Dezentralität ist kein Selbstzweck: Warum Blockchain Mittelsmänner optimiert und (noch) nicht ersetzt

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Dezentralität ist kein Selbstzweck: Warum Blockchain Mittelsmänner optimiert und (noch) nicht ersetzt

Das Grundkonzept der Blockchain-Technologie ist die Dezentralität. Also eine Interaktions-Infrastruktur, die ohne zentralen Mittelsmann wie eine Bank, Behörde oder Internetkonzern funktionieren kann. Warum es dabei nicht zwangsläufig um die Abschaffung von Mittelsmännern geht, das Internet der Dinge die Blockchain-Adaption fördert und und sich Verbraucher in den nächsten Jahren auf massiv bessere Dienstleistungsangebote auch außerhalb von Blockchain-Plattformen freuen dürfen.

Die Blockchain-Disruption folgt einem einfachen Muster. Sie setzt bestehenden Konzepten die Dezentralität entgegen. So möchten Blockchain-Start-ups die Nutzer von Portalen wie Airbnb, Uber oder Facebook von ihrem dezentralen Pendant überzeugen.

Nutzer sollen die Hoheit über ihre Daten zurückbekommen. Internetgiganten dürfen, so das Blockchain-Narrativ, die Daten nicht länger im Alleingang verifizieren, sammeln und monetarisieren. Diese Re-Dezentralisierung hat allerdings einen entscheidenden Nachteil. Gegenwärtig ist sie gegenüber den zentralen Angeboten kaum wettbewerbsfähig. Blockchain-Protokolle kommen in puncto Nutzerfreundlichkeit und Netzwerkeffekt bisher nur unzureichend gegen die zentralisierte Konkurrenz an. Die zugehörigen Token dienen hauptsächlich der Spekulation.

Wenn ein Service nicht bequem ist, hat er keine Chance

Nutzerfreundlichkeit zählt bisweilen mehr als Datenautonomie. Für das Gros ist es zu verlockend, sich auf einer beliebigen Plattform über den Facebook-Login anzumelden, anstatt sich selbst um das Passwortmanagement im Sinne der Dezentralität zu kümmern.

Das heißt: Wenn Blockchain-Plattformen mehr Marktanteile gewinnen möchten, dann müssen sie auch Verbrauchernutzen stiften, der unmittelbar erlebbar ist. Dabei geht es vor allem um eines: Bequemlichkeit. Ohne eine einfache Nutzererfahrung ist man als Plattform chancenlos, wenn man die breite Masse der Bevölkerung erreichen möchte.


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Trotz des Wettbewerbsnachteils ist es auch als dezentrale Plattform nicht unmöglich, eine bessere Nutzerfreundlichkeit zu schaffen. Immer mehr Blockchain-Protokolle entwickeln bessere Angebote. Korrespondierend dazu nimmt die Krypto-Adaption in der Breite zu. Genau das zwingt die zentralen Plattformen sowie traditionellen Mittelsmänner, ihren Service weiter zu verbessern. Ihr Vorteil mag noch groß sein, dennoch ist er nicht uneinholbar.

Warum Blockchain schafft, was Politik vergebens versucht

Wenn Mittelsmänner nicht Gefahr laufen wollen, ihre breite Nutzerbasis langfristig an Blockchain-Alternativen zu verlieren, dann müssen sie mehr Datenautonomie zulassen. Auch müssen sie besseren Service bieten und ihre Gebühren senken. Hatten Plattformangebote bislang freies Feld und maximale Wertschöpfung, was den Zugriff auf „ihre“ Nutzerdaten angeht, haben sie nun durch Blockchain ein Konkurrenzangebot, das sie zum Einlenken zwingt.

Ohne mehr Privatsphäre und Partizipation wird es mit steigender Nutzerfreundlichkeit der Blockchain-Pendants immer schwieriger, das Quasi-Monopol zu halten. Während Regierungen und Staatenverbände wie die EU mehr oder weniger hilflos versuchen, die Macht der Internetgiganten zu begrenzen, sind es die neuen Blockchain-Akteure, die die Marktverhältnisse grundlegend ändern können.

Auf dem Weg zum Marktoptimum: Verbraucherwaffe Blockchain

Der erhöhte Wettbewerb führt dazu, dass schlechte Mittelsmänner aussortiert werden, während bestehende optimiert und neue geschaffen werden. Nimmt man schätzungsweise an, dass 90 Prozent aller Finanztransaktionen über Mittelsmänner abgewickelt werden, so könnte sich dieser Wert im Laufe der nächsten fünf Jahre auf 70 Prozent reduzieren.

Durch Optimierung dezentraler Anwendungen wie beispielsweise DeFi-Plattformen kann man Marktineffizienzen reduzieren und bestehende Marktverhältnisse optimieren. Unter anderem können so Geldtransferdienstleister wie Western Union oder Money Gram zu maximal besserem Kundenservice und Konditionen gezwungen werden. Diese alten Akteure haben keine andere Wahl, als ihr Geschäft deutlich stärker am Kundennutzen zu orientieren.


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Unmittelbar wird also der Verbrauchernutzen durch den erhöhten Wettbewerb und nicht durch die direkte Nutzung von Blockchain-Pendants verbessert. Noch eindrucksvoller zeigt sich dies, wenn traditionelle Mittelsmänner selbst dezentrale Aspekte der Blockchain-Technologie adaptieren. Dass Facebook oder Walmart an einer Kryptowährung arbeiten, ist ein erstes Zeichen von erhöhtem Wettbewerbsdruck durch Blockchain und eine stärkere Vermischung von zentralen und dezentralen Strukturen.

Auf den Mix kommt es an: Auch Blockchain braucht Mittelsmänner

Wenn man den Krypto-Idealismus beiseitelässt, dann geht es nicht um zentral oder dezentral, sondern um die beste Lösung für ein konkretes Problem. Dies kann dazu führen, dass man selbst in der nativen Blockchain-Ökonomie neue Mittelsmänner benötigt. Ein Beispiel dafür sind zentrale Verwahrstellen, die sich auf Blockchain-Investments spezialisiert haben.

Grundsätzlich hat jeder Mensch die Möglichkeit, seine Bitcoin oder Security Token eigenständig und ohne Mittelsmann zu verwalten. Allerdings möchte nicht jeder die volle Verantwortung dafür übernehmen oder darf es schlichtweg nicht, da man als institutioneller Investor an gesetzliche Auflagen gebunden ist. Aus diesem Grund entstehen aus der Krypto-Ökonomie heraus neue zentrale Verwahrstellen, beispielsweise Finoa oder Upvest aus Deutschland. Spezialisiert auf die sichere Verwahrung können sie eine zentralistisch organisierte Dienstleistung in einer dezentral funktionieren Ökonomie leisten.

Smarte Vernetzung und Internet der Dinge fördern Dezentralität

Ob eine dezentrale Lösung besser als eine zentrale Lösung ist, hängt vor allem von der Umgebung ab. Das beste Blockchain-Protokoll liefert keinen Nutzen, wenn es keine sinnvollen Schnittstellen zur Außenwelt bzw. anderen System gibt. Ohne ein funktionierendes Ökosystem, gibt es kein wirtschaftlich funktionierenden Use Case.

Eine Veränderung des Ökosystems zu Gunsten dezentraler Lösungen zeichnet sich unter anderem durch das Aufkommen von internetfähigen Endgeräten ab. Desto mehr verteilte IoT-Geräte miteinander kommunizieren und vernetzt sind, desto eher braucht es Infrastrukturen, die diese dezentrale Verteilung auch abbilden können. Aufgrund des sogenannten Single Point of Failure sind hier zentrale Infrastrukturen im Nachteil. Auch braucht es Blockchain-Infrastrukturen, die Smart Contracts und damit automatisierte, maschinelle Transaktionen ermöglichen.


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Ebendieser Umstand führt dazu, dass perspektivisch dezentrale Anwendungen stärker nachgefragt werden als zentrale. Dies liegt aber nicht per se an der Blockchain-Technologie selbst, sondern an den externen Rahmenbedingungen, die sich zu Gunsten dezentraler Infrastrukturen verändern.

Neue Werkzeuge: Blockchain & Dezentralität

Die Blockchain-Technologie ist ein neues Werkzeug im großen Werkzeugkasten der Technologien. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie Verbrauchern wie Unternehmen durch ihre Dezentralität eine Wahlmöglichkeit bietet, die vorher nicht existierte.

War der Einzelhandelskonzern Walmart bislang gezwungen, mit Kreditkartenanbietern und Banken zusammenzuarbeiten, kann er mithilfe der Blockchain-Technologie nun sein eigenes Zahlungsnetzwerk aufsetzen. Anstatt mehrere Milliarden US-Dollar an Transaktionsgebühren an MasterCard & Co. zu zahlen, kann, sofern die Gesetzgebung mitspielt, Walmart ein eigenes Abwicklungssystem entwickeln. Es sind also nicht nur die Verbraucher, sondern auch die traditionellen, zentralistisch organisierten Konzerne, die ihre Position als Mittelsmann durch Reduzierung anderer Mittelsmänner verbessern.

Dieses Beispiel zeigt, dass der Prozess der Dezentralisierung alles andere als linear verläuft und auf verschiedenen Mikro- und Makroebenen stattfindet. Vermeintliche Widersprüche ergeben sich, wenn Intermediäre eine Dezentralisierung durchführen wollen. Ein Phänomen, das sich in der Digitalisierung unserer Ökonomie immer stärker beobachten lässt.

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