Altcoin-Marktanalyse: Gesamt-Marktkapitalisierung fällt unter 200 Milliarden US-Dollar

Stefan Lübeck

von Stefan Lübeck

Am · Lesezeit: 9 Minuten

Stefan Lübeck

Stefan Lübeck arbeitet als freiberuflicher Analyst für BTC-ECHO. Stefan ist seit über einem Jahrzehnt Trader und Chartanalyst am klassischen Markt und weiterte seine Analysen Mitte 2017 auf den Kryptomarkt aus. Der studierte Soziologe kann somit auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der charttechnischen Analyse zurückgreifen, welche er als aktiver Daytrader für sich nutzt.

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Sollte es wirklich wieder zu einem Bärenmarkt kommen wird es mit neuen Aufstiegen von Bitcoin und den Altcoins schwer.

Quelle: Shutterstock

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Diese Woche war bestimmt von starken Abschlägen im Gesamtmarkt. Alle Top-10-Kryptowährungen erleiden teils sehr starke Kursrückgänge. Insgesamt weisen 95 der 100 größten Altcoinwährungen Preisabschläge von bis zu 30 Prozentpunkten auf.

Nachdem die Marktkapitalisierung des Altcoin-Gesamtmarkts schon in der Vorwoche am Unterstützungsbereich bei 225 Milliarden US-Dollar notierte, sackte die Kapitalisierung auf aktuell 186 Milliarden US-Dollar ab. Auf Wochensicht bedeutet dieses einen Kursabschlag von 18 Prozentpunkten. War es in den letzten Wochen noch primär die Schwäche der Leitwährung Bitcoin, breitete sich die Schwäche in dieser Woche auf sämtliche Top-10- und Top-100-Altcoins aus.

Neben der Leitwährung Bitcoin mit einem Abschlag von 15 Prozent verlieren auch alle anderen Top-Währungen stark an Wert. Einzig Ripple kann sich geringfügig besser behaupten und verliert mit 12 Prozent Kurskorrektur weniger stark als Bitcoin. Sämtliche anderen Top-10-Altcoins verlieren hingegen teilweise mehr als 20 Prozent an Wert. Der Verlierer der Woche Eos weist gar einen Abschlag von 23 Prozentpunkten aus. Auch das Schlusslicht der Vorwoche, Bitcoin Cash, Litecoin sowie der Binance Coin weisen Kurseinbrüche von mehr als 20 Prozent auf.

Blick auf die Marktkapitalisierung

Gesamte Marktkapitalisierung fiel in den Keller.

Gesamtmarktkapitalisierung auf Basis von Werten von Cryptocap dargestellt


Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Altcoins verliert diese Woche abermals stark an Wert und generierte damit ein neues 4-Wochen-Tief. Die bearishe Auflösung der Dreiecksformation entfaltet damit eindrucksvoll seine Kraft. Die Kapitalisierung des Gesamtmarkts fiel in der Spitze auf 177 Milliarden US-Dollar und notiert aktuell bei 186 Milliarden US-Dollar. Wie bereits vermutet haben die Bären das Zepter wieder fest in der Hand. Der Aufgabe der psychologisch wichtigen 200-Milliarden-US-Dollar-Marke führte zu einem starken Rückgang der Gesamtmarktkapitalisierung und aktiviert damit neue Kursziele auf der Unterseite.

Entscheidend wird es in den kommenden Tagen sein, ob der Bereich um 170 Milliarden US-Dollar Halt geben kann. Schaffen es die Bullen nicht, den Gesamtmarkt zeitnah wieder über die 205 Milliarden US-Dollar hochzukaufen, wird ein Anlaufen der Unterstützung im Bereich von 133 Milliarden US-Dollar wahrscheinlich. Dafür muss die Leitwährung Bitcoin zwingend oberhalb der 6.600-US-Dollar-Marke einen Boden ausbilden. Durch seine hohe Dominanz entscheidet Bitcoin weiterhin über die Entwicklung des Gesamtmarkts in der kommenden Zeit. Weitet sich die Schwäche des Bitcoins aus, und die Käufer kommen nicht zeitnah zurück in den Markt, ist ein bearisher Winter unausweichlich.

Beste Kursentwicklung unter den Altcoins: Ripple (XRP)

Auch der beste Altcoin aus den Top 10 performte eher schwach.

Kursanalyse auf Basis des Wertepaares XRP/USD auf Bitfinex

Ripple kann sich dem Abwärtssog des Gesamtmarkts nicht entziehen, fällt jedoch drei Prozentpunkte weniger als Bitcoin. Wie beim letzten Abverkauf Ende September dieses Jahres, scheint die graue Unterstützungszone bei 0,22 US-Dollar vorerst Halt zu geben. Aktuell notiert der XRP-Kurs bei 0.227 US-Dollar und damit wieder knapp oberhalb des letzten markanten Tiefs. Das Chartbild wirkt jedoch angeschlagen. Solange der Kurs nicht zurück über 0,245 US-Dollar steigt, ist ein Anlaufen des Jahrestiefs bei 0,212 US-Dollar wahrscheinlich. Hält diese Marke bei anhaltender Schwäche hingegen nicht, wären die Ziele im Bereich von 0,181 US-Dollar sowie 0,149 US-Dollar zu suchen. Erst von diesem Bereich aus ist mit einem Pullback in Richtung der 0,215 bis 0,222 US-Dollar zu rechnen.

Auch auf Wochensicht wirkt das Bild bearish. Mehrfach versuchte der Kurs, den exponentiell gleitenden Mittelwert der letzten 20 Wochen im Bereich der 0,30 US-Dollar zu durchbrechen, scheiterte aber 3 Wochen lang an diesem Widerstand. Seit Bruch der grünen Aufwärtstrendlinie beschleunigte sich der Abwärtstrend zusätzlich. Das Chartbild ist aus Sicht der Bullen daher als stark angeschlagen zu betiteln. Für risikobereite Anleger möchte ich dennoch einen Kauf auf der Long-Seite aufzeigen. Testet der Kurs von Ripple die Unterkante des Trendkanals, wäre hier ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis geboten. Der Kauf sollte gestaffelt ab 0,178 US-Dollar erfolgen. Der Stop-Loss ist bei 0,146 US-Dollar und die Take-Profits bei 0,225 US-Dollar und 0,262 US-Dollar zu setzen.

Indikatoren: Verkaufssignale auf Tages- und Wochensicht

Der RSI notiert mit 27 in stark bearishem Terrain, weist aber erste Überverkauft-Signale auf. Der MACD-Indikator ist ebenfalls bearish zu werten und zeigt aktuell weder Divergenzen noch erste Anzeichen für eine Erholung auf. Auf Wochensicht ist das Bild ebenso bearish. Der RSI zeigt mit einem Wert von 35 deutlich nach unten. Auch der MACD notiert im negativen Bereich und droht aktuell, ein frisches Verkaufssignal zu generieren.

Schlechteste Kursentwicklung unter den Altcoins: Eos (EOS)

Der EOS-Kurs ist dramatisch abgetaucht.

Kursanalyse auf Basis des Wertepaares EOS/USD auf Bitfinex

Die Kryptowährung Eos verliert diese Woche knapp 23 Prozent an Wert und notiert aktuell bei 2,50 US-Dollar. Damit hat der Kurs von Eos seit seinem 2019er-Hoch bei 8,65 US-Dollar um 72 Prozent korrigiert. Der Tiefstkurs diese Woche lag exakt auf dem Niveau des letzten markanten Tiefs vom 24. September 2019 bei 2,39 US-Dollar. Durchaus bemerkenswert ist der zeitliche Abstand zwischen den drei letzten Tiefs, die alle zeitlich ca. 30 Tage voneinander entfernt liegen. Noch scheint der Bereich zwischen 2,40 und 2,50 US-Dollar auf Kaufinteresse seitens der Bullen zu stoßen.

Von diesem Bereich wäre daher eine Erholung bis an die 3,05 US-Dollar sowie optimal bis zu 3,23 US-Dollar vorstellbar. Bricht der Preis von Eos hingegen durch den grünen Unterstützungsbereich, wäre das Ziel zunächst die Unterkante des Trendkanals bei 2,02 US-Dollar. Bei anhaltender Schwäche des Gesamtmarkts wäre ultimativ auch ein Test des Jahrestiefs aus dem Dezember 2018 bei 1,56 US-Dollar vorstellbar. Auch bei EOS bietet sich bei Anlaufen der 2-US-Dollar-Marke ein Trade auf der Long-Seite an. Der Kauf wäre gestaffelt zwischen 2,03 US-Dollar und 1,74 US-Dollar zu favorisieren. Der Stop-Loss wäre bei 1,52 US-Dollar und die Take-Profits bei 2,75 US-Dollar und 3,22 US-Dollar zu platzieren.

Indikatoren: Überverkauft, aber weiter schwach

Der RSI auf Tagesbasis schaffte es nicht, wieder in neutralere Gefilde anzusteigen und notiert aktuell bei 27. In der Vergangenheit konnte von diesem Niveau ausgehend schon mehrfach eine bullishe Erholung einsetzen. Der MACD-Indikator weist aktuell auch klare Verkaufssignale auf und notiert im negativen Bereich. Auf Wochensicht zeigt sich hingegen ein gemischtes Bild. Während der RSI nach unten zeigt und bei 37 notiert, versucht der MACD ein Kaufsignal zu genieren. Da der MACD-Indikator jedoch relativ gesehen ein Träger-Indikator ist, könnte der starke Kursabschlag das Signal wieder negieren. Damit würde gleichsam ein frisches Verkaufssignal generiert werden. Bei Eos dürfte es somit zeitnah zur Entscheidung kommen, ob Eos einen bearishen Winter erleben wird oder die Bullen das Ruder noch einmal herumreißen können.

Stabilität der Top 10

Die negative Entwicklung der Top-10-Altcoinwährungen setzt sich auch diese Woche fort. Alle zehn Kryptowährungen weisen zweistellige Kursabschläge auf. Die Bitcoinschwäche strahlt wie in der Vergangenheit auch, auf sämtliche Top-10-Währungen aus. Der Abverkauf folgte auf breiter Front. Da alle Top-Coins starke Kurseinbrüche aufweisen, gibt es auch bei den Platzierungen keine Wechsel zu vermelden.

Gewinner und Verlierer der Woche

Obwohl die große Mehrheit der Top-100-Altcoinwährungen im Zuge des Abverkaufs ebenfalls herbe Kurseinbrüche zu verzeichnen haben, gibt es zumindest sechs positive Ausnahmen. Wie in der Vorwoche auch, ist der Gewinner abermals die Kryptowährung Seele. Der Seele Coin steigt entgegen der Entwicklung des Gesamtmarkts um 42 Prozent. Damit hat sich der Kurs von Seele in den letzten 14 Tagen nahezu verdoppelt. Auch das neue Krypto-Projekt Molecular Future schafft einen Kurssprung von 38 Prozent.

Des Weiteren kann sich auch die Kryptowährung Tezos mit einem Anstieg von immerhin 13 Prozent gegen die negative Wochenentwicklung am Krypto-Markt stemmen. Unter den mehr als 90 Altcoins, die einen Kursabschlag aufweisen, befindet sich abermals das Blockchain-Protokoll Bytom mit einem Abschlag von 31 Prozent unter den schwächsten Top-100-Altcoins. Auch der OKB Coin der Kryptobörse OK Ex sowie die Kryptowährung Ontology verlieren rund dreizig Prozent an Wert. Konnte sich der Altcoin-Markt in der Vorwoche noch gut behaupten, tendieren diese Woche viele Altcoins sogar schwächer als Bitcoin.

Immerhin konnte die Marktkapitalisierung der Altcoins gut ansteigen.

Gesamtmarktkapitalisierung exklusive Bitcoin auf Basis von Werten von Cryptocap sowie auf Basis des Wertepaares BTC/USD auf Coinbase dargestellt

Der Blick auf den Chart der Altcoin/Bitcoin-Paare gegenüber BTC zeigt sehr anschaulich, dass es die Altcoins weiterhin nicht schaffen, ein neues Hoch auszubilden und den grünen Widerstandsbereich nach oben zu verlassen. Vielmehr scheitert der Kurs seit nunmehr 14 Tagen am Supertrend im Tageschart. Positiv ist anzumerken, dass sich die Altcoins im Gegensatz zu vergleichbaren Szenarien in der Vergangenheit noch recht gut behaupten. Erst bei einem Bruch des grünen Bereichs nach unten droht sich die Aussicht für die Altcoins deutlich einzutrüben.

Bitcoin-Dominanz auf Vorwochenniveau

Die Bitcoin-Dominanz bewegt sich diese Woche trotz der schwachen Performance des Gesamtmarkts auf Vorwochenniveau. Die Schlüsselmarke von 68 Prozent konnte damit erneut gehalten werden. Der Supertrend im Tageschart gibt vorerst weiterhin Halt. Die Dominanz der Leitwährung ist somit weiterhin zwischen den 68 Prozent als Unterstützung und dem Widerstand der roten Abwärtstrendlinie bei 69,5 Prozent eingekeilt. Bei Bruch der Unterstützung wäre das erste Ziel weiterhin 67,20 Prozent sowie darunter ultimativ die 66,62 Prozent. Solange die Dominanz keinen Befreiungsschlag schafft und den Bereich um 69,50 Prozent nach oben durchbricht, ist vorerst nicht von einer erneut stark ansteigenden Dominanz auszugehen.

Die Bitcoin-Dominanz ist recht tief gefallen.

Bitcoin-Dominanz auf Basis von Werten von Cryptocap dargestellt

Neuer Bärenmarkt für Altcoins?

Nachdem der Bitcoin den Bereich um 9.000 US-Dollar in der Vorwoche aufgegeben hat, folgte diese Woche der Einbruch. Die ausgebildete Seitwärtsphase wurde bearish aufgelöst und führte den Bitcoin zum Wochenende hin bis an die Unterstützung bei 6.800 US-Dollar. Damit fiel der Bitcoin sogar stärker als letzte Woche prognostiziert. Diese bearishe Entwicklung der Leitwährung wirkt sich wie erwartet sehr negativ auf die Kurse der anderen Altcoins aus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir den Boden vorerst noch nicht gesehen, dafür war der Einbruch zu heftig. Ein Anlaufen von 173 Milliarden US-Dollar bei der Gesamtmarktkapitalisierung muss aktuell angenommen werden. Dieses würde mit einem Anlaufen der 6.600 US-Dollar der Leitwährung einhergehen. Solange der Gesamtmarkt nicht wieder dynamisch über die 200 Milliarden US-Dollar ansteigt, haben die Bären das Ruder fest in der Hand. Tiefere Kurse müssen daher vorerst fest eingeplant werden.

Disclaimer: Die auf dieser Seite dargestellten Kursschätzungen stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind lediglich eine Einschätzung des Analysten.

Die Chartbilder wurden mithilfe von TradingView erstellt.

USD/EUR-Kurs zum Redaktionsschluss: 0,91 Euro.


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