. Wirklich glaubhaft wirkt das alles jedoch nicht, sodass man eher von einem seltsamen PR-Gag ausgehen kann.

Alibaba reicht Patent für Blockchain-Domains ein
Alibaba reicht Patent für Blockchain-Domains ein
Krypto

Alibaba reicht ein US-Patent für das Blockchain-System UBCDN ein. Das System soll Informationen vertrauensvoll kennzeichnen und verteilen. Ferner soll UBCDN übergreifend mit anderen Blockchain-Systemen funktionieren.

Pfizer: Pharma-Riese startet Blockchain-Projekt
Pfizer: Pharma-Riese startet Blockchain-Projekt
Blockchain

Der Pharma-Riese Pfizer und Biogen leiten eine gemeinsame Organisation: die Clinical Supply Blockchain Working Group (CSBWG). Die gemeinsame Arbeitsgruppe startet nun ein Proof-of-Concept-Projekt für die Optimierung der pharmazeutischen Lieferkette.

Angesagt

Das Regulierungs-ECHO – USA will Bitcoin-Steuersündern an den Kragen
Regierungen

Während das Klima in Neuseeland zunehmend krypto-freundlicher wird, schauen die Behörden in den USA künftig genauer hin. Es ist wieder viel passiert in Sachen Krypto-Regulierung.

Jenseits der 51-Prozent-Attacke: Angriffe auf Bitcoin & Co.
Wissen

Spricht man über Angriffe auf Bitcoin und andere Kryptowährungen, fällt schnell der Begriff 51-Prozent-Attacke. Sicherlich ist diese besonders schlimm, da damit unter anderem Double-Spending-Attacken möglich sind. Doch auch ohne das Neuschreiben von Blöcken kann man Bitcoin & Co. schaden.

Bitcoin und traditionelle Märkte: Im Gleichschritt mit Gold
Märkte

Bitcoins Performance steht aktuell über der von Gold. Die Volatilität ist wieder unter 4 Prozent gefallen. Diese positiven Entwicklungen werden von einer geringen Korrelation zu den übrigen Märkten begleitet.

Die Top Bitcoin- und Blockchain-News der Woche
Kolumne

Der Bitcoin-Kurs rutscht nervös zwischen verschiedenen Markern hin und her und alle fragen sich: Warum? Der BTC-ECHO-Newsflash. Alles, was du letzte Woche verpasst hast.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene:

Neue Ausgabe: Das Kryptokompass Magazin inkl. Bitcoin-T-Shirt GRATIS!