Facebook & Co.: Warum jeder Messenger-Dienst zukünftig zu einer Krypto-Bank wird

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Facebook & Co.: Warum jeder Messenger-Dienst zukünftig zu einer Krypto-Bank wird

Zwei Nachrichten aus dem Hause Facebook stimmten diese Woche nachdenklich. Zum einen äußerte Mark Zuckerberg, dass er die Zukunft in Messenger-Diensten sieht und weniger in Social Media. Zum anderen wurden die Pläne einer eigenen Kryptowährung konkretisiert. So soll der zu Facebook gehörende Messenger-Dienst WhatsApp bereits im Sommer seine eigene Kryptowährung herausgeben. Was diese Schritte mit dem Big Picture von Facebook und einem neuen globalen Finanzwesen zu tun haben.

Neben Facebook und den dazugehörigen Diensten WhatsApp und Instagram haben auch andere Dienstleister bereits Token herausgegeben oder arbeiten aktuell daran. Ganz gleich, ob es der Messenger-Dienst Telegram mit seinem gigantischen ICO von 1,7 Milliarden US-Dollar ist oder die Dienste Signal oder Kik. Doch warum? Was motiviert alle größeren Messenger-Dienste dazu, eigene Token herauszugeben?

Telekommunikation ist nett, Banking ist besser

Die Dienste aus dem Hause Facebook erreichen mit knapp drei Milliarden Usern fast die Hälfte der Weltbevölkerung (7,3 Milliarden). Das ist ungefähr so, als würde man alle Telekommunikations- und Postunternehmen der Welt fusionieren – nur besser. Welchen Einfluss Facebook damit nehmen kann, ist hinlänglich bekannt und wurde durch Datenskandale wie Cambridge Analytica ausführlich diskutiert.

Angenommen Facebook schafft es nun, an seinen Social-Media- und Telekommunikationsdienst ein Bankgeschäft anzuschließen, dann würde das unser gegenwärtiges Finanzsystem enorm disruptieren und Facebook noch einflussreicher machen. Schließlich gibt es keine Bank auf der Welt, die drei Milliarden Kunden hat und noch viel wichtiger: Ihre Kunden so gut kennt.

Bereits heute können in den USA und einigen anderen Ländern Nutzer via Facebook Geld an ihre Freunde versenden. Ohne Token, sondern durch Hinterlegung der Kreditkarte. Dass Facebook also durchaus an Finanztransaktionen interessiert ist, ist kein Geheimnis. Genauso wie auch andere große Plattformen, insbesondere Google oder Amazon, an Bezahldienstleistungen arbeiten. Der Trend ist klar: Die Web-2.0-Plattformen möchten die Banken von morgen werden. Was fehlt, ist vor allem eine passende Infrastruktur und Finanztransaktionsabwicklung, die nicht über die klassische Bankeninfrastruktur, insbesondere SWIFT, läuft.

Mark Zuckerbergs Andeutungen in der New York Times


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Zu diesem Big Picture passt auch das Interview, das Mark Zuckerberg kürzlich der New York Times gegeben hat. So äußerte er auf die Frage, wie sich mit der neuen Fokussierung auf Messenger-Dienste Geld verdienen lässt:

Es gibt jede Menge Geschäftsmöglichkeiten, insbesondere in Entwicklungsländern. Es können mehr private Werkzeuge rund um den Aufenthaltsort der Leute entwickelt werden.

Zu diesen Geschäftsmöglichkeiten in Entwicklungsländern dürften vor allem Finanzdienstleistungen gehören. Schließlich besitzen viele Menschen in Entwicklungsländern kein Bankkonto und können somit nur eingeschränkt zur Wertschöpfung Facebooks beitragen. Genau an dieser Stelle kommt nun die Krypto-Ökonomie ins Spiel. Diese funktioniert auch ohne eine Bankeninfrastruktur. Jeder Mensch mit einem Smartphone kann via Token-System Teil der globalen Wertschöpfung werden, auch der von Facebook.

Gerade dort wo die Menschen „underbanked“ und nicht wie in Europa oder den USA „overbanked“ sind, können die Plattformgiganten schnell in das noch kaum erschlossene Finanzwesen eindringen und Marktanteile gewinnen.

Ebenfalls naheliegend sind da auch die Beurkundungen des Facebook-Chefs, mehr auf Privatsphäre und verschlüsselte Kommunikation zu setzen. So schrieb Mark Zuckerberg diesen Mittwoch, dem 6. März:

Ich glaube, dass die Kommunikation sich in der Zukunft zunehmend auf vertrauliche, verschlüsselte Dienste verlagern wird, in denen die Menschen sich darauf verlassen können, dass das, was sie einander mitteilen, sicher bleibt.

Nicht umsonst gibt es das Bankgeheimnis, das für eine möglichst hohe Privatsphäre sorgen soll. Eine Fokussierung auf einen höheren Schutz der Privatsphäre würde also mit der Schwerpunktsetzung auf Finanzdienstleistungen hervorragend korrespondieren.

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Angesicht der rasanten Digitalisierung erscheint es immer wieder wie ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten: Bankarbeitstage. Überweist man an einem Samstag bzw. schon an einem Freitagnachmittag Geld, dann wird dieses dem Empfänger frühestens am Montag gutgeschrieben. Nicht nur die Menschen haben am Wochenende frei, sondern auch die Finanzkommunikation, also die Abwicklung von Finanztransaktionen. Wenn man hingegen eine E-Mail an einem Samstag, Sonntag oder Feiertag verschickt, kommt sie genauso schnell oder langsam an wie an einem normalen Werktag. Anders bei Überweisungen. Vor 20 Jahren mag das absolut verständlich gewesen sein, aber im Jahr 2019 drängt sich hier doch ein gewisser Unmut auf.

Genau wie durch Bitcoin bereits geschehen, dürfte sich dies nun auch mit den Messenger-Diensten ändern. Durch die angestrebte Token-Integration, kann auch an einem Samstagnachmittag via WhatsApp, Instagram etc. mal eben Euro oder US-Dollar im Token-Äquivalent versendet werden. Sollte hierbei die Benutzerfreundlichkeit weiter ausgebessert werden, dann dürften diese Bezahl- und Transaktionsvarianten auch deutlich bequemer sein, als Kreditkarten zu hinterlegen und IBAN-Nummern einzutippen.

Taschengeld via Facebook Stable Coin: Wenn aus 50 US-Dollar 50 Token-US-Dollar werden

Eine Banküberweisung unterscheidet sich im Grunde kaum von einer Facebook-Nachricht. Schließlich ist die globale Abwicklungsstelle für Finanztransaktionen SWIFT nichts weiter als eine Telekommunikationsorganisation mit einer speziellen Finanzinfrastruktur. Entsprechend geht es vor allem darum, die Infrastruktur zu verändern, ähnlich wie es beispielsweise auch das Blockchain-Unternehmen Ripple macht.

Schafft man hier den Wechsel zu einer Krypto-Infrastruktur, dann kann der Nutzer auch ohne aufwendige Transaktionsstandards und Bankkonto Geld versenden und Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen. So ist es am Ende vor allem die Lösung des Double-Spending-Problems, wie sie Bitcoin hervorgebracht hat, die dazu führt, dass nun auch private und nicht dezentrale Unternehmen oder Organisationsstrukturen Gefallen an der Token Economy gefunden haben. Dem Widerspruch zur dezentralen Krypto-Ökonomie zum Trotz.

Auch wenn sich Facebook damit ein Stück weit unabhängiger von den Banken macht, indem es selbst zu einer Bank 2.0 wird: Die Abhängigkeit zur amerikanischen Geldpolitik bleibt. Schließlich möchte Facebook die geplante Kryptowährung vorerst an den US-Dollar koppeln. Das Geldmonopol der US-Zentralbank FED wird vom Social-Media-Monopolisten also (noch) nicht angefochten.

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