Blockchain im Gesundheitswesen – Minister Spahn zögerlich

David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

David Barkhausen

David Barkhausen hat als freier Journalist bereits für mehrere Tageszeitungen, Funk, Fernsehen und nebenbei seinen eigenen Blog geschrieben. Seit 2017 widmet sich der Master-Student der Politikwissenschaften der Universität Heidelberg dem Themenkomplex Blockchain. In diesem Zusammenhang fokussiert er sich vor allem auf die Bereiche Regulierung, Gesellschaft und Wirtschaftspolitik.

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Gesundheitsminister Jens Spahn ist zögerlich, was die Anwendung der Blockchain-Technologie im Gesundheitsbereich angeht. Auf der Start-up-Messe Cube Tech Fair in Berlin unterstreicht er, es gelte die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben. Dennoch müsse man neue Technologien wie die Blockchain zunächst genau verstehen. Wie die Technologie im Gesundheitswesen Anwendung finden kann, beweisen indes zahlreiche Start-ups und Jungunternehmen der Branche.

Als Innovationstreiber wird der Blockchain nachhaltige Wirkung auf umfassende Bereiche des Alltags zugeschrieben. Diagnosen, vernetzte Patientendaten, Rezepte – auch das Gesundheitswesen verspricht sich viel von den Möglichkeiten der Digitalisierung. Vor allem Blockhain-Technologie und Smart Contracts könnten bei diesen Vorhaben helfen, sind sich Entwickler und Experten sicher.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hingegen gibt sich auf der Start-up-Messe Cube Tech Fair in dieser Woche mit Blick auf kommende Blockchain-Adaption zögerlich. Er wolle lieber abwarten und neue Technologien genau verstehen, bevor diese zum Einsatz kommen.

Zwar gelte es, der langsamen Entwicklung im Gesundheitssektor möglichst bald zu begegnen. Die neuen Technologien, die Spahn aus seiner Zeit als Staatssekretär im Finanzministerium kennt, seien dafür jedoch nur mit Vorbehalt geeignet.

 „Bei Fintech und im Gesundheitsbereich haben wir einiges an Veränderung gesehen. Wir sollten versuchen, die Blockchain zu verstehen und dann Einsatzmöglichkeiten suchen“,


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so der als Provokateur geltende Spahn.

Vielmehr müsse man sich fragen, welche Verbesserungspotentiale Blockchain-Anwendungen im Detail hätten. Bisher jedoch gebe es wenig Konkretes in deren Dunstkreis – dafür jedoch viel Hype und Gerede um die Technologie.

Digitalisierung des Gesundheitssektors hinkt

Während sich das Bundesgesundheitsministerium grundsätzlich viel von den Möglichkeiten der Digitalisierung des Gesundheitswesens verspricht, hinkt die Branche mit Blick auf die Effizienz digitaler Datenauswertung.

Zwar ist seit 2015 ist das sogenannte E-Health-Gesetz in Kraft – es soll „die Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung nutzen und eine schnellere Einführung medizinischer Anwendungen für die Patientinnen und Patienten ermöglichen“ – viel jedoch hat sich bisher in dem Bereich nicht getan.

Die elektronische Gesundheitskarte etwa, die Berichten zufolge 14 Jahre Planung und 1,2 Milliarden Euro geschluckt haben soll, steht momentan vor dem Aus. Spahn hält die stockende Entwicklung der Karte, die künftig sämtliche Patientendaten bündeln soll, für „inakzeptabel“.

Dennoch unterstreicht er am Dienstag eine Botschaft:

„Wir müssen uns schneller bewegen als bisher. Der öffentliche Sektor ist zu langsam.“

Künftig will er Bürgern stattdessen alle staatlichen Digitalangebote, so auch Gesundheitsdienste, über eine zentrale Authentifizierung ermöglichen. Dies stößt wiederum bei den Ärzten auf Ablehnung, berichtet die FAZ. Weitere Möglichkeiten sieht der Minister im Bereich mobiler Smartphone-Dienste und Apps.

Blockchain im E-Heath-Sektor

Dass Spahn bei seiner Tempoinitiative jedoch durchaus Unterstützung im Bereich von Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologien finden könnte, dies zeigen nicht nur Unternehmen, die sich auf den Sektor spezialisiert haben. Zudem ist es – wie so oft – Blockchain-Fackelträger Estland, das sein Gesundheitswesen mithilfe der Distributed-Ledger-Technologie absichert. 95 Prozent der estnischen Gesundheitsdaten und nahezu alle Rezeptverschreibungen ruhen hier auf der Blockchain.

Potentiale der Blockchain-Adaption sehen Experten zudem etwa in der Verhinderung gefälschter Medikamente, in der Krankenhauslogistik beispielsweise zur Verfolgung von Lieferketten und bedarfsgerechter Lagerstände oder etwa in der autonomen Kontrolle von Herzschrittmachern.

Blockchain-Killer Datenschutz?

In Anbetracht dessen ist der Appell von Branchenvertretern, wie Dimitra Papadopoulou vom E-Health-Start-up meHealthX in Berlin am Dienstag deutlich. Sie arbeitet mit ihrem Unternehmen an einer Blockchain-Plattform für mobile Gesundheitsdaten. Ihre App soll Patienten künftig unter anderem die Vernetzung von persönlichen Körperdaten mit Diagnosemöglichkeiten und Ärzten bieten.

Damit den Technologien der Durchbruch gelänge, brauche es mehr Unterstützung vom Gesundheitsministerium – denn die Zukunft stehe auf der Türschwelle.

„Die Frage ist nicht, ob KI und die Blockchain kommen werden. Sie sind längst da.“

Noch jedoch räumt die Gesetzgebung Blockchain-Piloten und entschiedenerem Engagement keine Steine aus dem Weg. So hängen etwa die Hürden aufgrund von Datenschutzbedenken derzeit noch hoch. Ohne entschiedene politische Unterstützung werden die Vorhaben der Branche demnach nicht gelingen – und diese winkt Spahn in dieser Woche ab.

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