Gartner-Studie: Alte Strukturen stehen Blockchain-Adaption im Weg

Tim Stockschlaeger

von Tim Stockschlaeger

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Tim Stockschlaeger

Tim Stockschläger hat Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig studiert. Nach dem Studium hat er zunächst für die Deutsche Bank gearbeitet und ist nun freiberuflicher Autor und Berater.

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Quelle: Digital revolution

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Die Blockchain hat es hoch und runter über alle Nachrichtenkanäle geschafft. Doch es setzen nur sehr wenige Branchen und Unternehmen auf die Technologie. Eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Gartner zeigt, wie wenige es tatsächlich sind.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Eine klassische Argumentationskette auf verschiedenen Konferenzen ist der Fokus auf Blockchain-Projekte, die nichts mit Kryptowährungen zu tun haben. Häufig wird in derartigen Vorträgen Bitcoin als notwendiger erster Versuch gesehen, wirkliche Innovation sei jedoch erst in der Blockchain (oder Distributed Ledger)-Technologie für Unternehmen zu finden. Während Bitcoin und andere Kryptowährungen weltweit genutzt werden, stellt sich jedoch die Frage, wie weit die Entwicklung von Anwendungsfällen für die Blockchain in Unternehmen vorangekommen ist.


Die Analysten befragten dazu über 3.100 CIOs (Chief Information Officer) großer Unternehmen in fast 100 Ländern. Nur rund ein Prozent der befragten CIOs geben an, die Blockchain-Technologie bereits im Unternehmen einzusetzen. Immerhin planen rund 22 Prozent den Einsatz der Technologie auf kurze oder lange Frist. Der mit 43 Prozent größte Teil ist zwar grob mit den Vorteilen vertraut, plant aber bislang keine Verwendung der Blockchain im eigenen Unternehmen. Ein überraschend großer Teil von 34 Prozent der befragten CIOs gibt an, „kein Interesse“ an dem Thema zu haben. Insgesamt sehen also rund 77 Prozent der Unternehmen selbst längerfristig keinen Bedarf.

Einzig in der Finanz-, Telekommunikations- und Versicherungsbranche sehen die Entscheider den Nutzen der Blockchain deutlich positiver. Sie treiben die Entwicklung aktiv voran. Die Blockchain unterstützt diese Unternehmen dabei, veraltete Geschäftsmodelle zu verschlanken und effizienter zu gestalten. Andere Unternehmen stehen der jüngsten digitalen Veränderung noch sehr skeptisch gegenüber. Die dezentrale Idee hinter der Blockchain ist für klassische Unternehmen eine bislang ungewohnte und einschneidende Veränderung.

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Firmen können nicht einfach in ihren alten Strukturen stecken bleiben. „Die Blockchain Technologie verlangt tiefgehendes Verständnis von Aspekten der Sicherheit, Gesetzgebung, Tauschwerte, dezentrale Führung, prozessuale und kommerzielle Architektur,“ erklärt David Furlonger. Er merkt an, dass die silohaften Strukturen von heute mit der Technik von morgen nicht mehr zusammenpassen.

Einige Branchen erkennen langsam das Potenzial

Langsam erkennen weitere Branchen wie die Logistikbranche oder das Supply Chain Management das Potenzial der Technologie. Das Unternehmen SAP hat vor einiger Zeit derartige Use-Cases entwickelt. Die Logistiker können Frachtdokumente digitalisieren und den Vorgang komplett digital und papierlos abwickeln. In Verbindung mit dem Internet-of-Things (IoT) lassen sich Sendungen bequem über den Globus in Echtzeit verfolgen. Verbraucher kennen die Vorzüge von ihren Paketdiensten. Im Business-to-Business-Kontext warten Kunden hingegen noch auf solche digitalisierten Prozesse. Diese Effizienzsteigerungen wirken sich positiv auf die Qualität und Lieferzeiten in der Supply Chain aus.

In den nächsten Monaten spielt die Psychologie eine wichtige Rolle. Viele Unternehmen wollen nicht den ersten Schritt machen und bleiben in Lauerstellung: Wie verhält sich der Wettbewerb und welche Branchen setzen auf die Blockchain? Der zurückhaltende Modus muss dabei gar nicht zum Nachteil der Unternehmen sein, wie David Furlonger erklärt. Würden Unternehmen verzweifelt auf Biegen und Brechen versuchen, Blockchain-Anwendungen in ihre Firma zu integrieren, könne dies mehr schaden als helfen.

Die Technologie ist jung und die Erfahrungen in dem Bereich sind gering. Wer sich jetzt die Hände mit einer größeren Investition verbrennt, könnte einer sonst sehr sinnvollen Technologie in Zukunft kritisch gegenüberstehen. Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Die Beliebtheit der Blockchain ist in den vergangenen Monaten explosionsartig gestiegen. Mit der wachsenden Nachfrage konnte das Angebot an Entwicklern nicht mithalten. Die Studie belegt, dass Unternehmen in Zukunft kräftig um Mitarbeiter mit Know-how auf dem Gebiet werben müssen. Spätestens wenn die Blockchain eines Tages vermehrt Einzug in die Unternehmenswelt hält.

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