G20-Rückzieher: Krypto doch kein Thema?

Das Thema Kryptowährungen und deren Regulierung wird vorerst keinen Platz auf der Agenda der G20-Nationen erhalten. Laut dem Financial Stability Board ist die Relevanz von Kryptowährungen noch zu gering, um eine wirkliche Bedrohung für die globale Finanzmarktstabilität darzustellen. Dieser Schritt ist eine Überraschung, hatten doch mehrere G20-Staaten für eine gemeinsame Regulierung plädiert.

Mit Spannung war das Treffen der Finanzminister und Zentralbanker der G20 im Vorfeld des diesjährigen Gipfels in Buenos Aires erwartet worden. Verschiedene G20-Mitgliedsstaaten hatten angeregt, das Thema Kryptowährungen auf die Agenda dieses Treffens zu setzen. Die Finanzminister Deutschlands und Frankreichs etwa hatten sich im Januar dazu beraten, eine gemeinsame Regulierung der G20 zu initiieren. Auch Japan hatte noch in der vergangenen Woche gemeinsame Standards eingefordert.

Diese Forderungen hat Mark Carney, dem Präsidenten des Financial Stability Boards, nun jedoch von der höchsten G20-Stelle zurückgewiesen . Eine stärkere Regulierung von Kryptowährungen bei dem Treffen der G20-Finanzminister werde nicht ins Auge gefasst. In einem Brief an die betreffenden Finanzminister und Zentralbanker drückte Carney aus, dass Kryptowährungen „momentan keine Gefahr für die weltweite Finanzsicherheit darstellen“.

Bedeutung von Kryptowährungen zu gering?

Carney begründet die Einschätzung des Financial Stability Boards zur Regulierung von Kryptowährungen mit dem geringen Anteil am globalen Finanzsystem. Auf der Höhe der Marktkapitalisierung im Dezember betrug dieser gerade mal 1 % des globalen BIP.

„Ihre geringe Größe und die Tatsache, dass sie kein Ersatz für Währungen sind und nur sehr begrenzt für Realwirtschaft und Finanztransaktionen genutzt werden, hat dazu geführt, dass die Verbindungen zum Rest des Finanzsystems begrenzt sind“,

so Carney.

Das Financial Stability Board ist die höchste von den G20-Staaten ins Leben gerufene internationale Finanzinstitution. Es ist dafür zuständig, das globale Finanzsystem zu überwachen. Damit fällt es dem Board zu, Gefahren für das Finanzsystem zu identifizieren und zu benennen. Unter anderem sind die Weltbank und die Europäische Zentralbank Mitglieder des Financial Stability Boards.

Die Finanzminister und Zentralbanker treffen sich am Montag und Dienstag, um unter anderem über das Thema Kryptowährungen zu beraten. Inwieweit man sich auf einen gemeinsamen Ansatz zur Regulierung einigen wird, wird sich zeigen. Durch den Vorstoß des Financial Stability Boards ist eine Einigung jedoch nicht gerade wahrscheinlicher geworden.

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Über Tobias Schmidt

Tobias SchmidtTobias Schmidt ist seit August 2017 als Redakteur im Team von BTC-ECHO tätig. Sein Studium hat er im Fach Politik und Wirtschaft an der Universität Münster mit dem Bachelor abgeschlossen und war während seines Studiums zudem am Lehrstuhl als studentische Hilfskraft tätig. Darüber hinaus sammelte er berufliche Erfahrungen in der parlamentarischen Arbeit und in der strategischen Kommunikation, bevor er in das journalistische Fach wechselte. Seit 2017 widmet er sich der Blockchain-Technologie, wobei er sich insbesondere auf die vielen verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fokussiert.