Die Eistee-Miner oder: Börsengewinne dank Blockchain

Vom Eistee zur Blockchain: Wie aus einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht SECvergangener dieser Woche hervorgeht, lässt der Eisteehersteller Long Blockchain seiner Ankündigung Taten folgen und ist derzeit im Begriff, sein Geschäft mit Mining aufzustocken. Mit chinesischer Infrastruktur aus dem Hause Bitmain folgt das Unternehmen damit dem im Dezember angekündigten Wechsel im Unternehmenskurs. Wie eine Vielzahl anderer hatte der Getränkeproduzent nicht nur angekündigt seine Geschäft ins Digitale zu verlagern, sondern diesen Wechsel auch namhaft markiert und damit den Startschuss eines regelrechten Börsensprits seiner Aktie entfacht.



Blockchain – Kaum eine Wortneuschöpfung scheint dieser Tage mehr Zukunftsgewandtheit, Esprit und innovativen Zeitgeist zu versprühen. Wo Blockchain drauf steht, das verkauft sich. Diese Erkenntnis aus dem vergangenen Jahr 2017 ist an vielerlei Unternehmen – ob Bank, Fintech oder Supermarktkette – alles andere als spurlos vorbeigegangen. Der Eisteehersteller Long Blockchain ist einer dieser Trittbrettfahrer. Nachdem der ehemals als Long Island Icetea bekannte Teehersteller im vergangenen Jahr die Namensänderung bekannt gegeben hatte, folgt nun der nächste Schritt im Buche der strategischen Neuaufstellung der New Yorker.

Wie aus einer Untersuchung der US-Börsenaufsicht Securities Exchange Commission SEC vom vergangenen Freitag, dem 5. Januar, hervorgeht, versorgt sich das Unternehmen derzeit mit 1.000 Bitcoin-Recheneinheiten des Typs AntMiner S9 des chinesischen Herstellers Bitmain. Damit sei der erste wichtige Schritt getan, heißt es aus Firmenkreisen.

“Wir sehen den Kauf als einen wichtigen und entscheidenden ersten Schritt im Zuge der Firmenausrichtung auf die Blockchain-Technologie. Der Start unserer Mining-Unternehmungen bringt uns auf Kurs, künftig mit der Anreicherung von bitcoin-blockchain-basierte Gewinne erzielen zu können“,

so Philip Thomas, Geschäftsführer von Long Blockchain Corp.

Mit Blick auf den künftigen Produktionsstandort gibt Long Blockchain derzeit nur an, in einem „nordischen Land“ Fuß fassen zu wollen. Dennoch halten sich Spekulationen, ob etwa aufgrund der niedrigen Energiepreise gerade Island das gelobte Land der unternehmerischen Neuerfindung werden könnte.

Nebenbei wolle man jedoch weiter am ikonenhaften Markennamen und der dazugehörigen Getränkesparte der Firma festhalten.

Damit verleiht das Unternehmen seinem Vorhaben, sich geschäftlich künftig der Blockchain-Technologie zu widmen, nun erstmalig Gestalt. Geschäftsführer Thomas hatte diese Änderung des Firmenkurses zuvor als einmalige Chance beschrieben.

Kursgewinne dank Namensänderung

Im Zuge der Neuausrichtung und der damit einhergehenden Namensänderung in Long Blockchain war dem Unternehmen an der amerikanischen Börse NASDAQ zudem ein bemerkenswerter Coup gelungen.

So ging der Kurs der Firmenaktie nach der Umbenennung von knapp zwei auf rund neun Dollar durch die Decke und schnupperte ungeahnte Höhenluft. Insgesamt gelang der Aktie ein Kursplus von fast 450 % – allein auf Grundlage unbestimmter, in der Zukunft liegender Neuerungen.

Dabei ist der Fall Long Blockchain jedoch nur einer von vielen. Weltweit wird man momentan vermehrt  Zeuge strategischer Namensänderungen, Ankündigungen und Spekulationen rund um die vermeintlich zukunftsbestimmenden Begriffe Blockchain und Kryptowährungen. So konnte etwa das britische Internetunternehmen On-Line Blockchain allein mit dem Namenszusatz Blockchain seinen Aktienwert um 400 % steigern. Hierzulande gelang dem Brokerunternehmen Fritz Nols Ende Dezember ein ähnliches Kunststück. Zuvor hatte man angekündigt, Kryptowährungen mit ins Portfolio nehmen zu wollen.

Und der Trend setzt sich fort: Wie Bloomberg berichtet konnte allein in den ersten vier Tagen des Jahres in 110 Pressemitteilungen das Wort „Blockchain“ gefunden werden.

Damit steht fest – solange der Hype anhält, wird weiter spekuliert und an Börsen mit bloßen Worthülsen Geld verdient. Der Fall Long Blockchain wird also weitaus nicht der letzte Fall bleiben.

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Über David Barkhausen

David BarkhausenDavid Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben und berichtetet. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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